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Kommunikationswissenschaft
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Kommunikationswissenschaft, oft auch Publizistik genannt, befasst sich insbesondere mit Massen- Kommunikation . U.a. ist Zeitungswissenschaft ein Vorläufer dieser Integrations- und Sozialwissenschaft, mit Ansätzen auch aus dem Recht, der Psychologie und den Wirtschaftswissenschaften.
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Definition
Die einzelnen Forschungsgebiete der Kommunikationswissenschaft verdeutlicht am einfachsten die Lasswell-Formel: (1) Wer (2) sagt was (3) auf welchem Weg (4) zu wem (5) mit welchem Effekt?.
Der Erforschung der Effekte der Massenkommunikation (Medienwirkungsforschung) geht es einerseits um das Individuum (die Psyche mit Kognitionen und Emotionen); andererseits um die Gesellschaft oder ihre Segmente, z.B. öffentlichen Meinung(en).
Lange Zeit war die Kommunikationswissenschaft durch empirische Methoden (standardisierte Befragung, Beobachtung und Inhaltsanalyse) geprägt, die der Logik des kritischen Rationalismus (vgl. Wiener Kreis, Karl Popper, Positivismusstreit) folgten. Bis heute bilden empirische Forschungsmethoden das Rückgrat der Kommunikationswissenschaft. Insbesondere der quantitativen Inhaltsanalyse kommt große Bedeutung zu. Bei dieser Vorgehensweise wird eine größere Zahl von Medieninhalten (Zeitungsartikel, Fernsehbeiträge etc.) nach einem vorher festgelegten Raster (Kategoriensystem) untersucht, wobei festgehalten wird, ob im Raster beschriebene Aussagen (Beschreibung von bestimmten Handlungen, Erwähnung bestimmter Themen und Personen, bestimmte wertende Aussagen) in den Texten (im weiteren Sinne, also auch in Bildform) getroffen werden. Die so gewonnen Daten werden dann einer statistischen Analyse zugeführt, so dass am Ende Feststellungen stehen wie "Medium X trifft mehr positive Aussagen über die Person A als Medium Y" oder "über das Thema X wird häufiger unter dem Aspekt A berichtet als unter dem Aspekt B, dies steht im Zusammenhang mit der Erwähnung von C..." usw.
Diese quantisierende, erklärende, variablenorientierte, deduktive Herangehensweise wird jedoch (viele Beobachter meinen: in zunehmendem Maße, hin zu einer Gleichbehandlung) von qualitativen, verstehenden, induktiven, hermeneutischen Ansätzen ergänzt oder ersetzt. Dies drückt sich in Methoden wie offenen Interviews und qualitativen Inhaltsanalysen aus. Auch verschiedenste Ansätze der Diskursanalyse gewinnen heute an Bedeutung.
Forschungsarten
Die Inhaltsforschung befasst sich mit den Inhalten, d.h. Aussagen und Darstellungsweisen dessen, was die Medien übermitteln. Sie differenziert sich einerseits anhand der Kontroverse darüber, was objektiv feststellbarer Inhalt ist, andererseits nach dem Erkenntnisinteresse, etwa der Einschätzung journalistischer Qualität, dem Abgleich von Realität und Berichterstattung (wenn man einen solchen Vergleich für möglich hält), Existenz und Eigenschaften einer eigenen "Medienrealität" sowie der Frage, was warum berichtet wird und warum anderes nicht, den Inszenierungsstrategien von Medienschaffenden und in den Medien präsenten Akteuren, der Ausdifferenzierung von Genres usw.
Die Kommunikatorforschung befasst sich mit Medienschaffenden und ihrer Einbindung in bestimmte Organisationen: Welche Einstellungen, Motivation, Interessen, Ausbildung usw. haben Journalisten, PR-Fachleute usw. Welchen Zwängen unterliegen sie, worin sind sie frei, wie arbeiten sie, wie entscheiden sie sich für Themen und Darstellungsweisen.
Die Publikumsforschung beschreibt schließlich die Zusammensetzung der Rezipientenschaft sowie die Motive, das Ausmaß, die Eigenschaften und Muster der Mediennutzung: Welche soziodemografischen und psychigrafischen Beschreibungen lassen sich von Lesern, Zuschauern und Zuhörern anfertigen? Welches Zeitbudget und welche Aufmerksamkeit widmen sie der Mediennutzung?
Neben diesen Gebieten befasst sich die Kommunikationswissenschaft mehr oder weniger intensiv mit Fragen des Mediensystems (Ökonomisierung, Konzentration, Medienwirtschaft, Medienrecht, Medienpolitik), der Medienethik etc.
