Island hebt Walfangquoten dramatisch an

Der scheidende isländische Fischereiminister Einar K. Gudfinsson legt als eine seiner letzten Amthandlungen die Walfangquote für die kommenden fünf Jahre fest. Zwischen 2009 und 2013 sollen 150 Finnwale und 100 Nördliche Zwergwale pro Jahr den Harpunen isländischer Walfänger zum Opfer fallen. Die internationale Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS (Whale and Dolphin Conservation Society) reagiert entrüstet über die Entscheidung.

"Als eine der letzten Amthandlungen, den Grabstein für Hunderte stark gefährdete Finnwale und Nördliche Zwergwale zu setzen, zeigt wie plan- und hilflos die derzeitige isländische Regierung agiert. Sollte dies eventuell der Versuch sein, raschen Profit in Reaktion auf die weltweite Finanzkrise zu erzielen, fragt sich, wo denn der Markt für soviel Walfleisch sei. In Island mit Sicherheit nicht" kritisiert Nicolas Entrup, Sprecher der WDCS in Deutschland die Entscheidung.

Die Walschutzorganisation sieht mit der Veröffentlichung der hohen Walfangquote aber auch einen Zusammenhang mit den stattfindenden Verhandlungen einiger Mitgliedsstaaten der Internationalen Walfangkommission, die sich um einen Kompromiss mit Japan bemühen. Die unter dem Vorsitz von Dr. Hogarth, USA, geführten Gespräche zielen im wesentlichen darauf ab, Japans Fang von Finnwalen in der Antarktis einzustellen und im Gegenzug eine neue Walfangkategorie zu etablieren, die das kommerzielle Walfangverbot umgehen soll: "traditionellen Küstenwalfang".

"Die WDCS warnt seit Jahren vor einer solchen naiven und mit schwer wiegenden Folgen behafteten Verhandlungstaktik. Während sich die Staaten auf Gespräche mit Japan konzentrieren, führen Norwegen und Island munter kommerzielle Walfangaktivitäten fort und treten internationale Bestimmungen mit Füßen" meint der WDCS Sprecher und fügt hinzu: "wir fordern von der deutschen Bundesregierung eine klare Absage für einen solchen Deal und konkrete Aktionen gegenüber der isländischen Regierung".

Island stellte 1990 die Walfangaktivitäten ein und trat aus der IWC aus. Im Jahr 2002 trat Island der IWC unter einem juristisch fragwürdigen Vorbehalt gegenüber dem kommerziellen Walfangverbot 2002 bei. 2003 begann Island unter dem Vorwand der Wissenschaft die Jagd auf Zwergwale und 2006 wieder mit kommerziellen Walfangaktivitäten, darunter auch auf Finnwale. Island hält auch gegenüber dem Verbot des internationalen Handels mit Walprodukten einen Vorbehalt.

Im Frühjahr 2008 exportierte der isländische Walfänger Kristjan Loftsson 65 Tonnen Zwergwalfleisch nach Japan. Er arbeitete mit der japanischen Firma Kyodo Senpaku zusammen, welche das sogenannte "wissenschaftliche Walfangprogramm" in der Antarktis leitet und Tausende Tonnen Walfleisch für den japanischen Binnenmarkt bereitstellt. Im Dezember 2008 verkündete Loftsson, dass er zwei Walfangschiffe bereithalte, "die Auslaufen können, sobald neue Quoten bekannt gegeben werden".

Quelle

  • Pressemitteilung der Whale and Dolphin Conservation Society (WDCS) vom 28. Januar 2009.

Kommentare

US-Pläne zur Ausweitung des Walfangs veröffentlicht

Die Internationale Walfang-Kommission (IWC) veröffentlichte gestern auf ihrer Webseite Dokumente, die nun offiziell bestätigen, dass die US-Regierung Verhandlungen zur Aufhebung des internationalen Verbots des kommerziellen Walfangs anführte. Der japanischen Regierung soll der Walfang entlang der Küste und in internationalen Gewässern in bisher nicht gekanntem Ausmaß erlaubt werden.

"Diese nun auch offiziell veröffentlichten Pläne schaden den Walen und internationalen Bemühungen zu ihrem Schutz," so Dr. Ralf Sontag, Meeresbiologe des IFAW (Internationaler Tierschutz-Fonds). "Das Abkommen hebt das kommerzielle Walfangverbot auf und legitimiert zum Teil den sogenannten wissenschaftlilchen Walfang, auf den sich Japan immer berufen hat, wenn es um die Abschlachtung bedrohter Wale ging."

Die Pläne wurden in den letzten Monaten von einer kleinen Arbeitsgruppe entwickelt unter dem Vorsitz von Dr. William Hogarth, langjährigem Mitglied der Bush-Regierung und derzeit US-Bevollmächtigter und Vorsitzender der IWC. Regierungsunabhängige Organisationen und andere öffentliche Beobachter waren zu diesen Treffen nicht zugelassen. Auch die Bundesregierung nahm an einigen dieser Konferenzen teil.

"Für die Wale kommt außer ein paar Formalitäten nichts heraus," so Sonntag. "Der Walfang muss beendet, nicht ausgeweitet werden. Die Bundesregierung darf sich unter keinen Umständen an der Ausarbeitung solcher "Kompromisse" beteiligen, die nur einseitig die kommerziellen Interessen Japans begünstigen. Deutschland muss eine klare Pro-Wale-Position in der IWC beziehen."

Quelle: Pressemitteilung des Internationalen Tierschutz-Fonds (IFAW) vom 3. Februar 2009.