Bestellvorgang und Bereitstellung des OVH Enterprise SP-64

Dieser Abschnitt unseres Erfahrungsberichts zum OVH Enterprise SP-64 unter Debian GNU/Linux beschäfigt sich mit vertraglichen und organisatorischen Aspekten des Server-Hostings bei OVH.

Bereits in der Einleitung hatten wir die kaufmännischen Verwerfungen bei OVH zwischen Mitte und Ende 2014 erwähnt; man konnte dort monatelang schlichtweg keine Server mehr mieten, was es auch unmöglich machte, innerhalb von OVH auf neuere Hardware umzuziehen. Der kaufmännische Vertrieb konnte, wollte oder durfte keinerlei Informationen vermitteln zu Verfügbarkeit, Preisen oder Leistungsmerkmalen der angekündigten neuen dedizierten Server.

Diese intransparente Produktpolitik machte das Hosting bei OVH zu einem planerischen Alptraum; wir standen vor der Wahl, die besucherstärkste Zeit des Jahres - Herbst und Winter - noch mit veraltetet Hardware über die Bühne zu bringen, oder im Hauruckverfahren zu einem anderen Hoster zu wechseln; beides bringt schwer kalkulierbare Risiken mit sich.

Das organisatorische Chaos bei OVH war leider auch dann noch nicht beendet, als das Unternehmen endlich die neue Mietserver-Generation auf der eigenen Website präsentierte: Vormerkungen wurden nicht bearbeitet, es wurde den Altkunden nicht einmal mitgeteilt, daß - nach monatelangem Warten - überhaupt neue Produkte verfügbar wären. Verfügbar waren viele der neuen Produkte zunächst auch nicht wirklich, jedenfalls nicht zeitnah. Darüber hinaus änderten sich die Konditionen (z.B. Einrichtungsgebühr) nahezu tageweise. Erst Ende des ersten Quartals 2014 schien sich das Durcheinander gesetzt zu haben.

Wechselvorbereitung

Für die Altserver bei OVH gelten keine Vertragslaufzeiten; kündigen muß man bei OVH auch nicht, sondern gibt den Altserver einfach formlos zurück. Diskussionen über den "richtigen" Kündigungstermin, wie man sie von anderen Webhostern kennt, gibt es bei OVH nicht.

Bestellvorgang

Für die Bestellung eines dedizierten Servers registriert man sich auf der OVH-Website als "Kontakt" und bestätigt die Kommunikationsdaten durch einen Code, der per SMS aufs Handy geschickt wird. Auf den Produktseiten wird die Verfügbarkeit des jeweiligen Modells auf zweierlei Weise dargestellt: Zum einen gibt es eine Zeitangabe (z.B. "120 sec."), zum anderen wird der mögliche Serverstandort gelistet. Je nach Zielgruppe der eigenen Angebote kann es sinnvoll sein, für den physikalischen Standort nicht Europa, sondern Nordamerika zu wählen. Bei dem 2014er-Lin-up zeigt OVH alerdings nicht mehr die Anzahl der verfügbaren Server des jeweiligen Produkts an, wie das früher üblich war - das spielt eigentlich auch keine Rolle, es sei denn, man mietet die Server dutzendweise an.

Die Angaben scheinen - zumindest näherungsweise - auch korrekt zu sein; jedenfalls können die bestellten Rootserver bei OVH verzögerungsfrei bereitgestellt werden, wenn eine Verfügbarkeit von "120 sec." angezeigt wird. Mit intransparenten Engpässen, wie man sie von anderen Webhostern kennt, ist bei OVH also nicht zu rechnen.

Bei OVH erhält man zunächst auch keine Widerrufsbelehrung und es kommt zunächst auch nicht zu einen wirksamen Vertragsabschluss. Man gibt lediglich eine Bestellung auf und bekommt als Bestätigung eine Kopie des Bestellschein per E-Mail zugesandt. Diesen Vorgang betrachtet OVH wohl zunächst als einseitige Willenserklärung.

Bei OVH kommt ein Vertrag erst dann zustande, wenn die Leistung kundenseitig beglichen wurde. Vorher passiert gar nichts; bezahlt man nicht, verfällt die Bestellung einfach nach zwei Wochen. Ähnlich verläuft wohl auch die Kündigung: Bezahlt man nicht mehr, wird der Server einfach abgeschaltet.

Um den Bestellvorgang möglichst zügig zu durchlaufen, bezahlen wir via Kreditkarte; in Echtzeit bekommt man die Transaktionsdaten angezeigt, und bei OVH wird gemeldet: "Zahlung validiert". Binnen weniger Minuten erhält man dann eine ganze Reihe von E-Mails, darunter eine Auftragsbestätigung und eine Zahlungsbestätigung; etwa drei Stunden später folgte dann eine Benachrichtigung über die Bereitstellung des Servers sowie eine Rechnung. Mit dem Erhalt der Rechnung dürfte dann wohl auch ein rechtsverbindlicher Vertrag zu Stande gekommen sein.