Begriffe der Kommunikation
- Kommunikation vermittelt ganz allgemein Bedeutung zwischen Lebewesen. (Gerhard Maletzke, Kommunikationswissenschaft im Überblick, S.37) -> Soziale Kommunikationsprozesse (im Gegensatz zu technischen) bilden also den Mittelpunkt des Interesses.
Genauer: symbolisch vermittelte Interaktion (Burkart, Roland, Kommunikationswissenschaft, S.20 ff.)
- Massenkommunikation: jener Prozess, bei dem technische Verbreitungsmittel Aussagen öffentlich indirekt und einseitig an ein disperses Publikum vermitteln. (Definition von Gerhard Maletzke in: Psychologie der Massenkommunikation, S.32).
- Interaktion: soziales Handeln (=intentionales Verhalten). Da Kommunikation nichts anderes ist als soziales Handeln mit Hilfe von Symbolen, setzt C. F. Graumann die Begriffe "Kommunikation" und "Interaktion" gleich.
- Sprache: Verständigung mit Hilfe von Symbolen.
- Kommunikator: Journalist(en), Moderator(en) oder Kommentator(en) ("Kommunikatorseite").
- Aussage: präziser wäre "das Ausgesagte". "Das Ausgesagte" umfasst sowohl den Inhalt als auch die Form von Botschaften.
- Medium:(lat. Mittel) ein umstrittener Begriff, allgemein Verbreitungtechniken- oder Mittel. Medien erster Ordnung: technische Einrichtungen (Druckmaschinen, Video-Schnittsysteme, Bildschirme etc.) - also bloße Kommunikationskanäle oder Infrastruktur. Medien zweiter Ordnung: Formen der Arbeitsorganisationen (Redaktionen, Nachrichtenagenturen o.ä.)? Informations-Verarbeitungsmuster? Die Kommunikationswissenschaft hat sich hier noch nicht geeinigt.
Die etwas holprige Definition von U. Saxer: "...komplexe institutionalisierte Systeme um organisierte Kommunikationskanäle von spezifischem Leistungsvermögen." (Saxer, Grenzen der Publizistikwissenschaft)
- Rezipient: Eine Person, die eine Aussage empfängt und "entschlüsselt". Wenden sich mehrere Rezipienten derselben Aussage zu, spricht man von Publikum. Recht einheitlich verwendeter Begriff.
Literatur
- Publizistik. Vierteljahreshefte für Kommunikationsforschung. Herausgegeben von Christina Holtz-Bacha, Arnulf Kutsch, Wolfgang R. Langenbucher, Klaus Schönbach. Westdeutscher Verlag, Opladen 1955 ff. (Inhaltsverzeichnis)
- Roland Burkart: Kommunikationswissenschaft. Grundlagen und Problemfelder. Umrisse einer interdisziplinären Sozialwissenschaft. Stuttgart: UTB, 2002.
- Andreas Hepp: Cultural Studies und Medienanalyse. Eine Einführung. 2. Auflage. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 1999
- Elisabeth Klaus: Kommunikationswissenschaftliche Geschlechterforschung. Zur Bedeutung der Frauen in den Massenmedien und im Journalismus. Wien 2005 (2. Auflage).
- Klaus Merten, Siegfried J. Schmidt, Siegfried Weischenberg (Hrsg.): Die Wirklichkeit der Medien. Eine Einführung in die Kommunikationswissenschaft. Westdeutscher Verlag, Opladen 1994, ISBN 3531123270
- Michael Meyen, Maria Löblich: Klassiker der Kommunikationswissenschaft. Fach- und Theoriegeschichte in Deutschland. UVK, Konstanz 2006, ISBN 3-89669-456-1 (Rezension)
- Heinz Pürer: Publizistik- und Kommunikationswissenschaft. Ein Handbuch. UVK, Konstanz 2003
- Siegfried J. Schmidt, Guido Zurstiege: Orientierung Kommunikationswissenschaft. Was sie kann, was sie will. Rowohlt, Reinbek 2000, ISBN 3-499-55618-9
- Stefan Weber (Hrsg.): Theorien der Medien. Von der Kulturkritik bis zum Konstruktivismus. UVK, Konstanz 2003, ISBN 3-8252-2424-4 (bietet einen guten Überblick über den derzeitigen Stand der Theorieentwicklung)
Weblinks
- Deutsche Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft (DGPuK)
- International Communication Association (ICA)
- European Communication Research and Education Association (ECREA)
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