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Pressegeschichte

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Titelblatt der Relation von Johann Carolus (1609), der ersten Zeitung der Welt.

Die Presse ist das älteste Massenmedium. Dieser Artikel behandelt die Geschichte der Presse, von ihren Anfängen bis heute.

Inhaltsverzeichnis

Wurzeln und Ursprünge (12.-15. Jahrhundert)

Ursprung der Presse ist die gesprochene oder gesungene Kommunikation von fahrenden Spielleuten, wie z.B. Walther von der Vogelweide.

Seit circa 1380 berichteten Kaufmannsbriefe neben privaten und geschäftlichen Nachrichten auch über Politik und Wissenschaft. Berühmtes Beispiel sind die Fuggerzeitungen.

Im 14. Jahrhundert entwickelt sich der Begriff der "Zeitung" im Kölner Raum aus dem "zidunge", das für "Nachricht", "Neuigkeit" stand.

1445 wird mit der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern durch den Mainzer Johannes Gensfleisch zur Lade - auch Johannes Gutenberg genannt - die Grundlage zur Massenverbreitung von Presseerzeugnissen gelegt.

Es werden vor allem Flugschriften und Flugblätter veröffentlicht und verteilt. Wobei sich der Name Flugblatt sich wahrscheinlich auf ihre schnelle Verbreitung bezieht. Sie erschienen nicht periodisch, oftmals sogar nur einmalig, zählen aber bis heute dennoch zu den Printmedien. Vor allem die Illustrationen waren hier zur Übermittlung der Botschaft des Flugblattes in dieser Zeit sehr wichtig, da nur ein sehr kleiner Teil der Bevölkerung alphabetisiert war. Außerdem sollten sie zum Kauf anreizen. Sehr beliebt waren Abbildungen von fremden, wilden Tieren; unbekannten Gegenständen, Ländern oder Kreaturen und Monstrositäten.

Erste Anfänge der periodischen Presse (16.-18. Jahrhundert)

1502 Die Newe zeytung, eine erstmals gedruckte, unperiodisch erscheinende Nachrichtenzusammenstellung erscheint. Die Neuen Zeitungen berichteten von aktuellen Ereignissen oder fassten die politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Begebenheiten der letzten Zeit zusammen. Bevorzugt Sensationsnachrichten wurden veröffentlicht. Sie erschienen regelmäßig, besaßen somit damals schon eine gewisse Periodizität und Aktualität. Circa bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts gab es die „Neuen Zeitungen“, die Titelanzahl zwischen 1500 und 1700 wird auf 5000 bis 8000 geschätzt.

Zwischen 1501 und 1530 erschienen etwa 10.000 Flugschriften mit religiösem oder/und politischem Inhalt, zumeist waren scharfe Kritik und satirische Darstellungen der Situation der Inhalt.

1597 wird die Rohrschacher Monatsschrift als erste periodisch erscheinende Zeitung in Rorschach, Bodensee, herausgegeben, als Nachfolger der Flugschriften beziehungsweise Einblattdrucke, auf denen bislang Neuigkeiten angezeigt wurden.

1605 gibt Johann Carolus in Straßburg erstmalig die Relation aller fürnemmen und gedenckwürdigen Historien heraus, die vom Weltverband der Zeitungen als erste Zeitung der Welt anerkannt wird.[1] Damit darf Deutschland als Ursprungsland der Zeitung gelten. Als zweitälteste Zeitung erscheint ab 1609 der Aviso, Relation oder Zeitung (herausgegeben von Julius A. von Söhne in Wolfenbüttel). In rascher Abfolge werden weitere Zeitungen gegründet, zunächst in Deutschland, bald aber auch im Ausland: In Basel (1610), Frankfurt am Main (1615 - Frankfurter Postzeitung), Berlin (1617), Amsterdam (1618), London (1621) und Paris (1631).

