Erfahrungsbericht zur Crucial RealSSD C300 unter Ubuntu 10.04 ›Lucid Lynx‹

Kleiner Leckerbissen für Performance-Hungrige

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Der Sommer ist Upgrade-Zeit. Und mit dem neuen Betriebssystem kam für mich auch ein neuer Massenspeicher, genauer gesagt eine Crucial RealSSD C300 mit 128 GB Speicherkapazität, die für knapp 300 Euro den Besitzer wechselte.

Ein wenig komisch ist einem dabei, wenn man als Gegenwert für diesen stattlichen Betrag eine leichte Pappschachtel mit DVD-Abmessungen gereicht bekommt; selbst ein Reclam-Heftchen fühlt sich wertiger an. In der Pappschachtel befindet sich ein A4-Blatt sowie eine kleine Plastibox in antistatischer Folie. Die "Platte" ist winzig; 2,5" sind eben nochmal deutlich kleiner als 3,5", und die nackte Platte ist natürlich auch um einiges kleiner als externe 2,5"-Festplatten. Sie besteht aus einem Plastikgehäuse mit SATA-Anschlüssen, wiegt praktisch nichts und wird ohne Einbaurahmen geliefert. Den sollte man also beim Einkaufen nicht vergessen; ich habe einen Sythe Twin Mounter für knapp 10 Euro genommen.

Erworben habe ich eine Art "Bulk"-Version, die ohne jegliches Zubehör ausgeliefert wird; alternativ gib es noch ein Kit mit Datenkabel, mit dem man wohl die SSD direkt an einen USB-Port anstöpseln kann.

Crucial 2.5

Contents

Erste Eindrücke

Sowohl mechanisch als auch betriebssystemseitig gab es keinerlei Komplikationen bei der Inbetriebnahme; das BIOS des Mainboard erkennt eine SATA-Platte (AHCI-Modus) und stellt von den brutto 128 GB immerhin rund 123 GB für Daten zur Verfügung.

Entgegen anderslautenden Berichten konnte ich auch im Dauerbetrieb keinerlei erwähnenswerte Wärmeentwicklung der C300 feststellen. Dass SSD bei anderen Leuten einen "Hitzetod" gestorben sein sollen kann ich jedenfalls nicht nachvollziehen.

Testweise habe ich verschiedene aktuelle Betriebssysteme installiert, was vergleichsweise fix geht; die Lesegeschwindigkeit der Installations-DVD ist das Einzige, was den Installationsfortschritt ausbremst, und - das war für mich das bemerkenswerteste - das charakteristische Dauerknarzeln der Systemfestplatte(n) bei OS-Installationen entfällt natürlich vollkommen. Auch bei geöffnetem Gehäuse gibt es keinerlei akustisches Feedback darüber, ob sich der Installer vielleicht aufgehängt hat oder auf eine Benutzereingabe wartet.

Das finale Betriebssystem - in meinem Fall Ubuntu 10.04 64-bit - war in Minuten installiert; die Startzeit für das komplette OS liegt bei knapp 5 Sekunden (nach POST des Mainboards). Die Ubuntu-Laufwerksverwaltung meldet die SSD unter der lustigen Bezeichnung 128 GB Festkörperlaufwerk (ATA C300-CTFDDAC128MAG).

Ubuntu-Systemtest: Festplatten-Benchmark

Der Festplatten-Benchmark des Ubuntu-Systemtests liefert folgende Leistungsdaten:

  • Timing cached reads: 9024.85 MB/sec
  • Timing buffered disk reads = 227.85 MB/sec

Ubuntu-Laufwerksverwaltung: Festkörperlaufwerk

Verzögerungen beim Start von kleineren Anwendungen (Firefox) sind nicht wahrnehmbar, Dickfische wie GIMP oder OpenOffice.orgv brauchen drei bis vier Sekunden zum Initialisieren.

Das komplette Ubuntu mit einer ganzen Reihe von Anwendungen belegt rund 11 Gigabyte:

$ df -h
Dateisystem            Größe Benut  Verf Ben% Eingehängt auf
/dev/sda1             113G   11G   97G  10% /
none                  2,0G  316K  2,0G   1% /dev
none                  2,0G  2,5M  2,0G   1% /dev/shm
none                  2,0G  188K  2,0G   1% /var/run
none                  2,0G     0  2,0G   0% /var/lock
none                  2,0G     0  2,0G   0% /lib/init/rw

Das ist erstaunlich wenig, da ich seit Jahren allein für die Bootpartition einer Windows-XP-Partition 50 GB veranschlage - plus Partitionen für Anwendungen und Daten. Auch unter Ubuntu werde ich das Home-Verzeichnis auf eine separate Partition (auf konventionellen Festplatten) auslagern, in jedem Falle sollte die SSD ausreichend Platz haben, ihre Daten vernünftig anzuordnen - man sagt ja, dass SSDs möglichst nur zu etwa 2/3 ihrer Kapazität gefüllt werden sollen.

Subjektiver Performance-Eindruck

Momentan arbeite ich mit einem Core-i5-750-PC mit 4 GB RAM und ausschließlich einer Festplatte - der SSD; mit anderen Worten werden sämtliche Daten von der SSD geladen. Man arbeitet damit in etwa so als ob sich das gesamte Betriebssystem auf einer RAM-Disk befände.

