Rechtschreibfehler

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Ein Rechtschreibfehler (auch Fehlschreibung genannt) bezeichnet eine Schreibweise eines Wortes oder Satzzeichens, die laut der allgemein üblichen Orthographie falsch ist.

Die beiden Hauptursachen für Rechtschreibfehler sind Unachtsamkeit (im Fall von maschinengeschriebenen Texten Tippfehler genannt) und Unkenntnis der korrekten Schreibweise.

Da die Orthographie einer Sprache Änderungen erfahren kann (Beispiel: deutsche Rechtschreibung), muss in Einzelfällen bei der Beurteilung, ob ein Rechtschreibfehler vorliegt oder nicht, das Datum des Textes mit herangezogen werden.

In Zitaten ist es üblich, Schreibungen, die nach einem Tipp- bzw. Satzfehler aussehen, aber tatsächlich so im Original stehen, unkorrigiert zu lassen und mit sic oder sic! (lat. so) zu kennzeichnen.

Inhaltsverzeichnis

Rechtschreibfehler in der deutschen Sprache

Im Zuge der Reform der deutschen Rechtschreibung von 1996 sollte die deutsche Orthographie vereinfacht und die Regeln vereinheitlicht werden. Durch die oft mangelhafte Kenntnis der neuen Regeln entstanden jedoch einige neue Rechtschreibfehler. Der wohl häufigste ist der fehlerhafte Ersatz von ß durch ss nach einem langen Vokal oder einem Diphthong (zum Beispiel „Strasse“, „Gruss“ und „ausser“ – korrekt heißt es weiterhin „Straße“, „Gruß“ und „außer“, außer in der Schweiz und in Versalschrift, wo nach wie vor ss anstelle von ß vorgesehen ist).

Schreibungen, die sowohl nach der alten als auch der neuen Orthographie falsch sind, lassen sich nach wahrscheinlichen Ursachen in folgende Gruppen einteilen:

  • Phonetisch bedingte Fehler
    • Angleichung ungewöhnlicher Graphien an die für das phonetische Phänomen übliche Schreibweise
      Beispiele: *Aquisition für Akquisition ([kv] meist als qu), *Extase für Ekstase ([ks] meist als x), *gröhlen für grölen ([øː] vor l, m, n, r häufig als öh), *Kenntniss für Kenntnis ([ɪs] auch als iss)
    • Übertragung phonetischer Prozesse wie Assimilation in die Schrift
      Beispiele: *hälst für hältst (Elision des [t]), *Imbus für Inbus (Assimilation zu zwei bilabialen Lauten) *Psychatrie für Psychiatrie (Synkope des unsilbischen [i])
  • Morphologisch bedingte Fehler
    • falsche Segmentierung von Wörtern, mitunter aufgrund von Volksetymologien
      Beispiele: *Stehgreif für Stegreif (*Steh-Greif statt Steg-Reif), *vorraus für voraus (*vor-raus statt vor-aus), *Rückrad/-rat für Rückgrat (Bestandteil Grat nicht erkannt)
    • falsche Derivationen, oft Substantivierungen
      Beispiele: *projezieren für projizieren (Ableitung von Projektor) *Reflektion für Reflexion (Ableitung von reflektieren), *Seriösität für Seriosität (Ableitung von seriös)
  • Interferenziell bedingte Fehler
    • Angleichung an die (vermeintliche) Schreibung in anderen Sprachen, meist Anglizismen oder Gallizismen
      Beispiele: *Bisquit für Biskuit (scheinbar französisch, dort jedoch biscuit), *Gallerie für Galerie (zu engl. gallery), *Pepperoni für Peperoni (wie im Italienischen)

In einigen Fällen vereinigen sich mehrere Aspekte, so in *projezieren die falsche Ableitung und die Verschriftlichung der Zentralisierung des unbetonten [i] zu [ə].

Weitere häufige Rechtschreibfehler sind falsch gesetzte Apostrophe und fehlende Bindestriche bzw. Durchkopplungen.

