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Effektivwert
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Unter dem Effektivwert versteht man in der Elektro- bzw. Messtechnik den quadratischen Mittelwert (engl.: Root Mean Square, Abkürzung: RMS) eines zeitlich veränderlichen Signals.
Der häufigste Fall ist die Angabe der Effektivspannung des Wechselstroms, die man aus dem Stromnetz bzw. der Steckdose beziehen kann. Diese sinusförmige Spannung von 50 Hz (in den USA und anderen Ländern oft auch 60 Hz) mit einem Maximum (Scheitelwert) von etwa 325 V erbringt an einem ohmschen Widerstand (z. B. einem Toaster) im zeitlichen Mittel die gleiche Leistung wie eine Gleichspannung von 230 Volt. Die Spitzenleistung beim Scheitelwert beträgt jedoch das Doppelte.
Der aufgenommene Strom von Geräten ist oft abweichend von der Spannung nicht gleich- oder sinusförmig, verursacht durch nichtlineare Bauelemente wie Gleichrichterdioden oder Schalttransistoren. Die Stromwärme in Verlustwiderständen ergibt sich jedoch aus seinem Effektivwert bzw. RMS-Wert, daher muss die Dimensionierung von Leiterquerschnitten den Effektivstrom berücksichtigen.
Mit Hilfe der Effektivwerte von Strom und Spannung lassen sich bei einfachen, periodischen Spannungs-Kurvenverläufen an ohmschen Verbrauchern die Formeln der Gleichstromtechnik für die Wechselstromtechnik verwenden, wenn die Umrechnungfaktoren der Kurvenformen bekannt sind.
Inhaltsverzeichnis |
Definition 1
Ist s ein reellwertiges Signal, das von der Zeit t abhängt, und T die Periodendauer des Signals, so heißt
der Effektivwert von s.
Für komplexwertige Signale s berechnet sich der Effektivwert zu
wobei s * das zu s konjugiert komplexe Signal ist.
Lässt sich der Verlauf des Signals nicht ohne weiteres beschreiben, kann man zur Berechnung des Effektivwertes folgendes Näherungsverfahren anwenden.
= (Wurzel aus dem Mittelwert der Quadrate)
wobei Xi Abtast- bzw. Momentanwerte sind, die in einem immer gleichen Abstand Δt während einer Periode T von dem Signal abgelesen werden. Es gilt:
und
Wenn Δt nicht konstant ist gilt.
mit
(Momentanleistung)
Definition 2
Der Effektivwert eines Wechselstroms oder einer Wechselspannung entspricht dem Gleichstrom- oder -spannungswert, der in einem ohmschen Widerstand die gleiche Leistung (Wärme) erzeugt wie der über volle Perioden gemittelte Wechselstrom bzw. Wechselspannung.
Spezielle Signalformen
| Signal | Formel | Effektivwert |
|---|---|---|
| Gleichsignal | s(t) = A | A |
| Sinussignal | s(t) = Asin(ωt) |
|
Vergleiche hierzu die Spannungsformen.
Rechtecksignal und Pulsweitenmodulation
Mit einer Pulsweitenmodulation kann der Effektivwert einer Spannung ohne Verlustleistung abgesenkt werden. Es wird während einer festen Periodendauer TPeriode die Spannung nur für einen Teil der Periode Tein eingeschaltet. Der Effektivwert ergibt sich dabei zu
Beispiele für Effektivwertberechnung
Energetische Betrachtung bei Strom- und Spannung
Als Effektivwert eines elektrischen Stromes von wechselnder Größe wird derjenige Wert angegeben, der in einem (rein ohmschen) Wirkwiderstand R die gleiche Wärmemenge erzeugt, wie ein gleich großer Gleichstrom I in gleicher Zeit t.
