Erfahrungsbericht zum Elektrorasierer Braun Series 5 Modell 5090CC
Im Rahmen eines Produkttests hatte ich die Möglichkeit, einen Elektrorasierer Braun 5090CC aus der "Series 5" für einige Wochen auszuprobieren. Dabei handelt es sich um einen höherwertigen Herrenrasierer mit Reinigungsstation, der - wie jeder neue Rasierapparat - schneller, gründlicher und schonender rasieren soll. Bei einem stattlichen Listenpreis von 299,- Euro sollte er das auch, sonst dürfte sich die Kundschaft eher rar machen.
Neben der Reinigungs-/Basisstation wird das Gerät mit allerlei anglizistischen Maketing-Buzzwords wie "FlexMotionTec", "UltraActiveLift" und "Clean&Charge" beworben, die für sich genommen wenig Aussagekraft besitzen und eigentlich ein Glossar (oder einen wortgewandten Verkäufer) erfordern, um mit Bedeutung gefüllt zu werden. Um es vorwegzunehmen: Nach meinem Eindruck hat Braun den Elektrorasierer mit dem Series 5 5090CC nicht gerade neu erfunden, aber doch einige interessante Detailverbesserungen vorgenommen, die einen näheren Blick wert sind.
Contents
Erster Eindruck
Dafür, daß es sich um einen Trockenrasierer handelt, kommt der Braun 5090CC in einer ziemlich großen Verpackung; das liegt vor allem daran, daß die Basisstation ziemlich klobig ausfällt und eine Reinigungskartusche mitgeliefert wird. Aber so hat man gleich alles beisammen, was man zum Rasieren braucht - fast jedenfalls, denn erstmal möchte der Rasierer am Stromnetz aufgeladen werden. Für die Basisstation muß ein passender Platz gefunden werden; das Spiralkabel zum Netzanschluß fällt sehr kurz aus, und genügend Distanz zu anderen Elektrogeräten sollte auch gewahrt sein, da die Reinigungskartusche gerne ein wenig überschwappert. Was passiert, wenn die Reinigungsflüssigkeit im Fön landet? Ich habe es lieber nicht ausprobiert.
Apropos Fön: Auch mit seiner besseren Hälfte sollte man die Anschaffung eines Braun Series 5 Modell 5090CC vielleicht beizeiten ausdiskutieren, will man sich sich nicht die Frage gefallen lassen, was "der schwarze Gummipimmel" im Bad macht. Weitere potenzielle Reibungspunkte: der Platzbedarf der Basisstation und der Geruch nach Scheibenwischwasser, den die Reinigungsflüssigkeit im Bad hinterlässt.
Für ein neu entwickelten Rasierapparat des Jahres 2012 ist der 5090CC reichlich laut, er dürfte wohl der lauteste Rasierer sein, den ich je in den Händen hatte. Wacht man verkatert auf, läßt man die Rasur mit dem Braun Series 5 Modell 5090CC aus Rücksicht auf den Brummschädel lieber ausfallen.
Abbildung: Das mitgelieferte Zubehör zum Braun Series 5 Modell 5090CC - Reinigungskartusche, Basisstation, Ladekabel, Reinigungsbürste und Reiseeteui. Ein Anleitungsheft gibt es ebenfalls.
Lieferumfang
Neben den Hauptkomponenten - Rasierer und Basisstation mit einer Einigungskartusche - liefert Braun das übliche Zubehör:
- Netzkabel
- Reinigungsbürste
- Reise-Etui
Welchen Sinn das Reinigungsbürstchen neben der "Clean&Charge Basisstation" haben soll, erläutert Braun leider nicht.
Was allerdings fehlt, ist eine Abdeckkappe für den Rasierer. Zum Transport sollte man also unbedingt das Reiseetui verwenden, wenn man den Scherkopf schonen möchte. Das Reiseetui wurde anscheinend für den netzunabhängigen Betrieb konzipiert; das Netzkabel kann man hierin leider nicht verstauen.
Schulnote für den Lieferumfang: "Gut".
Abbildung: Die Vorderseite des Rasierapparats mit geöffnetem Reiseetui im Hintergrund.