1650 erscheint in Leipzig mit den "Einkommenden Zeitungen" von Timotheus Ritzsch zum ersten Mal eine Tageszeitung mit sechs Ausgaben pro Woche. Die erste Tageszeitung war die Einkommende Zeitung, die sechs Mal in der Woche erschien (ab 1660, Leipzig). Ab 1663 bietet Georg Greflingers "Norddeutscher Mercurius" bereits nach Themen sortierte Rubriken.

1680 erreichte das Frankfurter Journal schon eine Auflage von 1500 Exemplaren.

1688 erschien die Zeitschrift Monatsgespräche von Christian Thomasius in deutscher Sprache in Deutschland.

Im 17. Jahrhundert erscheinen über 200 meist kurzlebige Zeitungen einer Durchschnittsauflage von 300 Exemplaren, deren Ausbreitungsbereich sich durch Vorlesen wesentlich erweitert.

Im 17. Jahrhundert wurden die Flugschriften und Blätter immer politischer, was vor allem an der Situation im Land und dem Dreißjährigen Krieg lag. Die Bevölkerung wollte vermehrt und genauer über die politische Situation im Land informiert sein und werden. Nachgewiesen wurden für das 17. Jahrhundert mehr als 7.000 deutschsprachige politische Flugschriften und Flugblätter.

Im 18. Jahrhundert gibt es circa 300 Zeitungen, wobei der Hamburgische Unpartheyische Correspondent die höchste Auflage 30.000 Stück hat. Die Presse unterliegt landesfürstlicher Zensur.

Ein Typ von Zeitschrift war die Moralische Wochenschrift. Die von den Engländern Joseph Addison und Richard Steele verfassten und veröffentlichten Zeitschriften dienten als Vorbilder. Themen waren neben politischen, die Familie, die Erziehung der Sittlichkeit, der Toleranz, Tugendhaftigkeit und der Moral, das Zusammenleben in der Gesellschaft und der Hof und die Kritik an diesem. Der Hof und der Adel wurden verspottet, aber eine neue Staatsform oder Gesellschaftsform wurde nicht propagiert. Eine berühmte deutsche Moralische Wochenschrift war Der Patriot, der von 1724-1726 sehr erfolgreich in Deutschland erschienen ist.

1703 wird in Wien die Wiener Zeitung gegründet, die älteste noch bestehende deutschsprachige Zeitung, 1705 die Hildesheimer Allgemeine Zeitung als älteste deutsche Zeitung (Gründungsname Hildesheimer Relations-Courier), 1780 in der Schweiz die Neue Zürcher Zeitung, 1788 dann The Times in London.

1725 erscheint die erste Frauenzeitschrift, Die vernünftigen Tadlerinnen, herausgegeben von Johann Christoph Gottsched.

1798 erschien erstmals die von Johann Friedrich Cotta gegründete Allgemeine Zeitung, die im 19. Jahrhundert zur bedeutendsten deutschen Tageszeitung wurde.

Der Weg zur modernen Presse (ab dem 19. Jahrhundert)

Im 19. Jahrhundert entstand die Massenpresse, was zum großen Teil an den technischen Neuerungen der Druckpressen lag. 1812 wurde die Schnellpresse erfunden, 1845 die Rotationsmaschinen und 1884 die Linotype-Setzmaschine. Außerdem stieg weiterhin das Interesse der Bevölkerung an Informationen aus Politik und Gesellschaft.

Zudem wurde das staatliche Anzeigenmonopol aufgehoben, dadurch entstand für das Zeitungswesen die zweite Einnahmequelle – der Anzeigenverkauf. Durch den Anzeigenverkauf konnte die Zeitung selbst noch günstiger verkauft werden, was zu einer wesentlich größeren Verbreitung führte.

In der gleichen Periode stieg die Alphabetisierungsrate rasant an, konnten 1750 erst knapp 10 % der Bevölkerung lesen und schreiben, waren es 1871 schon 88 %, dadurch vergrößerte sich der Leserkreis der Zeitungsleser enorm. Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Deutschland circa 3500 Zeitungen.

1819 schreiben die Karlsbader Beschlüsse die Pressezensur fest.