Batterie/Akku
Eine Batterie oder ein Akkumulator liefert eine nahezu konstante elektrische Spannung. Bestimmte Verbraucher entnehmen jedoch oft impulsförmige Ströme. Dadurch kann die Wärmeentwicklung in der Batterie aufgrund deren Innenwiderstand sehr viel höher sein, als dieses bei einem Gleichstrom des gleichen arithmetrischen Mittelwertes der Fall wäre, da für die Wärmeentwicklung der Effektivwert (geometrischer Mittelwert) des Stromes maßgeblich ist.
Sinusförmige Ströme und Spannungen
Der Wechselstrom der Versorgungsnetze besteht aus einer sinusförmigen Spannungsänderung mit wechselnder Polarität, deren Größe während ihres Ablaufs von Null bis zu einem Maximalwert steigt und dann wieder auf Null zurückgeht. Der Ablauf folgt periodisch den Sinuswerten der Winkel von Null bis 360 Grad und hat daher die Bezeichnung "Sinusform".
Um die Größenordnung dieser Ströme unabhängig von Momentwerten, Spitzen- und Minimalwerten zu kennzeichnen, wird der Effektivwert angegeben. Beim sinusförmigen Industrie- und Haushalts-Wechselstrom ist der Effektivwert um den Wert
kleiner als der Spitzenwert der Spannung oder des Stromes. (Mathematische Herleitung siehe unten)
Der Scheitelfaktor (Crestfaktor) bezeichnet das Verhältnis zwischen Scheitelwert (Spitzenwert) und Effektivwert. Er ist abhängig von der Wellenform des Signales. Für harmonische (sinusförmige) Signale beträgt er 1,414. Der Crestfaktor kann jedoch u.a. bei Gleichrichterschaltungen sehr viel höhere Werte annehmen.
Wird bei der Angabe von Wechselspannung keine zusätzliche Angabe gemacht, so ist immer der Effektivwert gemeint. Im technischen Bereich wird für den Effektivwert häufig der englische Begriff RMS (root mean square) verwendet.
Herleitung: Effektivwert eines Sinussignals
Für den Fall des gleich bleibenden Stromes bei gleich bleibender Spannung gilt:
und
Damit ergibt sich die Leistung an einem von Gleichstrom durchflossenen ohmschen Widerstand zu:
Die während der Zeit t an diesem Widerstand umgesetzte Energie ergibt sich damit zu:
Es sollen sich jetzt Strom I(t) und Spannung U(t) zeitabhängig ändern. Damit gelten:
Die umgesetzte augenblickliche Leistung berechnet sich analog zu oben zu:
Die augenblickliche Leistung ist immer positiv.
Die während eines Zeitraums t an dem Widerstand umgesetzter Energie ist das Integral über die gesamte zeitabhängige Leistung. Wir wählen den Beginn der Integration willkürlich zu Null:
Jetzt setzen wir die während des Zeitraums t von Gleichstrom und vom zeitabhängigen Strom umgesetzte Energiemenge in das Verhältnis so folgt:
Für die Effektivwerte von Strom und Spannung gilt nach Definition des Effektivwertes:
Damit folgen die bekannten Formeln:
und
und es erklärt sich RMS (root mean square) als Wurzel des Mittelwerts der Quadrate...
Im Stromversorgungsnetz
Der in der Leistungsübertragung, und damit in den öffentlichen Versorgungsnetzen, wichtigste Wechselstrom bzw. -spannung ist sinusförmig, mit einer Frequenz von 60 Hertz (USA), 50 Hertz (Europa) und 16,666 Hertz (Bahn).
Es sollen sich jetzt Strom I(t) und Spannung U(t) sinusförmig ändern. Damit gelten:
mit
und
Strom und Spannung nehmen innerhalb einer Periode einen Minimal- und einen Maximalwert an, und gehen zweimal durch Null.
Die umgesetzte augenblickliche Leistung berechnet sich analog zu oben zu:
Die augenblickliche Leistung ist bei Verbrauchern immer positiv, sie nimmt während einer Periode von Strom oder Spannung zweimal Minimal- und Maximalwert an.
