Umzug auf den OVH Enterprise SP-64

Dieser Abschnitt unseres Erfahrungsberichts zum OVH Enterprise SP-64 unter Debian GNU/Linux fasst vermischte Feststellungen beim Umzug auf den neuen dedizierten Mietserver zusammen.

Checkliste

Wer mehr als eine Handvoll Websites oder Datenbanken von einem Host auf einen anderen migrieren möchte, sollte dringend mit einer Checkliste arbeiten; nur so lässt sich sicherstellen, dass man nicht die eine oder andere essentielle Datenbank vergisst.

Eine solche Checkliste kann man tabellarisch auf einem Blatt Papier anlegen und dann einfach nur noch die erledigten Aufgaben abhaken. Nicht vergessen: Nicht nur Aufgaben wie "Backup" und "Restore", sondern auch eine Aufgabe für "Prüfen" vorsehen!

Beispiele für Felder der Checkliste:

  • Konfigurationsdateien (v.a. /etc/*, /root/* und /home/*)
  • Backup Anwendungs- und Mediendateien auf altem Server (z.B. /var/*, /var/www);
  • Restore Anwendungs- und Mediendateien auf neuem Server;
  • Datenbank-Backup auf altem Server;
  • Datenbank-Wiederherstellung:
    • Anlegen der neuen Datenbank;
    • Setzen der Berechtigungen für die neue Datenbank;
    • Einspielen des Datenbank-Dumps;
  • Prüfen der Gesamtfunktionalität des wiederhergestellten Backups:
    • einige Seiten als anonymer Benutzer aufrufen,
    • einige Seiten als angemeldeterBenutzer aufrufen,
    • neue Seite anlegen;
  • Logfiles von Datenbank und Webserver prüfen (falls aktiviert: auch PHP-Logs).

Oft nutzt man einen Server-Umzug auch für Korrekturen an den Datenbanknamen (z.B. bei einem veränderten Benennungsschema) oder die Neuvergabe von Passwörtern; solche Veränderungen müssen sich natürlich auch in Konfigurationsdateien wie LocalSettings.php (Mediawiki) oder settings.php (Drupal) widerspiegeln. Bei einer größeren Anzahl von Veränderungen erweist sich auch hier eine tabellarische Gegenüberstellung bzw. Checkliste mit den alten und neuen Werten als hilfreich.

64-Bit-Debian

Das 64-Bittige x86-Debian funktioniert längst stabil; ob sich auch Vanilla-Kernel von Debian problemlos auf der OVH-Hardware nutzen lassen, haben wir bisher nicht ausprobiert.

Die von uns eingesetzten Tools (ssh, rsync, mc, top/htop...), Daemons (Lighttpd, MySQL, Postfix, Dovecot...) und Web-Anwendungen (Drupal 5/6, Mediawiki etc.) funktionieren bisher tadellos auf dem 64-bittigen Unterbau. Gegenüber der Situation vor einigen Jahren ist das ein riesiger Fortschritt, der es endlich ermöglicht, problemlos 16 Gigabyte RAM - oder auch mehr - einzusetzen.

Im Falle von Debian GNU/Linux 6.0 "Squeeze" haben viele Anwendungen endlich eine halbwegs annehmbare Aktuallität erreicht, so gibt es beispielsweise MySQL 5.1 statt 5.0 (von "Lenny"). Problematischer sieht es bei Memcached oder Varnish aus, zumindest Memcache muss man jedoch nicht mehr selbst bauen: In "Sequeeze" gibt es Version 2.4.5, bei "Lenny" war es noch 1.2.2.

Datenbankbackup

Backup und Restore der Datenbanken verliefen erfreulich problemlos. Zwei Dinge waren dabei jedoch zu beachten:

Zeichensatz und Kollation

Um MySQL von vornherein gar nicht auf dumme Gedanken zu bringen, sollte man Datenbanken nicht über Mysqladmin anlegen:

mysqladmin -u username -p create databasename

Stattdessen ist es sinnvoller, dies in der MySQL-Shell folgendermaßen zu bewerkstelligen:

mysql> CREATE DATABASE database CHARACTER SET 'utf8';

Berechtigungen

Die Drupal-Datenbanken richteten wir, abweichend von der Dokumentation, mit erweiterten Berechtigungen ein:

GRANT SELECT, INSERT, UPDATE, DELETE, CREATE, DROP, INDEX, ALTER, LOCK TABLES ON databasename.* TO 'username'@'localhost' IDENTIFIED BY 'password';

(zusäzliche Berechtigung LOCK TABLES).

Logfiles

Ein banaler Hinweis betrifft die Logfiles von Betriebssystem und Anwendungen: Sie liefern wertvolle Hinweise auf Details und Feinheiten, die man gerne übersieht. Beispielsweise funktionierten zwar Einliefern und Abholen von Mail an Postfix bzw. Dovecot scheinbar einwandfrei, erst im Logfile zeigen sich dann jedoch manchmal kleinere (oder auch größere) Probleme.

Während und nach einem Serverumzug sollte man daher alle wichtigen Logfiles eine Weile an der Konsole beobachten, z.B.:

tail -f /var/log/syslog

Fazit

Der Umzug verlief angenehm reibungslos. Weder kam es zu Auffälligkeiten bei der (neuen) Hardware, noch beim 64-Bit-Debian.

Etwas zeitaufwendiger als geplant verlief jedoch der Transfer von etwa 500 Gigabyte Daten und das Einspielen der rund 20 Datenbanken: Statt der geplanten einen Woche wurden es etwa zehn Tage.