Augen auf beim Lampenkauf

Per Gesetz werden die bewährten Glühlampen schrittweise verboten; das begann 2009 mit matten Glühbirnen, dann folgten die lichtstarken Modelle mit 100W und 75W. Nur teilweise gibt es jedoch bisher funktional und preislich vergleichbaren Ersatz; beispielsweise gibt es kaum Energiesparlampen, die in Größe und Helligkeit mit 80W- oder gar 100W-Glühbirnen vergleichbar wären. Auch preislich liegen die so genannten Energiesparlampen etwa um den Faktor Zehn über dem Preis des einstigen Pfennigartikels Glühbirne.

Der erhöhte Preis wird herstellerseitig u.a. mit einem geringeren Energieverbrauch und einer längeren Leuchtdauer begründet. Leider wird dieses Versprechen nicht unbedingt eingelöst, auch wenn auf der Verpackung vollmundig eine Lebensdauer von zehn Jahren oder eine Brenndauer von 10.000 Stunden beworben wird.

Ich habe einige Jahre lang das Kaufdatum, die Inbetriebnahme und die Lebensdauer meiner Energiesparlampen protokolliert und habe dabei erschreckende Beobachtungen gemacht: Gerade hochpreisige Markenprodukte halten nicht ansatzweise, was auf der Verpackung versprochen wird.

Einige stichproblenartige Beobachtungen:

Osram Duluxstar Mini Globe, E27, 11 W/2500 K, „Warm Comfort Light“, „3 year Osram guarantee“ - Laut Verpackung „Made in Slovakia“; Produkteigenschaften laut Verpackung: „10 years“ (= 10.000 Stunden) bei 10.000 Einschaltzyklen.

  • 4 Stck. erworben 2010, Inbetriebnahme in 2010/2011, Ausfall in 2011/2012.
  • Verwendung als Schreibtischlampen mit 3-4 Einschaltzyklen pro Tag und einer Brenndauer von maximal zehn Stunden. Entsprechende 60W-80W-Glühlampen brennen in denselben Schreibtischlampen und bei derselben Nutzungsfrequenz 2-3 Jahre. Die Energeisparlampen fallen dagegen nach 1-2 Jahren aus, haben also keineswegs eine längere Lebensdauer – nur einen zehnfach höheren Preis, eine schlechtere Lichtqualität (unruhiger als Glühlampen) und eine geringere Wärmeabgabe. Rechnerisch komme ich während der typischen Lebensdauer auf max. 1.000-3.000 Einschaltzyklen, laut Verpackung werden jedoch 10.000 zugesichert. Bei der Brenndauer komme ich rechnerisch auf max. 4.000-8.000 Stunden, auch hier werden die auf der Verpackung angegebenen Produkteigenschaften also nicht eingehalten – eine Schreibtischlampe brennt ja nicht jeden Tag zehn Stunden.

Osram Duluxstar Mini Ball, E27, 11 W/2500 K, „Warm Comfort Light“, „3 year Osram guarantee“ - Laut Verpackung „Made in China“; Produkteigenschaften laut Verpackung: „10 years“, ohne detaillierte Angaben über Leuchtdauer oder Einschaltzyklen.

  • 2 Stck. erworben 2011; Inbetriebnahme in 2011; Ausfall in 2012.
  • Verwendung als Schreibtischlampen (wie oben)

Osram Dulux Superstar, E27, 16W, „Lumilux Warm White“, „5 year Osram guarantee“ - Laut Verpackung „Made in Germany“; Produkteigenschaften laut Verpackung: „10 years“ (= 10.000 Stunden), ohne detaillierte Angaben zur Anzahl der Einschaltzyklen.

