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Revolution

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Bild:Disambig-dark.svg Dieser Artikel befasst sich mit dem Begriff Revolution im Sinne einer politischen und sozialen Umwälzung, für weitere Bedeutungen des Begriffs siehe Revolution (Begriffsklärung)

Revolution wurde im 15. Jahrhundert aus dem spätlateinischen revolutio („das Zurückwälzen, die Umdrehung“) entlehnt und zunächst als Fachwort in der Astronomie für die Umdrehung der Himmelskörper verwendet. Später wurde Revolution auch allgemein für „Veränderung, plötzlicher Wandel, Neuerung“ gebräuchlich. Die heutige Bedeutung als „gewaltsamer Umsturz“ bildete sich erst im 18. Jahrhundert unter dem Einfluss des französischen révolution und der Französische Revolution.[1]

Inhaltsverzeichnis

Revolution (Soziologie)

Ältere Auffassung von sozialen Umwälzungen

In der Vorstellungswelt der traditionalen vorindustriellen Gesellschaften, die auf einer harmonischen Ordnung, auf einem Einklang von Mensch, Gesellschaft und Natur mit dem göttlichen Schöpfungsakt basierte, waren die Gemeinschaft, einzelne Gruppen und auch der einzelne Mensch durch die corruptio (Verderbnis) bedroht, die immer dann gegeben ist, wenn eine Ordnung (Regierungsform) ihre positiven Züge verliert, wenn etwa freie Bürger von anderen einseitig abhängig werden, und wenn dabei die „Tugend“ (virtus) verloren geht, die das eigene Wohl mit dem Gemeinwohl vereinigen soll. In einer solchen Situation ist es geboten, an den Ausgangspunkt zurück zu kehren (Machiavelli: Ritorno ai prinicipi), Unordnung wieder in Ordnung zurück zu führen. Tatsächlich finden wir bis in die Neuzeit bei revolutionären Bewegungen bis hin zu den Anfängen der französischen Revolution immer wieder die Forderung, zum „alten Recht“ zurückzukehren. Dass eine „Revolution“ im heutigen Sinn etwas Neues schüfe, hat sich erst nach 1789 als Auffassung durchgesetzt.

Soziologie

Eine „Revolution“ bezeichnet in der Soziologie sowie umgangssprachlich einen radikalen und meist, jedoch nicht immer gewalttätigen sozialen Wandel (Umsturz) der bestehenden politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse. Er wird von einer organisierten, möglicherweise geheimen, Gruppierung von Neuerern getragen und findet die Unterstützung größerer Bevölkerungsteile (vgl. Elite, Masse (Soziologie), Massenbewegung).

Teils wird der Begriff der Emanzipation hinzu genommen, die Idee der Befreiung von gewachsenen Strukturen und eines sozialen oder politischen Freiheitsgewinns für den Einzelnen. Der Stellenwert der einzelnen Kriterien für die Definition einer Revolution ist durchaus umstritten.

Wenn ohne radikalen sozialen Wandel nur eine Organisation oder ein eng verknüpftes soziales Netzwerk, auch mit relativ geringer Massenbasis, die Revolution unternimmt, bezeichnet man dies als Staatsstreich oder, insbesondere unter Beteiligung des Militärs, als „Putsch“. Hier wird der „Revolutions“-Begriff oft anschließend als Rechtfertigung genutzt.

Der Begriff „Revolution“ wird auch verwendet, wenn dem sozialen Wandel die Schnelligkeit (Rapidität) fehlt, etwa für die global mehrere tausend Jahre dauernde „Neolithische Revolution“ (vgl. Steinzeit) oder für sich von England über den europäischen Kontinent zwischen 1750 und 1850 ausbreitende „Industrielle Revolution“ (s. a. Industrialisierung), die ihrerseits wiederum Vorbedingung für verschiedene politische Revolutionen in diesem Zeitraum war..

Soziologische Theoretiker der Revolution

(Siehe die Werkverzeichnisse in den Personenartikeln.)