Vergleich zum alten Rasierer
Wenige Gerätschaften benutzt Mann so regelmäßig wie den Rasierer, selbst der PKW hat ja am Wochenende mal ein paar Tage Pause. Man gewöhnt sich also ziemlich stark an einen Rasierapparat und entwickelt feste Vorstellungen davon, wie lange eine Rasur dauern darf oder wie der Rasierer in der Hand liegen sollte. Wechselt Mann das Modell, ist zwangsläufig erstmal eine Umgewöhnungsphase angesagt.
Mein alter Rasierer - ein Panasonic - tut seit Jahren seinen Dienst. Das Scherblatt müsste mal wieder gewechselt werden, und der Akku hält nur noch etwa zwei bis drei Rasueren durch; ansonsten bin ich mit dem Gerät jedoch vollauf zufrieden.
Die Umstellung von Panasonic zu Braun klappte bei mir recht gut; auch der Braun liegt gut in der Hand, mir gefällt aber die glatte Oberfläche des Panasonic besser. Die rauhe Plastik wirkt klebrig und erscheint im direkten Vergleich schmutzig, auch wenn das natürlich nur am Oberflächenmaterial liegt. Sicherlich Gewöhnungssache.
Für einen "Rennwagen" unter den Rasierern geht der Braun erstaunlich gemächlich zu Werke; für eine wirklich saubere Rasur brauche ich etwa zehn Minuten; mit dem Panasonic reicht etwa die halbe Zeit. Das könnte daran liegen, daß der Scherkopf des Panasonic rascher schwingt, zumindest wirkt der alte Rasierer "rasanter". Auf eine langsamere Schwingungsfrequenz könnte auch hinweisen, daß der Braun beim Rasieren von längeren Stoppeln gelegentlich ein wenig ziept; das kenne ich vom Panasonic überhaupt nicht.
Das Wartungskonnzept des Panasonic ist pragmatisch: Flüssigseife auf den Scherkopf tropfen lassen, kurz anschalten, dann mit Leitungswasser abspülen. Das funktioniert seit Jahren einwandfrei und erfordert weder eine Basisstation noch eine Reinigungskartusche. Das aufwändigere Konzept des Braun hat sicherlich Vorteile, sie haben sich mir allerdings in den ersten Wochen des Produkttests nicht erschlossen.
Abbildung: Die Unterseite des Rasierapparats mit Scherkopf und eingeklapptem Langhaarschneider.
Handbuch
Zugegeben, ich konsultiere vor Benutzung von Alltagsgegenständen wie Regenschirmen, Kaffeemschinen - oder eben Rasierapparaten - nicht unbedingt stundenlang die Bedienungsanleitung; m.E. sollte sich die Bedienung solcher Geräte von alleine erschließen. Aber wenn ich dann doch etwas wissen möchte, soll es mir die Bedinungsanleitung möglichst rasch und zielgerichtet vermitteln. Die 63-Seitige Anleitung zur Braun Series 5 tut das leider nicht.
Zunächst einmal folgt leider auch der deutsche Markenartikler Braun der gängigen Unsitte, unzählige Sprachfassungen beizulegen; ist man nicht am paneuropäischen Spracherwerb interessiert, verbleiben von dem gesamten Werk noch genau vier Seiten in deutscher Sprache. Das ist unschön, aber leider allgemein üblich.
Noch unerfreulicher ist, daß sich diese vier Seiten nicht auf das erworbene Modell, sondern auf die gesamte Series 5 - also sechs unterschiedliche Modelle - bezieht. Will man also wissen, ob man den 5090CC unter der Dusche benutzen darf, ist erst einmal Suchen angesagt. Praktisch zu jedem Abschnitt der Bedinungsanleitung muß man erst herausfinden, ob sie überhaupt für das eigene Modell relevant ist. Das macht etwa so viel Freude wie das Studium des Kleingedruckten in einem Handyvertrag. Und vor allem: rasch und zielgerichtet findet man als ungeduldiger Mensch die gesuchte Information nicht.
Ebefalls sehr spärlich fallen konkrete technische Hinweise aus, beispielsweise zu den verwendeten Oberflächenmaterialien, wie wasserdicht das Ding denn nun wirklich ist oder wie lange es dauert, den eingebauten Akku vollständig aufzuladen. Insgesamt bekommt die Anleitung daher die Schulnote "mangelhaft", weil solche Angaben eben in die Bedienungsanleitung gehören.