Die während eines Zeitraums t an dem Widerstand umgesetzte Energie ist das Integral über die gesamte zeitabhängige Leistung. Wir wählen den Beginn der Integration willkürlich zu Null
Jetzt setzen wir die während des Zeitraums t von Gleich- und Wechselstrom umgesetzte Energiemenge in das Verhältnis
Mit
folgt:
Berücksichtigen wir nur volle Perioden, dass also gilt
und
, so folgt:
Ein(e) sinusförmiger Wechselstrom (Wechselspannung) gleicher Amplitude setzt an einem ohmschen Widerstand pro Periode die Hälfte der Energie um wie ein(e) Gleichstrom (Gleichspannung) gleicher Amplitude in der gleichen Zeit. Daraus können wir jetzt den Effektivwert bestimmen.
und
nach kürzen ergibt sich:
und
Damit folgt:
und
Vergleich Effektivwert mit Gleichrichtwert
Gleichrichtwert:
Effektivwert:
Der Effektivwert zeigt einen Gleichstrom, der über einem Widerstand die gleiche Energie umsetzt wie der Wechselstrom. Es ist nun zu erkennen, dass eine gleichgerichtete und geglättete Wechselgröße weniger Energie über einem Widerstand umsetzt, als der Effektivwert der Wechselgröße vermuten lässt. Das heißt, ein Wechselstrom erzeugt beim Transport der gleichen Ladungsmenge eine höhere Wärmemenge als ein adäquater Gleichstrom.
Das Verhältnis zwischen Effektivwert und Gleichrichtwert bezeichnet man als Formfaktor.
Mit dem Formfaktor lässt sich die Kurvenform einer Wechselgröße beurteilen
Der Formfaktor für sinusförmige Wechselgrößen ist somit:
Messtechnische Erfassung
Falscher und echter Effektivwert
Messgeräte für Wechselspannungen wurden ursprünglich für die Anzeige des Effektivwertes sinusförmiger Spannungen ausgelegt, indem sie den Gleichrichtwert (Mittelwert des Betrages) der Spannung messen und den Formfaktor für Sinus-Spannungen durch entsprechende Justierung der Spannungsteiler einbeziehen; daher ist die Anzeige des Effektivwertes durch solche Messgeräte nur für harmonische (sinusförmige) Spannungen richtig. Da in der Elektrotechnik bzw. Elektronik die Spannungsverläufe häufig stark vom Sinusverlauf abweichen, können hiermit erheblich falsche Messwerte entstehen.
Messgeräte, die den Effektivwert tatsächlich gemäß seiner Definition bestimmen, werden zur Verdeutlichung Echteffektivwert-Messgeräte (true RMS meter) genannt und mit der Bezeichnung True RMS bzw. TRMS ausgewiesen (RMS = root mean square = Wurzel aus dem Mittelwert des Quadrats).
Elektromechanische Dreheisenmessgeräte arbeiten „TRMS“-bildend und zeigen daher unabhängig vom Verlauf den Effektivwert an.
Effektivwertbildung mit elektrischem Ausgangssignal
Es gibt mehrere elektronische Schaltungen zur Effektivwertbildung. Eine davon hat sich besonders bewährt und wird von mehreren Herstellern als integrierte Schaltung angeboten. Das Eingangssignal Ue oder Ie darf Gleich- und Wechselanteile enthalten. Der Ausgangsstrom Ia ist proportional zum Effektivwert des Eingangssignals, wobei sich die dazu notwendige zeitliche Mittelung aus dem durch R2 und C2 gebildeten Tiefpass ergibt. Die Schaltung arbeitet folgendermaßen (siehe Bild):
In der Eingangsstufe wird ein Strom I1 erzeugt mit
. Der kombinierte Quadrierer und Dividierer erzeugt ein
. Dieses Zwischenergebnis wird geglättet und steuert als
mittels Stromspiegelung zwei Stromquellen. Die eine führt das Signal
auf den Dividiereingang zurück; die andere liefert das Ausgangssignal
. Damit ergibt sich folgende Rechnung:
Siehe auch
Weblinks
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