1832 Wochenblatt für den Kreis Delmenhorst gegründet; Vorgängerin des heutigen Delmenhorster Kreisblatt

1835 wurde die erst Nachrichtenagentur gegründet, die Agence Havas in Paris.

Die erste regelmäßig durch Fotographien, bebilderte Zeitschrift ist 1842 die Leipziger Illustrierte Zeitung.

1848 wird die Pressefreiheit durch die Paulskirchen-Verfassung erstmals gesetzlich verankert. Es kommt zwar bald darauf zu einem Rückfall in vormärzliche Methoden (Kautionszwang, Stempelsteuer,...), aber die alte Pressekontrolle konnte nicht wiederhergestellt werden.

1872 wird das [[Berliner Tageblatt]] vom Berliner Verleger Rudolf Mosse gegründet.

1874 wird die Pressefreiheit im Reichspressegesetz endgültig verankert.

Im 19. Jahrhundert entwickelt sich die Partei -und Gesinnungspresse sowie eine Massenpresse.

Ende des 19. Jahrhunderts entstehen die großen Pressekonzerne: Mosse, Ullstein-Verlag und Scherl in Berlin.

Vor dem Ersten Weltkrieg gab es circa 4000 deutsche Zeitungen, durch den Krieg wurde diese Zahl stark verkleinert.

Während des Ersten Weltkrieges wird die Pressefreiheit aufgehoben und durch eine strenge Militärzensur ersetzt.

1916 Alfred Hugenberg gründet den ersten Zeitungskonzern, und schafft durch den Kauf des Scherl-Verlags und der Ufa 1927 den ersten Medienkonzern.

Die Weimarer Republik gewährleistete in ihrer Reichsverfassung 1919 zwar die Meinungsfreiheit als Individualrecht, enthielt aber nicht die Pressefreiheit.

Die Republikschutzgesetze von 1922 und 1930 sowie die Notverordnungen von 1931 und 1932 führen zu zahlreichen Zeitungsverboten.

1932 gibt es in Deutschland 4702 Zeitungen, Auflage insgesamt 25 Millionen.

Presse im Nationalsozialismus

1933 geht mit der Zeit des Nationalsozialismus die inhaltliche Gleichschaltung der Presse und starke Eingriffe in der zuvor allein von ökonomischen Kriterien getragenen Verlagsstruktur einher. Die Pressefreiheit wurde abgeschafft und die Medien in den Dienst des NS-Staates gestellt.

Inhaltliche Gleichschaltung

Nach der Machtergreifung erhielten die Zeitungen den Status eines "Trägers öffentlicher Aufgaben" (Schriftleitergesetz 1933; Begründung) zugewiesen, womit sie von einem Kontrolleur staatlichen Handelns zu einem staatlichen Instrument der Propaganda und der Beeinflussung des deutschen Volkes im Sinne des Nationalsozialismus wurden. Im März 1933 wurde dazu als zentrale Überwachungs- und Anleitungsinstitution das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda (Reichspropagandaministerium) unter Leitung von Joseph Goebbels geschaffen.

Wer den braunen Machthabern ideologisch nicht passte, wurde entlassen, vertrieben, ermordet. Protest war selten, selbst die journalistischen und verlegerischen Standesvertretungen wagten nur mittelbaren Widerspruch. Die Journalistenvertretung 'Reichsverband der deutschen Presse' wurde anders als andere Gewerkschaften nicht verboten, sondern die Mitglieder wählten 1933 einfach den neuen nationalsozialistischen 'Reichspressechef' Otto Dietrich an ihre Verbandsspitze. Auch die Verleger bestimmten im Juni 1933 mit Max Amann einen Mann zu ihrem Vorsitzenden, der als ‚Reichsleiter für die Presse der NSDAP' sowie als Präsident der für die Medienkontrolle zuständigen 'Reichspressekammer' zur Spitze des Nationalsozialismus gehörte.