Rechtschreibprüfung in Computerprogrammen

In den meisten Fällen entsteht durch einen Rechtschreibfehler ein Wort, das es in dieser Schreibweise nicht gibt. Solche Rechtschreibfehler lassen sich in Computern mit vergleichsweise einfachen Mitteln automatisch finden, indem ein Rechtschreibprüfungsprogramm Wort für Wort eines Textes mit einem eingebauten Wörterbuch vergleicht. Manche Rechtschreibfehler können mit dieser Methode allerdings nicht gefunden werden, nämlich dann, wenn die Fehlschreibung für sich genommen ein gültiges Wort im Wörterbuch ist. Beispielsweise dürfte mit währe meist wäre gemeint sein, das Wort währe ist jedoch eine gültige Beugungsform des Wortes währen. Auch lassen sich durch puren Wortvergleich das Relativpronomen das und die Konjunktion dass nicht auseinanderhalten.

Weitere Wörter werden von solchen Programmen als fehlerhaft markiert, obwohl sie korrekt sind, da sie nicht im begrenzten Umfang des eingebauten Wörterbuches enthalten sind (z. B. Eigennamen oder Fachbegriffe). Besonders übel ist es, wenn eine Rechtschreibprüfung automatisch Wörter fehlkorrigiert. Zum Beispiel wird die Stadt Mülheim an der Ruhr vielfach durch solche Programme mit zwei h als Mühlheim geschrieben.

Abschätzen der Zahl von Schreibfehlern

Die Anzahl von Schreibfehlern in einem Text lässt sich leicht abschätzen. Entweder weiß man aus Erfahrung, wieviel Prozent p der falsch geschriebenen Worte ein erfahrener Korrekturleser erkennt. Oder man überprüft den Text zweifach. Findet man beim ersten Mal f1 Fehler, beim zweiten Mal f2 weitere Fehler, so enthielt der Text vor dem Korrekturlesen ungefähr eine Gesamtfehlerzahl f von:

f= f1² /(f1-f2)

Für die Wahrscheinlichkeit p, Fehler zu finden, folgt:

p= f1/f

Beispiel: Beim ersten Lesen werden f1=90 Fehler gefunden, beim zweiten Mal f2=9. Dann enthielt der Text ca. f=100 Fehler. Davon wurden 99 gefunden. Ungefähr ein Fehler verbirgt sich noch im Text. Mit der Wahrscheinlichkeit von p= 90%, Fehler zu finden, müsste der Text noch 1-2 Mal gelesen werden, um auch ihn auszubessern.

Das Abschreiben von Zahlenfolgen, z. B. Telefonbüchern, liefert wegen fehlender Redundanz der Sprache eine hohe Fehlerrate. Zur Verringerung der Fehler lässt man sie von zwei verschiedenen Personen abschreiben. Der Vergleich beider Texte löst die meisten Falschschreibungen auf. Unerkannt bleiben Fehler, die in beiden Texten gleichzeitig auftreten. Auch ihre Anzahl lässt sich statistisch abschätzen.

Seien p1, p2 die wahre Fehlerrate in beiden Texten, p1_b und p2_b die beobachtete Fehlerrate durch Vergleich beider Texte. Der unentdeckte Fehleranteil, das sind die Fehler, die gleichzeitig in beiden Texten gemacht wurden, beträgt:

(1) p_unerkannt= p1*p2

Daraus leitet sich der beobachtete Fehler ab:

(2) p1_b= p1 - p1*p2
(3) p2_b= p2 - p1*p2

Aus beiden Gleichungen (2) und (3) lässt sich auf die wahre Fehlerrate p1 bzw p2 schließen, wenn nur die beobachteten Fehler zugänglich sind:

(4) p1 = (1 + p1_b - p2_b)/2 - sqrt ((1 + p1_b - p2_b)²/4 - p1_b)

Beispiel: zwei schlecht abgetippte Texte werden verglichen. Sie weichen in p1_b = 8 % und p2_b = 18 % der Fälle vom Originaltext ab. Die Fehler, bei denen sich beide Texte vom Original unterscheiden, bleiben naturgemäß unentdeckt. Dann folgt aus (4): p1 = 10 % und der analogen Gleichung p2 = 20 %. Die Fehlerate von 10 % bzw. 20 % beider Texte lässt nach (1) 2 % der Fehler unentdeckt.

Siehe auch

Weblinks

wikt:
Wiktionary
Wiktionary: Rechtschreibfehler – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen
Wikipedia
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