  • 2 Stck. erworben 2008, Inbetriebnahme 2008/2009, Ausfall in 2011/2012.
  • Verwendung als Schreibtischlampen (wie oben)

Osram Dulux EL Longlife, E27, Stromsparlampe mit Reflektor, auf Verpackung kein Hinweis auf „Osram-Garantie“ - Laut Verpackung „Made in Slovakia“; Produkteigenschaften laut Verpackung: „12 years loglife“ (= „Lebensdauer 12 Jahre bei ca. 3 Stdn./Tag), ohne detaillierte Angaben zur Anzahl der Einschaltzyklen.

  • 3 Stck. erworben 2008, Inbetriebnahme 2008/2009/2010, Ausfälle 2008/2010/2012.
  • Verwendung als Pflanzenlicht, das regelmäßig und genau einmal pro Tag ein- und genau einmal pro Tag ausgeschaltet wurde; die Anzahl der Einschaltzyklen kann hier also auf keinen Fall ein die Lebensdauer begrenzender Faktor sein. Die Lebensdauer soll laut Verpackung 12 Jahre bei ca. 3 Stunden Brenndauer pro Tag betragen, und das soll irgendwie „15.000 Stunden“ entsprechen (12 x 365 x 3 = 13.140 ?!). Bei mir brennen die Lampen durchschnittlich sechs Stunden pro Tag, und die erste fiel nach ca. 2.400 Stunden aus, die letzte nach etwa 5.000 Stunden Leuchtdauer. Das ist also ein Bruchteil der angepriesenen „12 years longlife“.

'Osram Duluxstar Mini Twist, E27, 11 W; laut Lampenfassung „Made in China“; Verpackung nicht aufgehoben, daher keine weitere Spezifikation bekannt.

  • 1 Stck. erworben 2011/2012, sofortige Inbetriebnahme, Ausfall in 2012.

Die so genannten „Energiesparlampen“ werden zu vergleichsweise extem hohen Preisen von ca. 10-20 Euro/Stück verkauft (Schreibtischlampen ca. 10 Euro, Pflanzenlicht ca. 20 Euro). Laut Verpackungsangabe hätten die o.g. Lampen mindestens bis in das Jahr 2018 brennen müssen – angeblich sollen sie ja 10-12 Jahre funktionieren. Tatsächlich ausgefallen sind die Lampen jedoch schon nach 1-3 Jahren.

Meine Beobachtungen sind natürlich nicht repräsentativ, aber eine Tendenz ist klar erkennbar: Was auf der Verpackung beworben wird, steckt nicht drin - auch bei teuren Markenprodukten nicht.

Wie sind eure Erfahrungen mit Energiesparlampen? Halten sie so lange, wie auf der Verpackung versprochen?

Andere Testergebnisse

Auch die Stiftung Warentest hat die so genannten Energiesparlampen in Ausgabe 04/2010 untersucht und kam zu einem "enttäuschen Testfazit":


Nur 3 von 28 geprüften Energiesparlampen waren „gut“. Zwei Drittel sind nur „ausreichend“, sechs sogar „mangelhaft“. Selbst große Marken, bisher Garanten für Qualität, haben schwache Produkte im Test. Hauptgrund: massive Probleme in den Dauerprüfungen, vor allem schnell nachlassende Leuchtkraft und geringe Schaltfestigkeit (1).

Die Tester stellten weiterhin fest:

  • Energiesparlampen verlieren technisch bedingt mit der Zeit an Helligkeit. Der Energieverbrauch bleibt gleich, die Helligkeit läßt jedoch nach. Im Test erreichten einige Energiesparlampen schon nach 1000 Betriebsstunden nur noch 80% ihrer Anfanghelligkeit. Das entspricht der typischen Lebensdauer einer klassischen Glühbirne, die allerdings über ihre gesamte Lebensdauer dieselbe Helligkeit abgibt. Schlechte Energiesparlampen brennen also nicht länger als Glühbirnen, sondern geben einfach nur weniger Licht und kosten ein Vielfaches.
  • Ausfälle durch mangelhafte Schaltfestigkeit. Nach Verpackungsangaben halten sollen Energiesparlampen 10.000 bis 30.000 Schaltzyklen überstehen; im Test war bei einigem Modellen bereits bei 5.000 Schaltzyklen Schluß. Schlechte Energiesparlampen eignen sich also überhaupt nicht für den Wohnungsflur oder Treppenhäuser.
  • Die so genannten warmweiße Energiesparlampen verfälschen Farben. Das betrifft insbesondere Rottöne, die einen Braunstich erhalten. Alternativ kann man so genannte neutralweiße oder tageslichtweiße Energiesparlampen verwenden, deren Farbe aber häufig als kalt und ungemütlich empfunden wird.
  • Energiesparlampen sind giftig. Sie enthalten Quecksilber und müssen als Sondermüll entsorgt werden. Nach einer Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe aus dem Jahr 2007 werden jedoch 90 Prozent der privat genutzten Lampen einfach in den Hausmüll geworfen, wobei das giftige Quecksilber in die Umwelt gelangt. Besonders prekär wird das Entsorgungsproblem, wenn die so genannten Energiesparlampen gar nicht signifikant länger halten als herkämmliche Glühbirnen.

Ergänzungen

Zu ergänzen wäre hier noch, daß die so genannten Energiesparlampen bisher überhaupt nicht mit Helligkeiten oberhalb von 1.500 Lumen erhältlich sind - und wenn, dann in abstrusen Bauformen, die in keine herkömmlichen Lampen passen. Glühlampen gab es dagegen bis ca. 200W, was etwa 3.000 Lumen entspricht. Da Energiesparlampen eben an Helligkeit verlieren, gelten die auf der Verpackung angegebenen Entsprechungswerte allenfalls für die Anfangszeit; um ein eine mit Glühlampen vergleichbare Helligkeit zu erreichen, muß man also hellere Modelle kaufen (die aber wieder teurer und seltener zu bekommen sind).

Helle Energiesparlampen mit 1.000-1.500 Lumen gibt es zwar, sie sind jedoch deutlich gößer als herkömmliche Glühbirnen. Bei praktisch allen haushaltsüblichen Lampen ohne schließenden Lampenschirm ragen sie daher aus dem Reflektor hervor und blenden (oder sehen einfach unschön aus). Besonders störend ist das bei Schreibtischlampen, deren überstehende Energiesparlampen den Monitor überstrahlen.

Höchst problematisch ist auch die Anwärmzeit vieler Energiesparlampen; bei einigen Modellen dauert es mehrere Minuten, bis sie ihre nominelle Helligkeit erreicht haben. Schaltet man beispielsweise die Deckenbeleuchtung für das Staubsaugen an, hat man einen durchschnittlichen Raum längst gestaubsaugt, bis derartige Energiesparlampen endlich hell geworden sind. Entsprechendes gilt für den Wohnungsflur oder das Bad - wenn die Lampen hell sind, ist man längst mit dem Pinkeln fertig. Die angeblichen Energiespareffekte werden durch solche Eigenschaften konterkariert, da man solche Lampen tendeziell eher länger brennen lässt, als nötig.

Alternativtechniken

Gerade wer viel Helligkeit benötigt, kann nach dem Glühlampenverbot kaum noch auf die berüchtigten Leuchtstoffröhren verzichten - die haben etwa denselben Energieverbrauch wie die so genannten Energiesparlampen, es gibt sie aber immerhin problemlos mit iner Helligkeit von bis zu ca. 4.000 Lumen (ca. 36W). Wer dieses Licht oder das Flackern dieser Lampen nicht verträgt, hat eben Pech gehabt - EU sei dank.

Der große Hoffnungsträger ist die LED-Technologie; LEDs haben eine Lebensdauer von bis zu 30.000 Stunden und überstehen idealerweise 100.000 Schaltzyklen. Gleichzeitig brauchen sie keine Vorheizphase und sind frei von Quecksilber. Leider gibt es LED-basierte Lampen für Standardfassungen wie E27 bisher allenfalls mit einer Helligkeit entsprechend einer 50-60W-Glühbirne. Es dürfte also noch Jahre dauern, bis 80-100W-Äquivalente zu erträglichen Preisen und lampenkompatiblen Bauformen verfügbar sind.