1933 wurde durch das Schriftleitergesetz der Beruf des Journalisten beschränkt: nur wer die rassischen Voraussetzungen erfüllte und als politisch zuverlässig galt, durfte publizieren, alle anderen hatten ein Berufsverbot. Nach der Anordnung zur Beseitigung der Skandalpresse von 1935 konnten Verleger, deren Zeitungen 'Anstoß erregten' oder 'der Würde der Presse schadeten', aus dem 'Reichsverband der deutschen Zeitungsverleger' ausgeschlossen werden, was ebenfalls ein Berufsverbot bedeutete.

Damit hatte sich der NS-Staat ein Instrumentarium zugelegt, das die völlige inhaltliche Kontrolle über die Medien gewährleistete. Die Folge waren unterschiedliche Eingriffe in die Zeitungsproduktion.

Etwa:

Zur Durchsetzung nationalsozialistischer Inhalte erhielten die Redaktionen vom Reichspropagandaministerium Anweisungen, welche Themen auf welche Weise zu behandeln waren (siehe auch Reichspressekonferenz). Um eine bessere Kontrolle der Inhalte durchsetzen zu können, wurde den Verlagen zudem die Kontrolle über die Redaktionen entzogen, indem Chefredakteure installiert wurden, die dem NS-Staat genehm waren und die nicht mehr den Verlegern untergeordnet waren, sondern ihre redaktionellen Entscheidungen eigenmächtig treffen konnten.

Eingriffe in die verlegerischen Strukturen

Zur nationalsozialistischen Pressepolitik gehörte jedoch nicht nur die inhaltliche Gleichschaltung, sondern auch die ökonomisch-verlegerischen Strukturen wurden zugunsten der NSDAP vereinheitlicht. Bereits im Frühjahr enteignete der NS-Staat die Zeitungen von SPD und KPD entschädigungslos, wodurch die NSDAP erstmals in den Besitz nennenswerter Ressourcen zur Herausgabe eigener Zeitungen kam.

Zwar hatten die nach der Enteignung der sozialdemokratischen und kommunistischen Presse noch verbliebenen bürgerlichen Verleger anfangs gehofft, durch eine zunehmende Nähe zum NS-Staat wenn schon nicht die Pressefreiheit, so doch das Eigentum unversehrt erhalten zu können, doch verloren nach den Arbeiterparteien SPD und KPD nach und nach auch andere Eigentümer ihre Verlage: Schnell wurden die jüdischen Verleger ausgeschaltet, wenig später auch katholische und liberale Blätter, Kleinbetriebe, international renommierte Zeitungen (etwa Vossische Zeitung und Berliner Tageblatt) und am Ende vereinzelt sogar frühe Vorkämpfer der braunen Bewegung enteignet beziehungsweise zum Verkauf ihrer Zeitungen gezwungen.

Der NS-Staat erließ dazu 1935 zwei Verordnungen, die die ökonomischen Möglichkeiten der verbliebenen bürgerlichen Verlage beschränkten:

  • Die Anordnung über die Schließung von Zeitungsverlagen zwecks Beseitigung ungesunder Wettbewerbsverhältnisse ermöglichte es, Verlage in Städten mit mehr als einer Zeitung zu enteignen beziehungsweise zu einem Verkauf zu zwingen;
  • die Anordnung zur Wahrung der Unabhängigkeit des Zeitungswesens verbot die Organisation von Verlagen als Kapitalgesellschaften und schrieb persönlichen Besitz vor, wobei jeder Eigentümer nur an einer Zeitung beteiligt sein durfte.

Ein großer Teil der Verleger verkaufte (anfangs wegen der schon vor 1933 schlechten ökonomischen Situation der Presse freiwillig, später unter Druck) seit 1934 Beteiligungen an der eigenen Zeitung oder die ganze Zeitung an die von der NSDAP kontrollierten Verlage 'Phönix-Zeitungsverlags-GmbH' (für die konfessionelle Presse) und 'Vera Verlagsanstalt GmbH' (für sonstige bürgerliche Zeitungen), fusionierte mit konkurrierenden NS-Blättern oder gab die Zeitungen komplett an die NSDAP ab.

