Aus Kefk.
'Urwa ibn az-Zubayr ibn al-'Awwam عروة بن الزبير بن العوام
/ ʿUrwa b. az-Zubair b.al-ʿAwwām
(* 634-635 in Medina; † 712-713) ist einer der bekanntesten Traditionarier und Historiographen in der Frühzeit des Islams. Sein Bruder war der in der islamischen Geschichte bekannte "Gegenkalif" Abdallah ibn az-Zubair ibn al-'Awwam, seine Mutter war Asma' bint Abi Bakr, die Tochter des ersten Kalifen Abu Bakr, die Schwester von Aischa, der Frau des Propheten Mohammed. Sein Vater kämpfte im ersten Bürgerkrieg, in der sog. Kamelschlacht waq'at al-dschamal / وقعة الجمل
/ waqʿatu ʾl-ǧamal
bei Basra auf der Seite seiner Tante Aischa gegen Ali ibn Abi Talib. Den islamischen Überlieferungen zufolge konnte er selbst an der Schlacht nicht teilnehmen, da er damals noch minderjährig war.
Nach dem Tod seines Vaters kehrte er mit Aischa nach Medina zurück und widmete sich der Sammlung historischer Nachrichten aus der Prophetenzeit; seine wichtigste Quelle war hierbei seine Tante Aischa selbst, die aus erster Hand nicht nur Aussagen Mohammeds (Hadith), sondern auch Berichte über seine Feldzüge an ihn weitergeben konnte. Somit fanden die Überlieferungen des 'Urwa, sowohl in die Traditionssammlungen von al-Buchari, Muslim ibn al-Haddschadsch, Ahmad ibn Hanbal u.a. als auch die historischen Kompilationen von Ibn Ishaq, at-Tabari und anderen Eingang. 'Urwa's Berichte werden in der zeitgenössischen Islamforschung als die erste systematische und schriftlich fixierte Darstellung der frühislamischen Geschichte gewertet. Man betrachtet vor allem diejenigen Berichte aus der Frühzeit als authentisch, die überwiegend in der Überliefung seines Sohnes Hischam in den späteren Kompilationen aus dem frühen 9. Jahrhundert erhalten sind.
Seine wichtigsten Berichte über das Leben des Propheten (sira) sind in denjenigen Briefen erhalten, die er an den Kalifen Abd al-Malik ibn Marwan richtete und die in großen Auszügen in at-Tabari's annalistischem Geschichtswerk erhalten sind. Der österreichische Orientalist Aloys Sprenger hat diese Briefe bereits 1861 ins Deutsche übertragen. Zahlreiche Fragmente in seiner Überlieferung lassen darauf schließen, dass er sich auch mit der Koranexegese (tafsir) eingehend beschäftige. Seine Erklärungen zum Korantext sind in einem der ältesten tafsir-Werke von 'Abd Allah ibn Wahb und in der monumentalen Exegese von at-Tabari, ferner bei dem etwas späteren Ibn Kathir erhalten.
'Urwa starb gegen 711-713 auf seinem Landgut bei Rabadha, 200 km östlich von Medina.
Literatur
- Gregor Schoeler: Charakter und Authentie der muslimischen Überlieferung über das Leben Mohammeds. Walter de Gruyter. Berlin, New York 1996. ISBN 3-11-014862-5
- Andreas Görke und Gregor Schoeler: Reconstructing the Earliest sīra-Texts: the Hiǧra in the Corpus of 'Urwa b. al-Zubayr. In:Der Islam 82 (2005), 209-220
- Andreas Görke:The Historical Tradition about al-Ḥudaybiya. A Study of ʿUrwa b. al-Zubair's Account. In:Harald Motzki (Hrsg.):The Biography of Muḥammad. The Issue of the Sources.S. 240-275. Brill, Leiden 2000. ISBN 90-04-11513-7
- Fuat Sezgin: Geschichte der arabischen Literatur. Bd.I. S.278-279. Brill, Leiden 1967
- Aloys Sprenger:Das Leben und die Lehre des Mohammad nach bisher grösstentheils unbenutzten Quellen. Nicolai'sche Verlagsbuchhandlung. Berlin 1861
- The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Bd.10.S.910-913. Brill, Leiden