Installation von Ubuntu 7.04 'Feisty Fawn' auf einem Macintosh PowerBook G3
Seit Ubuntu 6.10 wird die PowerPC-Plattform vom Ubuntu-Team nicht mehr offiziell unterstützt; einen Installationsversuch mit Ubuntu 7.04 'Feisty Fawn' auf einem Macintosh PowerBook G3 kann man jedoch unternehmen mit den inoffiziellen, von der Community unterstützten ISO-Images.
Dieser Erfahrungsbericht beschreibt, welche Hürden dabei zu nehmen sind, wie man sie umschiffen könnte und woran eine Installation letztlich scheitern kann. Die im Netz auffindbaren Dokumentationen und How-tos zu Bootproblemen sind zwar vielfältig, helfen jedoch keinen Schritt weiter; möglicherweise zählt mein PowerBook zu den Kandidaten mit fehlerhafter Firmware, oder ich erwarte von einem Mac den Komfort eines PC - ich weiß es nicht.
Kurzum: Mein G3-PowerBook ist nicht einmal dazu zu bewegen, von einer CD-ROM zu booten, geschweige denn, die Installation einer Linux-Distribution zu ermöglichen. Da die Probleme gleichermaßen bei Debian GNU/Linux wie auch bei Ubuntu auftreten, scheint ein Problem seitens der Apple-Hardware wahrscheinlich.
Booten von CD
Hat man sich eine Ubuntu-Boot-CD für die PowerPC-Plattform gekauft oder gebrannt, stellt sich als erstes die Frage, wie man von diesem Ding bootet. Die allgemeine Empfehlung dazu lautet, die CD in das Laufwerk einzulegen und während des Bootvorgangs die "C"-Taste gedrückt zu halten. Bei meinem Macintish PowerBook G3 zeigte das keinerlei Wirkung, es bootete einfach das installierte Mac OS D1-8.5. Die Ubuntu-Dokumentation hilft hier also keinen Schritt weiter.
Erheblich konkreter sind die Beschreibungen zum Macppc Model Support des NetBSD-Projekts; aufschlußreich sind insbesondere die Macppc Frequently Asked Questions und die Installation procedure for NetBSD/macppc. Demnach lautet die während des Bootens zu drückende Tastenkombination COMMAND-OPTION-O-F, um in die "Open Firmware", also quasi das Mac-BIOS zu gelangen.
Tatsächlich erscheint hierbei ein grafischer Dialog mit dem Titel "Wählen Sie ein Systemvolume". Aufgelistet sind die Optionen "Erfahrener Anwender (Open Firmware", "MacOS" und "Ubuntu-CD". Man kann hier "Nach Geräten suchen", "Sichern" oder "Abbrechen", anscheinend jedoch kein "Bootlaufwerk" auswählen. Von der angeblich so intuitiven Bedienung des Mac ist hier jedoch nichts zu merken: Egal, welches "Volume" man hier markiert und dann "Sichern" anklickt, immer bootet das alte MacOS. Es bleibt ein Rätsel, wie man von CD-ROM bootet oder an die Open Firmware-Kommandozeile gelangt.
Debian hat noch eine Variante Parat in Starten des Installers auf PowerPC-Systemen: Um von CD-ROM zu starten, soll man die Tastenkombination Command, Option, Shift und Delete drücken. Eine separate "Delete"-Taste finde ich auf dem PowerBook nicht, also dürfte es eher lauten: Command, Option, Shift, Fn und F8 - das erfordert zwar einige Fingerakrobatik, bootet aber wieder nur das MacOS.
Auf den Troubleshooting-Seiten verschiedener alternativer Betriebssysteme finde ich den Hinweis, dass möglicherweise ältere Systeme das Booten von CD-ROM nicht unterstützen (z.B. bei Debian). Zählt das G3-PowerBook zu diesen "älteren Systemen"? Die Dokumentation schweigt sich dazu aus.
Die letzte Möglichkeit, die ich entdecken kann, um ein ein Linux auf das PowerBook zu bekommen, besteht darin, die Dateien vmlinux, initrd.gz, yaboot und yaboot.conf ins Wurzelverzeichnis der HFS-Partition zu speichern und dann wieder in die "Open Firmware" zu booten. Ersteres klappt problemlos, letzeres liefert jedoch wieder keinen Bootpromt, sondern das bereits erwähnte funktionslose Auswahlmenü. Wieder führt ein Klick auf "Sichern" lediglich dazu, dass MacOS gebootet wird.
Diese Experimente habe ich mit einer bootfähigen Installations-CD "Ubuntu 7.04 Desktop PowerPC" sowie mit einer "Debian GNU/Linux 4.0 Sarge PowerPC Netist" durchgeführt, beides mit identischem Ergebnis. Zu keiner der erwähnten Distributionen liefert die Dokumentation irgendwelche weiterführenden Hinweise. An diesem Punkt gebe ich daher auf.
Fazit
Ein PowerBook G3 mit 14,1" TFT, 233 MHz-512K/32MB/2GB HD/4 MB Video/CD/Modem hat keinerlei Wert mehr; es sieht zwar schick aus, hat einen tadellos funktionierenden Akku und wirkt auch sonst robust, es ist jedoch zu nichts mehr zu gebrauchen, da das Betriebssystem hoffungslos veraltet ist und keine aktuelle Software mehr darauf läuft, von gängigen Open-Source-Anwendungen einmal ganz zu schweigen. Wäre es möglich, darauf eine halbswegs moderne Linux-Distribution zu installieren, könnte dies den Elektronik-Schrott wiederbeleben, und sei es nur als netzgebundene Schreibmaschine.
An eine Installation ist jedoch nicht zu denken. Die Ursachenforschung verläuft unerquicklich und führt in eine endlose Folge von vagen Troubleshooting-Anweisungen, die nicht einmal ansatzweise reproduzierbar sind. Der Installationsversuch scheitert bereits beim Versuch, das Notebook von einer CD-ROM zu booten, und Lösungsansätze sind nicht erkennbar. Schade.





Kommentare
hallo,hab den artikel
hallo,
hab den artikel gelesen und möchte anmerken dass es durchaus möglich ist linux (auch neuere versionen sofern vorhanden) auf einem apple powerbook g3 zu installieren.
dazu muss einfach OS8 oder OS9 installiert werden. mit hilfe von bootx (gibt sicher auch andere programme, aber mit bootx habe ich eigentlich gute erfahrungen gemacht) kann man die installer cd booten. es ist nicht ganz einfach - aber es ist durchaus möglich.
ich habe selbst ein powerbook g3, momentan befindet sich darauf ein debian system (etwas veraltet, aber immerhin mit kernel 2.6.18) - das system ist jedoch weit, weit weg von unbrauchbar! soweit ich weiß MUSS OS8 oder OS9 immer installiert sein, zumindest kenn ich keinen anderen weg. ist eigentlich auch nicht weiter schlimm, die partion dafür ist bei mir nur etwa 250mb groß!
grüße, bw
Hi, bootx klappt mit ubuntu
Hi, bootx klappt mit ubuntu 5.10...