Im Jahr 1944 kontrollierte die NSDAP schließlich im deutschen Reich 36 Prozent aller Zeitungen, die allerdings insgesamt 82,5 Prozent der täglichen Auflage herausbrachten.

Insgesamt sank die Zahl der Tageszeitungen im NS-Staat von 4.702 im Jahr 1932 auf rund 2.500 im Jahr 1937 und weiter auf 977 im Oktober 1944. In den letzten Kriegswochen kam es zu weiteren Zeitungsschließungen und -zusammenlegungen sowie Zerstörungen von Verlagen und Druckereien, bis dass die alliierten Truppen die nationalsozialistische deutsche Presse im April/Mai 1945 endgültig schlossen.

Presse in der Besatzungszeit 1945-1949

1945 schufen die Siegermächte durch das Verbot der bestehenden Zeitungen und ihre Lizenzpolitik die Grundlage für den vollständigen Neuaufbau des Pressewesens sowohl in der BRD als auch in der DDR.

Ziel war es, die nationalsozialistische Durchwirkung der Presse zu beseitigen, wozu die Beseitigung der gesamten traditionellen Presse als notwendig erachtet wurde. Die Besatzungsmächte sahen deshalb im Wesentlichen für ihre Pressepolitik eine Abfolge von drei Stufen vor:

Fast alle traditionellen Tageszeitungen mussten auf Anweisung der Besatzungsbehörden schließen (Blackout), einige Dutzend konnten jedoch (zum Teil inhaltlich auf lokale Berichterstattung, Bekanntmachungen und/oder Anzeigen beschränkt) zwischen April und Juli 1945 für einige Tage bis Wochen unter ihrem traditionellen Namen wieder erscheinen, so die Cellesche Zeitung, der Mühlhauser Anzeiger, das Tageblatt für Penig und Lunzenau, die Eisleber Zeitung, die Schaumburger Zeitung aus Rinteln oder die Deister- und Weserzeitung aus Hameln.

Die Vermittlung der für die Bevölkerung wichtigen Informationen und Nachrichten erfolgte in allen Besatzungsgebieten jedoch zunächst vor allem durch die von den alliierten Truppen herausgegebenen Zeitungen ("Heeresgruppenpresse"), aus denen eine Vielzahl heute noch bestehender großer Tageszeitungen hervorgehen sollte: Ab Sommer 1945 bekam in der Nachfolge der Heeresgruppenpresse statt der alten nationalsozialistisch belasteten (Alt-) Verleger eine begrenzte Zahl von neuen Lizenznehmern, die nun notwendige besondere Genehmigung zur Herausgabe so genannter Lizenzzeitungen. Die meisten Journalisten, die zwischen 1933 und 1945 bei den Medien gearbeitet hatten, bekamen wegen ihrer Verquickung mit dem NS-Staat, genauso wie die traditionellen Altverleger, vorläufig ein Berufsverbot.

In diese Zeit fiel die Gründung folgender Zeitungen beziehungsweise Verlage:

Am 21. September 1949 wurde in Westdeutschland die Generallizenz erteilt und jeder konnte eine Zeitung gründen. Die meisten danach erscheinenden Zeitungen wurden von den so genannten Altverlegern gegründet, also von jenen, die während des 3. Reiches eine Zeitung oder Zeitschrift herausgegeben hatten und deshalb in der Besatzungszeit automatisch von den Lizenzen ausgeschlossen waren.

Presse in der Bundesrepublik Deutschland

Durch die Generallizenz kam es seit 1949 zu einem starken Anstieg der Zeitungszahl/Titelanzahl. In die Gründungsphase nach 1949 fällt die Entstehung folgender Zeitungen:

  • Die Bild-Zeitung erschien am 24. Juni 1952 erstmals mit einer Gesamtauflage von 250.000 Exemplaren.

