Naturschutz: Deutscher Fehlstart in die Biodiversitäts-Konferenz
Deutschland hat keinen Überblick über die eingesetzten Finanzmittel zum Erhalt der Artenvielfalt. Das macht eine konsequente Politik zum Schutz der Biodiversität nahezu unmöglich - und Deutschland international unglaubwürdig. Das belegt der GEO-›Deutschlandtest Naturschutz‹.
Im Mai findet in Bonn die UN-Konferenz zur biologischen Vielfalt statt, zu der in Bonn 5000 Teilnehmer aus 190 Ländern erwartet werden. "Wir müssen alles daran setzen, dass wir die Artenvielfalt erhalten", hat Bundeskanzlerin Angela Merkel im Vorfeld der Konferenz kürzlich gefordert. Im eigenen Land fehlt allerdings eine systematische Biodiversitäts-Politik. Das zeigt eine aktuelle Erhebung in der Mai-Ausgabe des Magazins GEO zum Thema "Wert der Vielfalt".
Naturschutz ist in Deutschland Ländersache. Doch wie sehr engagieren sich die 16 Bundesländer für ihre Natur? Sehr unterschiedlich ist zum Beispiel der Flächenanteil im Rahmen des EU-Programms "Natura 2000". Dabei handelt es sich um Biotope, die für den Artenschutz besonders wertvoll sind. Spitzenreiter ist Brandenburg mit 26,5 Prozent der Landesfläche. Es folgt Hessen mit 20,9 Prozent. Die Schlusslichter Nordrhein-Westfalen und Berlin beteiligen sich dagegen bisher nur mit 8,2 bzw 7,1 Prozent.
Die GEO-Umfrage bei allen zuständigen Landesministerien offenbart darüber hinaus einen fatalen Mangel an Transparenz und Systematik: Für Ausgaben im Naturschutz existieren in jedem Bundesland völlig unterschiedliche Strukturen, Haushaltstitel und Berechnungsweisen. Die einzige umfassende Studie stammt von einer Doktorandin und betrifft das Jahr 1999. Damals hat das Saarland 1,30 Euro pro Kopf und Jahr ausgegeben, Mecklenburg-Vorpommern dagegen 22,65 Euro. Wie sich die Zahlen seitdem entwickelt haben, ist nicht erfasst. Seiner Berichtspflicht im Rahmen der Biodiversitäts-Konvention kann Deutschland daher nicht in sinnvoller Weise nachkommen.
Damit ist das Gastgeberland des "Weltnaturschutzgipfels" ein schlechtes Vorbild. "Kollegen aus dem Ausland fragen immer wieder, warum in Deutschland keine systematischen Finanzdaten vorliegen", sagt Burkhard Schweppe-Kraft, stellvertretender Fachgebietsleiter im Bundesamt für Naturschutz, gegenüber GEO. "Viele Entwicklungsländer haben bessere Daten als wir."
Die aktuelle GEO-Ausgabe umfasst 212 Seiten, kostet 6 Euro und erscheint am 18. April 2008.
Netmarks
- www.geo.de
Quelle
- Pressemitteilung von Gruner+Jahr, GEO vom 17.04.2008.
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Permalink: http://kefk.org/node/23806
Zuletzt bearbeitet: 17. April 2008 - 15:55
Deutschland hat keinen Überblick über die eingesetzten Finanzmittel zum Erhalt der Artenvielfalt. Das macht eine konsequente Politik zum Schutz der Biodiversität nahezu unmöglich - und Deutschland international unglaubwürdig. Das belegt der GEO-›Deutschlandtest Naturschutz‹.
Im Mai findet in Bonn die UN-Konferenz zur biologischen Vielfalt statt, zu der in Bonn 5000 Teilnehmer aus 190 Ländern erwartet werden. "Wir müssen alles daran setzen, dass wir die Artenvielfalt erhalten", hat Bundeskanzlerin Angela Merkel im Vorfeld der Konferenz kürzlich gefordert. Im eigenen Land fehlt allerdings eine systematische Biodiversitäts-Politik. Das zeigt eine aktuelle Erhebung in der Mai-Ausgabe des Magazins GEO zum Thema "Wert der Vielfalt".
Naturschutz ist in Deutschland Ländersache. Doch wie sehr engagieren sich die 16 Bundesländer für ihre Natur? Sehr unterschiedlich ist zum Beispiel der Flächenanteil im Rahmen des EU-Programms "Natura 2000". Dabei handelt es sich um Biotope, die für den Artenschutz besonders wertvoll sind. Spitzenreiter ist Brandenburg mit 26,5 Prozent der Landesfläche. Es folgt Hessen mit 20,9 Prozent. Die Schlusslichter Nordrhein-Westfalen und Berlin beteiligen sich dagegen bisher nur mit 8,2 bzw 7,1 Prozent.
Die GEO-Umfrage bei allen zuständigen Landesministerien offenbart darüber hinaus einen fatalen Mangel an Transparenz und Systematik: Für Ausgaben im Naturschutz existieren in jedem Bundesland völlig unterschiedliche Strukturen, Haushaltstitel und Berechnungsweisen. Die einzige umfassende Studie stammt von einer Doktorandin und betrifft das Jahr 1999. Damals hat das Saarland 1,30 Euro pro Kopf und Jahr ausgegeben, Mecklenburg-Vorpommern dagegen 22,65 Euro. Wie sich die Zahlen seitdem entwickelt haben, ist nicht erfasst. Seiner Berichtspflicht im Rahmen der Biodiversitäts-Konvention kann Deutschland daher nicht in sinnvoller Weise nachkommen.
Damit ist das Gastgeberland des "Weltnaturschutzgipfels" ein schlechtes Vorbild. "Kollegen aus dem Ausland fragen immer wieder, warum in Deutschland keine systematischen Finanzdaten vorliegen", sagt Burkhard Schweppe-Kraft, stellvertretender Fachgebietsleiter im Bundesamt für Naturschutz, gegenüber GEO. "Viele Entwicklungsländer haben bessere Daten als wir."
Die aktuelle GEO-Ausgabe umfasst 212 Seiten, kostet 6 Euro und erscheint am 18. April 2008.
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