Deutsche Umwelthilfe vergibt DUH-Umwelt-Medienpreis 2008
›Beim Klimaschutz klar Partei ergreifen‹
Die Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH) hat zum 13. Mal den DUH-Umwelt-Medienpreis für "herausragende Leistungen bei der journalistischen und schriftstellerischen Auseinandersetzung mit der Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen" verliehen.
Der Bundesvorsitzende der Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation Prof. Dr. Harald Kächele überreichte die Auszeichnungen in den Kategorien Printmedien, Hörfunk, Fernsehen, Neue Medien und Lebenswerk am Montagabend im Rahmen einer Feierstunde im historischen Kassensaal der KfW Bankengruppe am Berliner Gendarmenmarkt.
Der SZ-Redakteur Wolfgang Roth erhält Auszeichnung für sein Lebenswerk, Chefredakteur der "UmweltBriefe" Tim Bartels ist Preisträger in der Kategorie Print; Autorinnen der Kinder-Hörfunksendung KAKADU werden geehrt, ein weiterer TV-Preis geht an WDR-Dokumentationsreihe "die story". Die Journalisten Nick Reimer und Toralf Staud erhalten für wir-klimaretter.de und klima-luegendetektor.de Auszeichnung in der Sparte Neue Medien.
- "Selten zuvor hatte die Gesellschaft informierte, kritische und engagierte Umweltberichterstattung in allen Medien so nötig wie in diesen Wochen, in denen ebenso kurzatmige wie durchsichtige Reaktionen auf die Finanz- und Wirtschaftskrise das Bild bestimmen", sagte der DUH-Vorsitzende Kächele anlässlich des Festakts.
Die von manchen Politikern und Industriellen in diesen Tagen verbreitete Vorstellung, man könne Klimawandel und Ressourcenverknappung dadurch bremsen, dass man die Gegenmaßnahmen auf die lange Bank schiebe, sei "eine Beleidigung der Gesetze der Physik - und im Übrigen auch der menschlichen Intelligenz", erklärte Kächele angesichts der brachialen Lobbyarbeit gegen ein wirksames Klimaregime auf EU-Ebene.
Dass die Bundesregierung und deutsche Unternehmen zu den "Protagonisten der Verwässerungskampagne" gehörten, stehe in einem "beschämenden Kontrast zur Vorreiterrolle, die Deutschland bei den Weltklimaverhandlungen weiter für sich beanspruche". An die Umweltjournalisten appellierte Kächele, in der entscheidenden Phase der Verhandlungen über ein neues Welt-Klimaregime "Partei zu ergreifen und Bremser und Vorreiter klar zu benennen, wie die DUH es ebenfalls versucht."
Der parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Michael Müller (SPD) verwies darauf, dass die Politik in den aktuellen Auseinandersetzungen im nationalen und internationalen Rahmen auf das umweltpolitische Engagement von Journalisten und Zivilgesellschaft angewiesen sei, um sich gegen vielfältige Lobbyinteressen durchsetzen zu können.
- "Ohne eine informierte, aufgeklärte und engagierte Bevölkerung werden wir die globale Bedrohung durch Klimawandel, Biodiversitätsverlust und Ressourcenverknappung nicht meistern können. Ein engagierter und kritischer Umweltjournalismus ist hierfür unverzichtbar", betonte Müller.
Bereits zum sechsten Mal unterstützte in diesem Jahr das Unternehmen T-Mobile Deutschland die Verleihung des DUH-Umwelt-Medienpreises. Im Rahmen seines Grußworts kündigte der T-Mobile-Geschäftsführer Technik, Günther Ottendorfer, die Einrichtung eines neuen Naturschutzfonds "Lebendige Wälder" an. Mit dessen Mitteln in Höhe von 200.000 Euro für die nächsten Jahre solle die DUH in die Lage versetzt werden, "wichtige Projekte des bundesweiten Artenschutzes zu unterstützen". Die Medienpreisträger rief Ottendorfer auf, in ihrer "engagierten Aufklärungsarbeit" nicht nachzulassen: "Bleiben Sie dran, versorgen Sie uns weiterhin mit hochwertigen und gut recherchierten Hintergründen, provozieren Sie Debatten und tragen Sie weiterhin dazu bei, die Welt zu einer besseren zu machen".
Contents
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Preisträger 2008
Kategorie Printmedien
Tim Bartels wird als Chefredakteur der Fachzeitschrift „UmweltBriefe“ – Der Kommunale Infodienst“ geehrt. Zweimal im Monat berichten Bartels und sein Team auf ebenso informative wie unterhaltsame Weise über alles Wissenswerte im kommunalen Natur- und Umweltschutz. Mit ihrem kompakten, fundierten Überblick ersparen sie Umweltfachleuten und ökologisch interessierten Menschen in Rathäusern, Landratsämtern und Gemeinderäten wertvolle Suchzeit.