Medien zum Thema

Image of Bulb Fiction - Die Lüge von der Energiesparlampe
Director: Christoph Mayr
Starring: -
Bewertung: Freigegeben ab 6 Jahren

Kommentare

Halten nicht länger als Glühbirnen

Ich habe dazu zwar auch keine wissenschaftlichen Tests durchgeführt, aber bei mir halten diese Energiesparfunzeln auch nicht länger als Glühbirnen. Wenn überhaupt.

LG -Eko

LED-Lampen sind überteuert und nicht hell

Mich hat der Beitrag neugierig gemacht; vorhin beim Einkaufen habe ich daher mal geschau, was es so im Einzelhandel zu kaufen gibt (Supermarkt und Drogeriemarkt): Lampen mit E27-Fassung bis maximal 45W-Äquivalent, also überhaupt keine 60-, 80- oder 100W-Äquivalente.

Entsprechend 45W kostet eine LED-Funzel ab 18 Euro (No-Name-Produkt) mit einer versprochenen Lebensdauer von 25 Jahren bei 2,7 Stunden Brenndauer pro Tag. Solche Werbeversprechen bewegen sich m.E. kräftig im Bereich der Irreführung, da eine solche Aussage gerade bei einem No-Name-Produkt vollkommen wertlos ist; das wäre also ein Fall für den Verbraucherschutz, aber kaufen werde ich sowas sicherlich nicht für 18 Euro.

Da ich mit 25W- und 45W-Glühbirnen ohnehin nichts anfangen kann, werde ich mich demnächst wohl im Elektromarkt mit Glühbirnen-Restbeständen eindecken. Die 60W-Birnchen gab's dort demletzt für zehn Euro im Zehnerpack. Davon ein paar Pakete gut lagern, und dann können mich die EU-Spinner man kreuzweise.

Angesäuert, Vera

Sparen die Energiesparlampen überhaupt Energie?

Hat das mal jemand gecheckt? Zumindest sehe ich auf meiner Stromrechnung keinen Rückgang der kWh, und ich habe eine Menge Kunstlicht zu brennen...

Ich habe das mal mit einem

Ich habe das mal mit einem einfachen Prüfgerät (Voltcraft von Conrad) bei Klemmlampen mit Stecker nachgeprüft, und da stimmt der angegebene Stromverbrauch zumindest ungefähr. Wie man als Nichtelektriker fest montierte Deckenlampen oder Neonröhren testen kann, weiß ich nicht.

Der steigende Stromverbrauch ist mir auch schon vor Jahren aufgefallen. Habe ich auch nie verstanden, obwohl wir eigentlich mehrere Verbrauchsquellen liquidiert haben (z.B. Austausch eines alten Kühlschranks gegen ein modernes Gerät mit Energieeffizienzklasse A+) und auch keine zusätzlichen Geräte wie Wäschtrockner, Zweitfernseher oder Klimaanlage angeschafft haben.

Auch die Energiesparlampen zeigen jedenfalls bei uns unterm Strich keine Einsparung in kWh, die man auf der Stromrechnung sehen würde.

Schaut Euch mal das hier an:

Schaut Euch mal das hier an: Der Dokumentarfilm Bulb Fiction von Christoph Mayr liefert eine Menge Fakten und Hintergrundrecherchen.

Bei CineDat gibt's auch ausführliches Material zum Thema "Energiesparlampen", EU-Entscheidungsprozesse, Lichtspektrum, Quecksilbergehalt etc.

Wenn man den Film gesehen hat, wird man auch nicht mehr von "Energiesparlampen" sprechen wollen. Schaut Euch den Film an, wenn ihr wissen wollt, warum…