Die Deutsche Presseagentur wird 1949 durch einen Zusammenschluss der Deutschen Nachrichtenagentur, der Süddeutschen Nachrichtenagentur und dem Deutschen Pressedienst gegründet. Sie ist bis heute die größte deutschsprachige Agentur. Die zunehmende Konkurrenz vor allem unter den Lokalzeitungen führte zu einem starken Verdrängungswettbewerb zwischen den Zeitungen aus der Lizenzphase und der Presse der Altverleger. Meistens mussten letztere wieder aufgeben, da sich die Lizenzpresse meist bereits eine treue Leserschaft aufbauen konnte. Ab 1954 tritt eine starke Pressekonzentration ein, die besonders die Zahl der kleineren Lokalzeitungen dezimierte und die Stellung der großen Verlage erheblich verbesserte. Die Zahl der Einzeitungskreise verdoppelte sich.

1956 wird der Deutsche Presserat gegründet.

1968 erfongten dem auf den Studentenführer Rudi Dutschke verübten Attentat Studentenunruhen gegen den Axel-Springer-Verlag.

1974 wird der Entwurf eines Presserechts-Rahmengesetzes vorgelegt, das aber nie realisiert werden wird.

1976 ist der Prozess der Pressekonzentration weitgehend gestoppt, und bis zur Wiedervereinigung hat sich die größen- und zahlenmäßige Struktur der Presselandschaft nicht mehr tief greifend verändert.

1978 erscheint „Die tageszeitung“ (taz).

Die Presse in der DDR

Die sowjetische Besatzungsmacht vergab nur Lizenzen an Parteien und große Organisationen. Bis zum Zusammenbruch der DDR waren Lizenzen nötig, um einen Titel publizieren zu dürfen. Die Anzahl der Tageszeitungen der DDR blieb dadurch während der vierzig Jahre nahezu konstant. Auch in der DDR wurde in der Verfassung die formelle Pressefreiheit verankert. Jedoch gab es durch Verordnungen, Bestimmungen und Kontrollen der Behörden zahlreiche Einschränkungen, so dass von einer Pressefreiheit, wie wir sie kennen, nichts mehr übrig war. Ein Pressegesetz gab es nicht. Auch von einer Informationsfreiheit kann man nicht sprechen.

Besitzer der Zeitungen waren entweder staatliche Massenorganisationen oder Parteien. Lediglich am Anfang konnten auch privatwirtschaftliche verfasste Tageszeitungen erscheinen, so die Leipziger Zeitung, Berlin am Mittag, Altenburger Nachrichten, in Weimar die Abendpost, in Potsdam die Tagespost und der Nacht-Express in Berlin. Der Express-Verlag konnte sich dabei mit Zeitschriftentiteln wie Illustrierter Radsport-Express, Der Sammler-Express oder Der Kleingärtner und Siedler zu einem differenzierteren größeren Verlag entwickeln. Auch die liberaldemokratischen Parteizeitungen Norddeutsche Zeitung oder Der Morgen hatten anfangs private Lizenzinhaber. Die privaten Zeitungen wurden jedoch bis spätestens Anfang der 1950er Jahre geschlossen bzw. die Lizenzen auf die ostdeutschen Parteien übertragen.

Vertrieben wurden die Titel ausschließlich über den Postweg, so konnte der Staat am Besten seine Kontrolle ausüben. Kontrolliert wurden die Massenmedien durch den Staatsapparat, oberste Behörde war hierfür die Abteilung Agitation und Propaganda des Zentralkomitees der SED.

Genehmigte, aber trotzdem nicht gern gesehene Publikationen hatten durch Restriktionen oft Rohstoffmangel, um ihre Titel drucken und veröffentlichen zu können. Die Tageszeitung mit der höchsten Auflage war die Junge Welt der FDJ (1989 circa 1,3 Millionen Exemplare), vor Neues Deutschland (1989 knapp eine Million Exemplare), dem Zentralorgan der SED. 1989 gab es in der DDR noch 39 Tageszeitungen, davon 30 Regionalzeitungen. Ihre Gesamtauflage betrug um die 9,7 Millionen Exemplare. Die SED selbst gab 15 Bezirkszeitungen heraus, diese wurden nach der Wiedervereinigung an westdeutsche Verlage, durch die Treuhand, verkauft. Zu den Printmedien der DDR gehörten außerdem 30 Wochenzeitungen und Illustrierte, darunter Fernseh-, Familien-, Frauen- und Modezeitschriften (insgesamt circa neun Millionen Exemplare); nicht zu vergessen die sehr beliebte und noch heute viel zitierte Satirezeitschrift Eulenspiegel.