- Mit ein wenig Internetrecherche kann man sich die oben erwähnten - exemplarischen - Fragen übrigens beantworten. Demnach dauert es etwa eine Stunde, den Akku vollständig aufzuladen. Nach Herstellerangaben sind alle Braun Series 5-Rasierer wasserdicht, abwaschbar, vollständig versiegelt und IPX7 geprüft. Und der 5090CC soll "eine hochwertige Metalloberfläche" besitzen.
Bedienung
Auch ohne Bedienungsanleitung erschließen sich die Grundfunktionen des Rasierers: Ein großer Druckknopf auf der Vorderseite schaltet ihn ein und aus; um die Abdeckung des Scherkopfs abzunehmen, drückt man seitlich auf die Entriegelungstaste. Diese ist aus unerfindlichen Gründen nicht symmetrisch ausgeführt, man drückt also nicht die beiden Scherkopfseiten zusammen, sondern nur auf die eine Seite.
Oberhalb des Ein-/Ausschalters befindet sich eine Schiebetaste, mit der der Scherkopf gelöst werden kann; der Scherkopf passt sich dann flexibel der gerade rasierten Körperstelle an. Mit diesem so genannten "MultiHeadLock Schalter" kann man auch den Scherkopf in einer von fünf Positionen fixieren, was die Rasur an "schwer erreichbaren Gesichtspartien" erleichtern soll. Da ich an mir noch nie solche "schwer erreichbaren Gesichtspartien" entdeckt habe, kann ich über den Nutzen dieser Funktion nichts aussagen; besonders fest ist die Fixierung jedenfalls nicht, bei etwas stärkerem Druck wechselt auch der fixierte Scherkopf in die nächste Position.
Laut Anleitung soll die Fixierung des Scherkopfs für die "automatische" Reinigung in der Basisstation gelöst werden. Warum ein Vollautomatikrasierer das nicht selber erledigen kann, ist mir nicht klar; ich vermute jedenfalls, daß die meisten Benutzer das Lösen der Fixierung vor der Reiningung vergessen werden.
Auf der Rückseite des Rasierers befindet sich ein kleiner Knopf, mit dem der Langhaarschneider herausgeklappt wird. Für meinen Geschmack ist der Langhaarschneider nicht besonders praxistauglich, da er zu schmal ist und zu weit herausgeklappt wird, aber auch das dürfte Geschmackssache sein.
Nur durch Handbuchstudium findet man die Verriegelungsfunktion des Scherkopfs, die insbesondere beim Transport nützlich ist: Dazu drück man den Ein-/Ausschalter für drei Sekunden, dann ist die Einschaltsperre aktiv. Von bestimmten Handykonstruktionen weiß man, daß es nicht besonders clever ist, die Tastensperre auf den Ein-/Auschalter zu legen, weil sich solche Handys in der Tasche gerne selbst entsperren. Das könnte auch beim Series 5 5090CC passieren, wenn in der Reisetasche etwas auf die Einschaltsperre drückt. Zumal der Braun auch ohne Schutzkappe ausgeliefert wird, sollte man daher wohl immer mit dem Transportetui verreisen.
Die Bedienung der Basisstation ist eine Geschichte für sich; sie ist überhaupt nicht intuitiv und funktioniert - zumindest bei meinem Modell - auch nicht zuverlässig. Dazu mehr im Abschnitt "Die Basisstation".
Rasierergebnis
Das Drumherum mag als Verkaufsagument für einen hochpreisigen Elektrorasierer sicherlich eine Rolle spielen, letztlich zählt aber vor allem, ob er seinen Zweck wirklich so gut erfüllt, wie es die Werbung verspricht. Das kann man mit einem klaren "Jein" beantworten: Ja, er rasiert ordentlich, und nein, er verursacht ebenso Hautirritationen wie jeder andere Rasierer auch. Gravierende Hautreizungen sind mir allerdings nicht aufgefallen; auf ein desinfizierendes Rasierwasser oder eine After-Shave-Lotion möchte ich allerdings auch beim 5090CC nicht verzichten.
Unterm Strich fällt das Rasierergebnis ordentlich aus, was auch der langen Rasierdauer geschuldet sein mag. Eine "CrossHair Klinge" soll "für überragende Gründlichkeit, die anhält" sorgen; das kann ich so nicht bestätigen - die Rasur ist zwar gründlich, hält aber weniger lange an als die des Panasonic.