Die UmweltBriefe sorgen dafür, dass sich Pionierleistungen im kommunalen Bereich rasch herumsprechen und Vorreiter-Projekte bald zum kommunalen Standard werden können. Ihre bürgernahen Hintergrundinformationen bilden die Grundlage für unzählige Umweltinformationen in viel gelesenen kommunalen Mitteilungsblättern.
Kategorie Hörfunk
Lydia Heller, Antonia Rötger und Nadine Querfurth sind Autorinnen der Kindersendung „KAKADU“ im Deutschlandradio Kultur. Kindgerechte, unterhaltsame Informationen, die zum Nachdenken anregen und zum aktiv werden motivieren: Das ist das Erfolgsrezept von KAKADU.
Die Reihe „Energie ohne Ende – Wie Wasser und Wind, Sonne und Erde uns Strom liefern“ geht auf die Initiative von Lydia Heller zurück. In maximal 7-minütigen Beiträgen gelingt es der Autorin komplexe technische Fragestellungen so zu inszenieren, dass die Neugier und Experimentierlust von Kindern geweckt wird.
Antonia Rötger greift mit ihrem Beitrag „Zu große Füße für einen kleinen Planeten“ Fragen um die Zukunft der Welt auf. Ganz ohne moralischen Zeigefinger konkretisiert sie für Kinder wie Lebensstil und Verantwortung für die Welt zusammenhängen.
„Affentheater auf Borneo – Naturschutz mit Marionetten“ von Nadine Querfurth ist nicht einfach nur eine Reportage über gefährdete Urwälder, sondern ein beeindruckendes Hörbild. Nicht nur die Ohren gehen auf Reisen, wenn naturschutzaktive Kinder hier und auf Borneo zu Wort kommen.
„Gemeinsam können wir es schaffen!“ ist die dahinterliegende Botschaft, die Kinder ermutigt, sich für ihre Welt und ihre Zukunft einzusetzen.
Kategorie Fernsehen
Sarah Zierul, Johannes Höflich und Klaus Martens sind Autoren der Dokumentationsreihe „die story“ im Westdeutschen Rundfunk WDR.
Die Rolle der Medien als vierte Macht im Staat, die Skandale aufdeckt sowie Verantwortliche und Bevölkerung zum Handeln motiviert, erfüllen die Autoren und die Redaktion mit ihren Dokumentationsfilmen auf besondere Weise.
Umweltthemen, die sie in den letzten Monaten aufgriffen, waren die Unfälle in deutschen Atomkraftwerken („Der Störfall“, Martens), die Plünderung von Korallenriffen durch deutsche Tauchtouristen („Letzte Tage im Paradies“, Höflich) und die Gefährdung der Meere („Wem gehört das Meer“, Zierul).
Das Team „die story“ scheut sich dabei nicht, radikale Verhaltensänderungen einzufordern.
Kategorie neue Medien
Nick Reimer und Toralf Staud sind die Initiatoren und Redakteure des Internet-Projekts www.wir-klimaretter.de und www.klima-luegendetektor.de.
Die Domain www.wir-klimaretter.de informiert umfassend und tagesaktuell zum Klimaschutz in Politik, Forschung, Wirtschaft, öffentlichen Verwaltungen und in der Gesellschaft. Neben Nachrichten, Debatten, Hintergründen, Meinungen, Blogs und Aktionen vor Ort bietet das Onlineportal für Klimaretter auch Tipps für jeden Einzelnen.
Mit Unterstützung der Internet-Gemeinde sucht und dokumentiert das Redaktionsteam unter www.klimaluegendetektor.de irreführende Darstellungen ökologischer Sachverhalte in Medien oder in der Werbung. Die Auswahl und die Art der Darstellung dieser kleinen und großen Trickbetrügereien sind ebenso professionell wie unterhaltsam. Die Beiträge sind lang genug, um die Täuschung zu begreifen und die tatsächlichen Zusammenhänge zu verstehen sowie kompakt genug, um den schnellen Internet-Leser zu begeistern.
Gegen Ökofrust ist www.wir-klimaretter.de und www.klimaluegendetektor.de wärmstens zu empfehlen.
Kategorie Lebenswerk
Wolfgang Roth ist Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung. Seit Jahrzehnten ist er einer der profiliertesten deutschen Journalisten im Bereich Innenpolitik mit Schwerpunkt Umwelt und Verkehr und der Redaktion „Streiflicht“.
Die Leserinnen und Leser der „Süddeutschen“ schätzen sowohl seine aktuellen Berichte über umweltbezogene Ereignisse im Tagesgeschehen als auch seine kommentierenden und fundierten Hintergrund-Reportagen.
Wolfgang Roth ehren wir auch, weil er öffentlich die Notwendigkeit und die Wirksamkeit eines kritischen Umweltjournalismus betont. Die Rolle der Umweltverbände bei der Darstellung ökologischer Sachverhalte würdigt er ebenso lobend wie kritisch.
Quelle
- Pressemitteilung der Deutschen Umwelthilfe e.V. vom 1. Dezember 2008.
- Preisträger 2008 (Deutsche Umwelthilfe)
Siehe auch
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