Theoretisch innovativ argumentierende Revolutionäre

  1. Karl Marx (jede Gesellschaft, in der es eine Form des Besitzes an Produktionsmitteln erlaubt, sich menschliche Arbeit zu unterwerfen, endet zwangsläufig durch Revolution oder Untergang; zu unterscheiden sind „Revolutionen der Produktivkräfte“ von den durch sie ausgelösten „Revolutionen der Produktionsverhältnisse“),
  2. Friedrich Engels (Arbeit und deren Beherrschung durch Eigentum löste die erste Revolution nach dem „Urkommunismus“ aus, die die „Wildheit“ mit der „Barbarei“ beendete und der Beginn der Geschichte war, und Arbeit und Eigentum werden durch die letzte Revolution optimal disponiert werden, in der das Ende der Geschichte – das Ende des „Reichs der Notwendigkeit“ – und der Beginn des „Reichs der Freiheit“ möglich werden wird),
  3. Rosa Luxemburg (der Imperialismus ist dabei die letzte Verteidigungsmöglichkeit des Kapitalismus vor der abschließenden weltweiten proletarischen Revolution – im Bündnis mit dem Proletariat der Kolonialmächte),
  4. Lenin (die letzte Revolution kann durch den Aufbau einer Kaderpartei der proletarischen Revolutionäre vorverlegt werden),
  5. Anton Pannekoek (Parteien und Gewerkschaften – einschließlich der leninistischen – sind untaugliche Formen für den Kampf der Arbeiterklasse um ihre Emanzipation, alles kommt auf die Selbstorganisation der Arbeiterinnen und Arbeiter an)

sowie Danton, Marat, Saint-Just, Robespierre, Símon Bolívar, Giuseppe Mazzini, Bakunin, Leo Trotzki, Mao Zedong, Camilo Torres, Kwame Nkrumah, Ho Chi Minh, Che Guevara, Ali Schariati, Guy Debord und andere Revolutionäre des 18. bis 20. Jahrhunderts.

Praktiker der Revolution

Radikaler und rapider sozialer Wandel („Revolutionen“) knüpfte sich auch an erfolgreiche politische, oft auch charismatische Persönlichkeiten, deren soziologische Urteilskraft sich eher nur implizit erschließt, deren soziale Wirkung jedoch bewusst und gewollt revolutionär war, wie bereits in der Antike zum Beispiel Solon oder Caesar, im Mittelalter zum Beispiel Harald Schönhaar oder Otto der Große und in der Neuzeit zum Beispiel Pombal, Cromwell oder Atatürk.

Soziale Revolutionen im weiteren Sinne

Politische Revolutionen

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Die Freiheit führt das Volk
Eugène Delacroix 1830
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Zahlreiche (gelungene oder gescheiterte) politische Revolutionen gab es bereits, bevor sich dieser Begriff dafür durchsetzte , z.B. in weiten Gebieten des deutschsprachigen Raums im Heiligen Römischen Reich (Deutscher Nation) den Bauernkrieg 1524-26.

Geistige Revolutionen

Inflationierte „Revolutions“-Begriffe im Feld der öffentlichen Meinung bezeichnen oft nur einen Stilwandel (Moderevolutionen).

Siehe auch: Paradigmenwechsel; Das personalistische Manifest

Technische Revolutionen (marxistisch: „Revolutionen der Produktivkräfte“)

Revolution (Politologie)

Die heutige politikwissenschaftliche Revolutionstheorie nennt fünf Hauptfaktoren, die wesentliche Voraussetzungen zur Entstehung einer Revolution darstellen, wobei der Sonderfall der Entwicklungsländer nicht berücksichtigt ist:

  1. Eine plötzliche Rezession nach einer Zeit wirtschaftlicher Blüte, steigenden Wohlstands und steigender Erwartungen in die Zukunft.
  2. Ein Bewusstsein, das die bestehenden Institutionen in Frage stellt.
  3. Die Solidarisierung verschiedener Gruppen der Gesellschaft, die unterschiedliche Motive haben, mit dem bestehenden Zustand unzufrieden zu sein, und die sich zum Umsturz der alten Ordnung vorübergehend verbünden. Eine einzelne Gruppe, Schicht oder Klasse der Gesellschaft bringe keine Revolution zustande.
  4. Eine Ideologie.
  5. Schwäche, Uneinigkeit und Ineffektivität auf Seiten der Gegenkräfte, des Staates.

Nach: Eberhard Weis, Der Durchbruch des Bürgertums. 1776–1847. Propyläen Geschichte Europas, Bd. 4, Berlin 1978, 96 f.

Einzelnachweise

  1. Etymologie nach Duden «Etymologie» - Herkunftswörterbuch der deutschen Sprache, 2. Auflage, Dudenverlag, 1989

Literatur

Siehe auch

Weblinks

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wikt:
Wiktionary
Wiktionary: Revolution – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen
Wikipedia
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