Das Rasierergebnis bekommt von mir die Schulnote "gut".
Die Basisstation
Der Braun Series 5 Modell 5090CC ist ein Elektrorasierer, wie es viele am Markt gibt; was ihn von den meisten Mitbewerbern unterscheidet, ist die Basisstation, die zum Aufbewahren, Reinigen und Aufladen benötigt wird. Und gerade an diesem Alleinstellungsmerkmal dürften sich die Geister scheiden.
Natürlich braucht ein Elektrorasierer eigentlich keine Basisstation wie ein DECT-Telefon - der Rasierer ist ja weder mit einem Telefon- noch mit einem Datennetz verbunden. Und eigentlich sollte es reichen, ein Stromkabel auf der einen Seite in die Steckdose und auf der anderen in den Rasierer zu stecken, um die energetischen Bedürfnisse des schnurrenden Mitbewohners zu decken. Aber optisch macht der Klotz von Basisstation vielleicht mehr her als ein schlichtes Ladekabel.
Und was das Reinigen angeht, dürfte das Konzept des Braun 5090CC vor allem den Geldbeutel des Herstellers erfreuen. Die Kartusche reicht laut Datenblatt für einen Monat bei täglichem Reinigen, und nach zwei Monaten soll ihr Inhalt gewissermaßen von alleine verdunsten. Aber wer braucht unbedingt einen Trockenrasierer, der mit einer teuren Reinigungsflüssigkeit gesäubert werden muß? So etwas mag Sinn machen in einer sechsköpfigen Männer-WG, die sich einen Rasierer teilt, aber ich komme eigentlich ganz gut damit aus, täglich die Stoppelreste aus dem Rasierer auszuklopfen und den Scherkopf vielleicht alle paar Wochen mit Seifenwasser auszuspülen. Eine Reinigungsstation ist natürlich nett, aber doch bitte nicht, wenn die Reinigungsflüssigkeit binnen zwei Monaten verdampft. Und natürlich muß man eine solche Basisstation auch mit ein paar Handgriffen im Vadezimmerschrank verstauen können, ohne daß die Reinigungsflüssigkeit herausschwappt.
Abbildung (links): Voderansicht zur Basisstation des Braun Series 5 Modell 5090CC.
Abbildung (rechts): Reinigungskartusche zum Braun Series 5 Modell 5090CC.
Die Reinigungsfunktion ist so konzipiert, daß man den Rasierer nach der Benutzung in die Basisstation einlegt und dort nach der Benutzung reinigen lässt. Bis zur nächsten Benutzung am nächsten Tag sind die Flüssigkeitsreste dann verdunstet. Weniger gut funktioniert es, den Rasierer unmittelbar vor der Rasur reinigen zu lassen: Der Scherkopf kommt dann platschnaß aus dem Reinigungsschacht und eignet sich nicht zur Trockenrasur - eine Trocknungsfunktion ist nicht vorgesehen. In der Praxis sollte das allerdings kein Problem darstellen, man muß sich halt nur angewöhnen, nach Benutzung reinigen zu lassen.
Zum fraglichen Nutzen der Reinigungsstation kommt noch ein handfestess Problem mit der Basisstation hinzu: Geladen wird der Rasierapparat über Kontakte an der Rückseite des Rasierers, und zumindest mein Modell hatte dabei heftige Kontaktschwieriigkeiten. Beim Einlegen des Rasierers wollte regelmäßig kein Kontakt mit dem Stromnetz zustandekommen, und auch das Reinigen startete eher nach Zufallsprinzip - oder eben gar nicht. In der Bedienungsanleitung findet sich zu diesem Thema der denkwürdige Hinweis: "Die Kontakte […] an der Rasiererrückseite müssen die Kontakte in der Station […] berühren. Drücken Sie den Rasierer in die richtige Position." Daß man die Kontakte an der Rasiererrückseite nicht scharf anblicken muß, hätte ich mir schon fast gedacht, nur verrät mir die Anleitung leider nicht, welche Position nach Ansicht von Braun "richtig" ist. Antwort von Radio Eriwan: Richtig ist die Position, wenn der Kontakt hergestellt ist. Ja, richtig, das steht dann auch im folgenden Satz der Bedienungsanleitung.