Über SSH kann man sich dann sofort auf seinem Rootserver anmelden und sich dort umschauen, und etwa zeitglich zu den Bestätigungs-Mails taucht der bestellte Server dann auch im Web-Interface ("OVH-Manager") des Kundenaccounts auf. Insgesamt verläuft dieser Vorgang ziemlich problemlos und vergleichsweise transparent.

Aufwendig und ziemlich lästig ist bei OVH allerdings die Domain-Verwaltung; während man bei der Konkurrenz einfach Domains von einem alten Rootserver auf einen neuen Server im Verwaltungsinterface "verschiebt", ist bei OVH eine Menge Handarbeit angesagt.

OVH ›Server certificate‹

Das OVH ›Server certificate‹ vermittelt auf den ersten Blick einen recht professionellen Eindruck; der so genannte "Konformitäts-Test" listet übersichtlich auf, welche Tests wann an welchem Server durchgeführt wurden. Sogar das Rechenzentrum und das Rack wird angegeben - freilich sind das Angaben, die man als Kunde nicht überprüfen kann.

Weitere Angaben aus dem Prüfprotokoll:

Prozessoren

  • Konforme(r) Prozessor(en) - Erkannte(r) Prozessor(en): Erkannte(r) Prozessor(en): Intel(R) Xeon(R) CPU E5-1620 v2 @ 3.70GHz
  • Frequenz: ok - Die Frequenz Ihrer Prozessoren (3700 Mhz) ist mit den Hersteller-Spezifikationen konform und während des Last-Tests nicht gesunken
  • Last-Test: ok - Auf Ihrem Server wurden verschiedene Last-Tests durchgeführt, der Server ist während deren Ausführung stabil geblieben
  • Temperatur: ok - Die Temperatur ist während des Last-Tests stabil geblieben

Arbeitsspeicher

  • Grösse konform - 64456 MB erkannt
  • Memtest: ok - Bei den Arbeitsspeicher-Tests wurde kein Fehler festgestellt

BIOS

  • Version: ok - Die BIOS-Version ist von OVH freigegeben, erkanntes Mainboard: X9SRE/X9SRE-3F/X9SRi/X9SRi-3F, erkannte BIOS-Version: 3.0
  • Virtualisierung aktiviert - Das VMX oder SVM Flag ist vorhanden und die Virtualisierung ist im BIOS aktiviert

Platten

  • Konform - 2 x 2000 GB sata
  • Lese-Geschwindigkeit: ok - sdb (serial number : PN1134P6HH1R5N) : 162.70 MB/s
sda (serial number : PN1134P6HGPZLN) : 163.77 MB/s
  • S.M.A.R.T: ok - Die S.M.A.R.T Tests "Health Status" und "Self Test" waren erfolgreich für Ihre Festplatte(n)
  • Zustand der Sektoren: ok - Es wurden keine defekten Sektoren auf Ihren Festplatten festgestellt
  • Firmware-Versionen: ok - Die Firmware-Versionen Ihrer Festplatten sind von OVH freigegeben

Zunächst einmal muss man einfach loben, dass OVH überhaupt ein solches Prüfprotokoll erstellt und dem Kunden zugänglich macht. Bei anderen Webhostern gibt es nichts vergleichbares. Ebenfalls positiv hervorzuheben ist, welche Tests durchgeführt werden - auf ähnliche Parameter würden wir einen eigenen Rechner vor Inbetriebnahme prüfen.

Für einen nichttechnischen Kunden sind die Zusammenfassungen sicherlich auch ausreichend. Doch nun kommt das große Aber: Für einen halbwegs technisch versierten Kunden sind die Angaben durchweg nutzlos, da jegliche Details fehlen.

Mit welchen Parametern wurde der Speicher mit Memtest getestet? Wie lange lief der Test? Welche Last-Tests wurden auf dem Server durchgeführt, wie lange liefen sie? Wie verlief die Temperaturentwicklung und wo liegen die Grenzwerte? Welche Festplatten sind verbaut, was genau lesen die Smartmontools aus? Wie alt sind die Platten bzw. wie viele Stunden sind sie schon gelaufen?

All diese Fragen muss sich der technisch Interessierte leider auch bei OVH selbst verschaffen. Die Angaben aus dem Prüfprotokoll sind so vage, dass sie kaum etwas aussagen. Bedauerlicherweise ist das OVH ›Server certificate‹ in dieser Form dermaßen wenig aussagekräftig, dass es für den System- bzw. Netzwerkadministrator praktisch nutzlos ist.