Die Presse nach der Wiedervereinigung

1991 verkaufte die Treuhandanstalt die ostdeutschen Zeitungen und Zeitschriften, die sich in der DDR seit Beginn der 1950er Jahre ausschließlich im Besitz von Parteien (meist der SED) und Massenorganisationen befunden hatten. Den Zuschlag bekamen ausschließlich westdeutsche Verlage (ein französischer chancenreicher Bewerber um die Märkische Allgemeine, die Dernières Nouvelles d'Alsace aus Straßburg, zog sein Angebot an die Treuhandanstalt "wegen des Golfkrieges" wieder zurück). Da die schon zu DDR-Zeiten führenden Tageszeitungen, die früheren SED-Bezirkszeitungen, beim Verkauf nicht geteilt wurden, blieb deren monopolartige Stellung in Ostdeutschland bis heute erhalten. Zwar gründeten andere (zumeist kleinere) westdeutsche Verleger zu Beginn der 1990er Jahre eine Vielzahl von Lokalzeitungen (Schätzungen liegen zwischen 70 und 140), die jedoch zumeist wieder eingestellt werden mussten. Nicht zuletzt der Verleger Dirk Ippen bewies jedoch mit der erfolgreichen Etablierung der Lokalzeitungen Oranienburger Generalanzeiger samt Gransee-Zeitung und Ruppiner Anzeiger sowie der Altmark-Zeitung, dass trotz der die alten Monopole erhaltenden Verkaufspolitik der Treuhandanstalt die Neugründung von Lokalzeitungen möglich war (siehe auch Tageszeitungen der DDR).

Am 18. Januar 1993 erscheint das Nachrichtenmagazin "Focus".

Die Presse und die Neuen Medien

Mitte der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts begannen Verlage von Zeitungen und Zeitschriften damit, ihre gedruckten Ausgaben durch Internet-Präsenzen zu ergänzen. Vorreiter dieser Entwicklung in Deutschland war die Schweriner Volkszeitung, deren Webauftritt bereits am 5. Mai 1995 online ging. Sie war damit die erste deutsche Tageszeitung im Internet.

Bereits im Herbst 2000 entstand mit der Netzeitung in Deutschland eine der ersten reinen Internetzeitungen, welche gänzlich auf die Verbreitung und den Verkauf von Druckerzeugnissen verzichten. Eine weitere beudetende reine Internetzeitung im deutschsprachigen Raum ist Telepolis, welche bis 1998 auch als Printausgabe erschien und sich vor allem mit netzpolitischen Fragen, Datenschutz und Medien aber auch mit wissenschaftlichen Themen, Politik und Kulturkritik beschäftigt.

Durch die immer stärker zunehmende Popularität Neuer Medien wie Blogs, Newsfeeds und Podcasts, wurden nach 2001 auch traditionelle Medien auf die neuen Darstellungsformen aufmerksam und nutzen sie mehr oder weniger geschickt zur Cross Promotion.

Seit November 2004 läuft mit Wikinews auch der Versuch, eine offene, Wiki-basierte Nachrichtenplattform zu etablieren.

Ab Mitte 2007 ist ein Pilotprojekt zur individuellen Tageszeitung geben.