Legt man den Rasierer in die Basisstation, gibt es kein klares haptisches Feedback, der Rasierer rastet nirgends ein, und es macht auch kein deutlich vernehmbares "Klack". Ich muß meist ziemlich lange am Rasierer herumwackeln, bis die Ladeanzeige dann endlich anspringt; dasselbe gilt für den Reinigungsvorgang: Auf Knopfdruck passiert - meist - erstmal gar nichts; dann wackelt man am Rasierer herum, worauf dann gerne das Spiralkabel aus der Basissattion herausrutscht. Das nervt und hat wenig mit dem zu tun, wie ich mir eine "Vollautomatik" vorstelle. Hier mag eine Rolle spielen, daß zum Testen vermutlich Vorserienmodelle mit kleineren Kinderkrankheiten ausgeteilt wurden - ein Kaufprodukt mit einem solchen Mangel würde man sicherlich direkt wieder zum Händler zurücktragen.
Ein kleines Problem betrifft das Spiralkabel, das die Verbindung zum Stromnetz herstellen soll; das ist so kurz bemessen, daß man den 5090CC eigentlich direkt neben einer Steckdose aufstellen muß - die sind aber im Bad gewöhnlich Mangelware. Gravierender ist, daß bei meinem Testmodell das Stromkabel regelmäßig aus der Basisstation herausrutschte. Es bleibt zu hoffen, daß diese Kinderkrankheit ebenfalls beim Serienmodell abgestellt wird.
Da ich das Gerät nur vorübergehend in Benutzung hatte stellt sich für mich nicht die Frage, wie man eigentlich die Basisstation reinigt; im Laufder Zeit dürften sich darin einge ganze Menge Barstoppeln ansammeln. Leider befasst sich die Bedienungsanleitung nicht mit diesem Thema.
Eine abschließende Bewertung ist angesichts der gravierenden Kinderkrankheiten nicht möglich; würden diese nicht behoben, würde die Basisstation die Schulnote "ungenügend" verdienen. Sofern die Mängel behoben werden, gibt es mit etwas Augenzudrücken ein "ausreichend".
Haptik
Last but not least ist so eine Basisstation auch Geschmackssache in haptischer Hinsicht. Was die Verarbeitungsqualität und Haptik des Rasierers selbst angeht, habe ich am Braun Modell 5090CC kaum etwas auszusetzen. Bei der Basisstation sieht das aber ganz anders aus, denn die besteht aus billigem Kunststoff und macht alles andere als einen wertigen Eindruck. Das fängt damit an, daß der Plastikkörper zu wenig Gewicht hat und dadurch wackelig und klapprig wirkt; das setzt sich über den Fahrstuhlmechanismus zum Einsetzen der Kartusche fort, der nicht etwa wertig und sanft gleitet, sondern billigst springt.
Am Rasierer selbst gibt es nur zwei Kritikpunkte: Das ist zum einen das bereits erwähnte "klebrige" Oberflächenmaterial, was aber jemand anderem auch besonders gut gefallen mag, weil es eben weniger rutscht als ein glatter Kunststoff. Was an dem Rasierer jedoch wirklich stört sind die prominent hervorstehenden Kontaktknöpfe. Diese kleinen Metallstifte fühlen sich wie Metallpickel an, was bei einem Rasierer eigentlich keine besonders schöne Assoziation ist. Zumindest wenn man mit einer mitteleuropäischen Männerhand rasiert, muß man diese Kontaktstifte tagtäglich begrabbeln - das ließe sich sicherlich auch eleganter lösen.
Die Bewertung von Haptik ist natürlich äußerst subjektiv, insofern mögen andere Benutzer zu vollkommen anderen Bewertungen kommen. Von mir bekommt die Haptik der Basisstation die Schulnote "mangelhaft" und die des Rasierers ein "befriedigend".
Stromverbrauch und Stromversorgung
Auch nicht ganz unwichtig: Der Stromverbrauch. Der Akku hält nach voller Aufladung (ca. eine Stunde) etwa eine Woche durch (ca. 45 Minuten kabellose Rasur), das reicht für einen Kurzurlaub oder eine kleine Geschäftsreise. Die Akkukapazität entspricht somit dem, was ich von einem praxistauglichen Gerät erwarte. Allerdings sollte man nicht vergessen, daß die Akkukapazität mit den Jahren zurückgehen dürfte - meinen Panasonic konnte ich am Anfang volle zehn Tage ohne Steckdose betreiben, jetzt sind es noch etwa zwei. Zwar wirkt Braun ebenso wie Panasonic mit einem "leistungsstarker Li-Ionen-Akku ohne Memory-Effekt", das bedeutet jedoch eben nicht zwingend, daß sich der Akku mit der Zeit nicht abnutzt.