Eine vergleichbare reale Steigerung der Reaktivität des Computers habe ich zuletzt Mitte der 1980er Jahre erlebt, als ich von Diskettenlaufwerken zu meiner ersten Festplatte wechselte (40 MB waren das, wenn ich mich recht entsinne). Typische lähmende Prozesse wie der Aufbau der Datenstrukturen von Synaptic oder das Einspielen von im Hintergrund heruntergeladenen Updates gehen spürbar flotter, wenn auch nicht ganz verzögerungsfrei vonstatten.

Zum ersten Mal in meinem Computerleben fühlt sich ein Computer annähernd so an, wie ich ihn mir wünsche - flott reagierend, verzögerungsarm, unauffällig. Ich gehöre noch zu der Generation, die das vernehmliche Kopfrattern von (SCSI-) Festplatten als akustisches Feedback über die aktuelle Befindlichkeit des PCs geschätzt hat - man hört eben, wenn Arbeitsspeicher ausgelagert wird und nimmt halb unbewusst wahr, warum das Speichern von 24-Megapixel-Bilddateien hakt. Bei der C300 fehlt mir dieses Feedback erstmals nicht mehr, weil es eben nichts mehr gibt, was massive, vom Massenspeicher verursachte Verzögerungen verursacht.

Crucial 2.5

Firmware-Updates

Erst nach Einrichtung der Platte stellte ich fest, dass es seit Mai ein Firmware-Update für die Platte gibt. Unerfreulicherweise werden dadurch alle Daten auf der SSD zerstört, man muss also ein Komplettbackup anfertigen und anschließend wieder einspielen. Auch wenn das Update eine Reihe von interessanten Verbesserungen bietet werde ich mir diese Arbeit vermutlich erst machen, wenn ich den Rechner neu aufsetze. Bein einem Windows hieße das mit ziemlicher Sicherheit "nie", bei Ubuntu rechne ich mit etwa ein bis zwei Jahren, bis Distributionsupgrades irgendwelche irreparablen Schäden angerichtet haben.

Interessant ist allerdings die Update-Prozedur; Crucial ist intelligent genug, ein bootfähiges ISO-Image bereitzustellen, das also auch ohne MS/DOS-Bootdiskette oder installiertes MS-Windows benutzbar sein müsste. Da freut man sich natürlich als Linux-Anwender!

Varianten

Neben der nackten "Bulk"-Version gibt es noch das bereits erwähnte Kit mit Datenkabel:

Crucial RealSSD C300 2.5

Ausserdem ist die SSD noch in einer 64- und einer 256-GB-Variante erhältlich. Die Schreib- und Lesedatenraten unterscheiden sich bei diesen Modellen teilweise deutlich.

Fazit

Die Gretchenfrage ist freilich, ob einem der Komfort knapp 300 Euro wert ist, zumal ich erst einmal abwarten möchte, ob es meine Daten auf der SSD auch noch in zwei oder drei Jahren gibt. Für Betriebssystem und Applikationen kann ich mir die SSD vorstellen, nicht jedoch für meine unersetzlichen Daten - um konventionelle Festplatten komme ich also nicht umhin, und das reduziert die gewonnene Geschwindigkeit und Lärmfreiheit wieder.

Alternativ kann man sich für denselben Preis beispielsweise ein schnelles RAID 0 ("Beschleunigung ohne Redundanz") aufbauen und zur Datensicherung noch eine externe Platte zulegen. Nimmt man zwei flotte 2,5"-Notebookfestplatten mit 500 Gigabyte, halten sich Lärm und Wärmeentwicklung auch in engen Grenzen, und man erhält doch ein "wenig" mehr Speicherplatz für dasselbe Geld. Datensicherungen müsste man bei einer solchen Konfiguration sehr häufig durchführen, was man beispielsweise mit Tools wie Rsync, Back in time oder Rsnapshot zeitgesteuert und automatisiert machen könnte. Ein direkter Leistungsvergleich von einem solchen 2,5"-RAID-0 mit der Crucial C300 wäre interessant - vielleicht hat ja jemand sowas am Laufen und kann ein paar Erfahrungen posten?

Sofern mich die C300 in den nächsten Jahren zuverlässig begleitet würde ich ein solches Downgrade allerdings nicht mehr freiwillig vornehmen ;-)

Medien zum Thema

Image of Crucial RealSSD C300 64GB interne SSD Festplatte (6,4 cm (2,5 Zoll), SATA)
Hersteller.: Crucial Technology
Modell-Nr.: 0649528750761
Preis: EUR 120,98
Image of Crucial CTFDDAC128MAG-1G1 128GB Solid State Drive (SSD) (6,3 cm (2,5 Zoll)
Hersteller.: Crucial Technology
Modell-Nr.: 0649528749956
Preis: EUR 229,98
Hersteller.:
Modell-Nr.:
Preis:
Image of Crucial C300 256GB interne SSD-Festplatte (6.3 cm (2,5 Zoll), Serial ATA-600)
Hersteller.: Crucial
Modell-Nr.: 0649528749963
Preis: EUR 430,98

Siehe auch

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