Zeitungsmuseen

  • Deutsches Pressemuseum Hamburg e.V., Feldbrunnenstraße 7, 20148 Hamburg
  • Internationales Zeitungsmuseum der Stadt Aachen, Pontstraße 13, 52062 Aachen
  • Deutsches Zeitungsmuseum, Am Abteihof 1, 66787 Wadgassen
  • Stiftung Deutsches Zeitungsmuseum im Gutenberg-Museum Mainz, Liebfrauenplatz 5, 55116 Mainz

Siehe auch: Zeitungsmuseum, Zeitungsantiquariat, Liste antiquarischer deutscher Zeitungen

Siehe auch

Weblinks

Literatur

Verzeichnisse

  • Deutsche Presse : biobibliographische Handbücher zur Geschichte der deutschsprachigen periodischen Presse von den Anfängen bis 1815, hg. von Holger Böning, Stuttgart-Bad Cannstatt : Frommann-Holzboog, 1996-
    • Bd. 1: Hamburg : kommentierte Bibliographie der Zeitungen, Zeitschriften, Intelligenzblätter, Kalender und Almanache sowie biographische Hinweise zu Herausgebern, Verlegern und Druckern periodischer Schriften

Böning verzeichnet über 1000 Titel, von denen 600 nicht in Joachim Kirchners Zeitschriftenbibliographie enthalten sind.

  • Karl Schottenloher: Flugblatt und Zeitung. Ein Wegweiser durch das gedruckte Tagesschrifttum, Band 1: Von den Anfängen bis 1848, Berlin, Schmidt 1922. Neu herausgegeben, eingeleitet und ergänzt von J. Binkowski, München, Klinkhardt und Biermann 1985, ISBN 3-781-40228-2

Darstellungen

  • Holger Böning, Welteroberung durch ein neues Publikum. Die deutsche Presse und der Weg zur Aufklärung. Hamburg und Altona als Beispiel, Bremen: edition lumière, 2002
  • Margret Boveri. Wir lügen alle: Eine Hauptstadtzeitung unter Hitler. Olten: Walter, 1965.
  • Hans Bohrmann und Gabriele Toepser-Ziegert (Hrsg.): NS-Presseanweisungen der Vorkriegszeit. Edition und Dokumentation, Bd. 1-7 (1933-1939), München: Saur 1984-2001.
  • Bernd Drücke: Zwischen Schreibtisch und Straßenschlacht? Anarchismus und libertäre Presse in Ost- und Westdeutschland. Verlag Klemm & Oelschläger, Ulm 1998, 640 Seiten. ISBN 3-932577-05-1
  • Fischer, Ernst; Haefs, Wilhelm; Mix, York-Gothart (Hrsg.): Von Almanach bis Zeitung. Ein Handbuch der Medien in Deutschland 1700-1800. München. Verlag C.H.Beck 1999. ISBN 3406454763
  • Heinz Pürer, Johannes Raabe: Medien in Deutschland. Band 1: Presse. UVK Medien, Konstanz 1996.
  • Elisabeth Noelle-Neumann, Winfried Schulz, Jürgen Wilke (Hrsg.): Fischer Lexikon Publizistik Massenkommunikation. Frankfurt 2002.
  • Stöber, Rudolf: Deutsche Pressegeschichte. Konstanz. UVK Verlagsgesellschaft 2005. ISBN 3825227162
  • Franz Josef Wiegelmann: Johann Wolfgang von Goethe. Leben, Werk und Wirkungsgeschichte im Spiegelbild der Presse seit 1832; Bonn 2006, 380 Seiten. ISBN 978-3-939431-01-5
  • Franz Josef Wiegelmann: Wi(e)der die Juden. Judentum und Antisemitismus in der Publizistik aus sieben Jahrhunderten; Bonn 2005, 268 Seiten. ISBN 978-3-9809762-8-2
  • Franz Josef Wiegelmann: Wi(e)der die Juden. Judentum und Antisemitismus in der Publizistik aus sieben Jahrhunderten. Supplement Dresden; Bonn 2007, 12 Seiten. ISBN 978-3-3939431-12-1
  • Arnulf Kutsch, Johannes Weber: 350 Jahre Tageszeitung, Forschungen und Dokumente. Bremen 2002. Paperback, 220 Seiten. ISBN 3-934686-06

Weblinks


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