Auch die Basisstation verhält sich, was den Stromverbrauch angeht, ordentlich; anscheinend trennt sie sich bei Nichtbenutzung vom Stromnetz und zieht keine Totströme, wie praktisch alle älteren Elektrogeräte. Beim Laden des Rasierers verbraucht die Basisstation 1,4 bis 1,6 Watt. Alles in allem ist das zeitgemäß und entspricht den Erwartungen.
Der Rasierapparat lässt sich alternativ in der Basisstation aufladen - sofern es ihr denn gelingt, einen Kontakt herzustellen - oder direkt über das beiliegende Spiralkabel, das ansonsten die Basisstation mit dem Stromnetz verbindet. Während das Spiralkabel gerne von alleine aus dem Anschluß der Basisstation herausrutscht, muß man es mit einigem Druck auf den Rasierapparat stecken - das hält dann aber auch. Schulnote "gut".
Fazit
Wer mit seinem Trockenrasierer Motorsport-Gefühle verspüren möchte, dürfte beim Braun Series 5 Modell 5090CC seinen Traumpartner zum Rasieren gefunden haben. Wem das eher egal ist, bekommt einen soliden Rasierer für sanfte Rasuren.
Die Basisstation hat mich als Kaufargument jedoch nicht überzeugt; sie ist zu klapprig verarbeitet, um wirklich Freude zu bereiten, und das Reinigungskonzept mir kostspieligem Verbrauchsmaterial erinnert mich zu sehr an eingetrocknete Tintenstrahldruckerdüsen. Allerdings zwingt einen ja niemand, die Reinigungsfunktion zu benutzen oder Reinigungskartuschen nachzukaufen. Vermutlich kann man die Kartusche auch mit selbtgebrauten Flüssigkeiten befüllen, womit man sich dann natürlich im Schadensfall ein Problem einhandeln könnte.
Den Rasierer aus dem Braun 5090CC-Paket würde ich im Bedarfsfall durchaus kaufen; gibt es die Basistation als kostenloses Extra mit dazu, sollte das nicht vom Kauf abhalten. Den Listenpreis von 299,- Euro halte ich für heftig überteuert, hier wird der Einzelhandel noch kräftig an der Preisschraube drehen müssen, um das Gerät attraktiv zu machen.
Insgesamt erhält der Braun Series 5 Modell 5090CC für seine Gesamtleistung die Schulnote "befriedigend", wobei ich davon ausgehe, daß im Serienmodell die Kontaktprobleme zwischen Basisstation und Rasierier beseitigt sind.
- Blog von zakoo
- Anmelden oder Registrieren um Kommentare zu schreiben
Permalink: http://kefk.org/node/60340
Zuletzt bearbeitet: 22. Oktober 2012 - 0:48
Im Rahmen eines Produkttests hatte ich die Möglichkeit, einen Elektrorasierer Braun 5090CC aus der "Series 5" für einige Wochen auszuprobieren. Dabei handelt es sich um einen höherwertigen Herrenrasierer mit Reinigungsstation, der - wie jeder neue Rasierapparat - schneller, gründlicher und schonender rasieren soll. Bei einem stattlichen Listenpreis von 299,- Euro sollte er das auch, sonst dürfte sich die Kundschaft eher rar machen.
Neben der Reinigungs-/Basisstation wird das Gerät mit allerlei anglizistischen Maketing-Buzzwords wie "FlexMotionTec", "UltraActiveLift" und "Clean&Charge" beworben, die für sich genommen wenig Aussagekraft besitzen und eigentlich ein Glossar (oder einen wortgewandten Verkäufer) erfordern, um mit Bedeutung gefüllt zu werden. Um es vorwegzunehmen: Nach meinem Eindruck hat Braun den Elektrorasierer mit dem Series 5 5090CC nicht gerade neu erfunden, aber doch einige interessante Detailverbesserungen vorgenommen, die einen näheren Blick wert sind.
Contents
|
Erster Eindruck
Dafür, daß es sich um einen Trockenrasierer handelt, kommt der Braun 5090CC in einer ziemlich großen Verpackung; das liegt vor allem daran, daß die Basisstation ziemlich klobig ausfällt und eine Reinigungskartusche mitgeliefert wird. Aber so hat man gleich alles beisammen, was man zum Rasieren braucht - fast jedenfalls, denn erstmal möchte der Rasierer am Stromnetz aufgeladen werden. Für die Basisstation muß ein passender Platz gefunden werden; das Spiralkabel zum Netzanschluß fällt sehr kurz aus, und genügend Distanz zu anderen Elektrogeräten sollte auch gewahrt sein, da die Reinigungskartusche gerne ein wenig überschwappert. Was passiert, wenn die Reinigungsflüssigkeit im Fön landet? Ich habe es lieber nicht ausprobiert.
Apropos Fön: Auch mit seiner besseren Hälfte sollte man die Anschaffung eines Braun Series 5 Modell 5090CC vielleicht beizeiten ausdiskutieren, will man sich sich nicht die Frage gefallen lassen, was "der schwarze Gummipimmel" im Bad macht. Weitere potenzielle Reibungspunkte: der Platzbedarf der Basisstation und der Geruch nach Scheibenwischwasser, den die Reinigungsflüssigkeit im Bad hinterlässt.
Für ein neu entwickelten Rasierapparat des Jahres 2012 ist der 5090CC reichlich laut, er dürfte wohl der lauteste Rasierer sein, den ich je in den Händen hatte. Wacht man verkatert auf, läßt man die Rasur mit dem Braun Series 5 Modell 5090CC aus Rücksicht auf den Brummschädel lieber ausfallen.
Abbildung: Das mitgelieferte Zubehör zum Braun Series 5 Modell 5090CC - Reinigungskartusche, Basisstation, Ladekabel, Reinigungsbürste und Reiseeteui. Ein Anleitungsheft gibt es ebenfalls.
Lieferumfang
Neben den Hauptkomponenten - Rasierer und Basisstation mit einer Einigungskartusche - liefert Braun das übliche Zubehör:
- Netzkabel
- Reinigungsbürste
- Reise-Etui
Welchen Sinn das Reinigungsbürstchen neben der "Clean&Charge Basisstation" haben soll, erläutert Braun leider nicht.
Was allerdings fehlt, ist eine Abdeckkappe für den Rasierer. Zum Transport sollte man also unbedingt das Reiseetui verwenden, wenn man den Scherkopf schonen möchte. Das Reiseetui wurde anscheinend für den netzunabhängigen Betrieb konzipiert; das Netzkabel kann man hierin leider nicht verstauen.
Schulnote für den Lieferumfang: "Gut".
Abbildung: Die Vorderseite des Rasierapparats mit geöffnetem Reiseetui im Hintergrund.
Vergleich zum alten Rasierer
Wenige Gerätschaften benutzt Mann so regelmäßig wie den Rasierer, selbst der PKW hat ja am Wochenende mal ein paar Tage Pause. Man gewöhnt sich also ziemlich stark an einen Rasierapparat und entwickelt feste Vorstellungen davon, wie lange eine Rasur dauern darf oder wie der Rasierer in der Hand liegen sollte. Wechselt Mann das Modell, ist zwangsläufig erstmal eine Umgewöhnungsphase angesagt.
Mein alter Rasierer - ein Panasonic - tut seit Jahren seinen Dienst. Das Scherblatt müsste mal wieder gewechselt werden, und der Akku hält nur noch etwa zwei bis drei Rasueren durch; ansonsten bin ich mit dem Gerät jedoch vollauf zufrieden.
Die Umstellung von Panasonic zu Braun klappte bei mir recht gut; auch der Braun liegt gut in der Hand, mir gefällt aber die glatte Oberfläche des Panasonic besser. Die rauhe Plastik wirkt klebrig und erscheint im direkten Vergleich schmutzig, auch wenn das natürlich nur am Oberflächenmaterial liegt. Sicherlich Gewöhnungssache.
Für einen "Rennwagen" unter den Rasierern geht der Braun erstaunlich gemächlich zu Werke; für eine wirklich saubere Rasur brauche ich etwa zehn Minuten; mit dem Panasonic reicht etwa die halbe Zeit. Das könnte daran liegen, daß der Scherkopf des Panasonic rascher schwingt, zumindest wirkt der alte Rasierer "rasanter". Auf eine langsamere Schwingungsfrequenz könnte auch hinweisen, daß der Braun beim Rasieren von längeren Stoppeln gelegentlich ein wenig ziept; das kenne ich vom Panasonic überhaupt nicht.
Das Wartungskonnzept des Panasonic ist pragmatisch: Flüssigseife auf den Scherkopf tropfen lassen, kurz anschalten, dann mit Leitungswasser abspülen. Das funktioniert seit Jahren einwandfrei und erfordert weder eine Basisstation noch eine Reinigungskartusche. Das aufwändigere Konzept des Braun hat sicherlich Vorteile, sie haben sich mir allerdings in den ersten Wochen des Produkttests nicht erschlossen.
Abbildung: Die Unterseite des Rasierapparats mit Scherkopf und eingeklapptem Langhaarschneider.
Handbuch
Zugegeben, ich konsultiere vor Benutzung von Alltagsgegenständen wie Regenschirmen, Kaffeemschinen - oder eben Rasierapparaten - nicht unbedingt stundenlang die Bedienungsanleitung; m.E. sollte sich die Bedienung solcher Geräte von alleine erschließen. Aber wenn ich dann doch etwas wissen möchte, soll es mir die Bedinungsanleitung möglichst rasch und zielgerichtet vermitteln. Die 63-Seitige Anleitung zur Braun Series 5 tut das leider nicht.
Zunächst einmal folgt leider auch der deutsche Markenartikler Braun der gängigen Unsitte, unzählige Sprachfassungen beizulegen; ist man nicht am paneuropäischen Spracherwerb interessiert, verbleiben von dem gesamten Werk noch genau vier Seiten in deutscher Sprache. Das ist unschön, aber leider allgemein üblich.
Noch unerfreulicher ist, daß sich diese vier Seiten nicht auf das erworbene Modell, sondern auf die gesamte Series 5 - also sechs unterschiedliche Modelle - bezieht. Will man also wissen, ob man den 5090CC unter der Dusche benutzen darf, ist erst einmal Suchen angesagt. Praktisch zu jedem Abschnitt der Bedinungsanleitung muß man erst herausfinden, ob sie überhaupt für das eigene Modell relevant ist. Das macht etwa so viel Freude wie das Studium des Kleingedruckten in einem Handyvertrag. Und vor allem: rasch und zielgerichtet findet man als ungeduldiger Mensch die gesuchte Information nicht.
Ebefalls sehr spärlich fallen konkrete technische Hinweise aus, beispielsweise zu den verwendeten Oberflächenmaterialien, wie wasserdicht das Ding denn nun wirklich ist oder wie lange es dauert, den eingebauten Akku vollständig aufzuladen. Insgesamt bekommt die Anleitung daher die Schulnote "mangelhaft", weil solche Angaben eben in die Bedienungsanleitung gehören.
- Mit ein wenig Internetrecherche kann man sich die oben erwähnten - exemplarischen - Fragen übrigens beantworten. Demnach dauert es etwa eine Stunde, den Akku vollständig aufzuladen. Nach Herstellerangaben sind alle Braun Series 5-Rasierer wasserdicht, abwaschbar, vollständig versiegelt und IPX7 geprüft. Und der 5090CC soll "eine hochwertige Metalloberfläche" besitzen.
Bedienung
Auch ohne Bedienungsanleitung erschließen sich die Grundfunktionen des Rasierers: Ein großer Druckknopf auf der Vorderseite schaltet ihn ein und aus; um die Abdeckung des Scherkopfs abzunehmen, drückt man seitlich auf die Entriegelungstaste. Diese ist aus unerfindlichen Gründen nicht symmetrisch ausgeführt, man drückt also nicht die beiden Scherkopfseiten zusammen, sondern nur auf die eine Seite.
Oberhalb des Ein-/Ausschalters befindet sich eine Schiebetaste, mit der der Scherkopf gelöst werden kann; der Scherkopf passt sich dann flexibel der gerade rasierten Körperstelle an. Mit diesem so genannten "MultiHeadLock Schalter" kann man auch den Scherkopf in einer von fünf Positionen fixieren, was die Rasur an "schwer erreichbaren Gesichtspartien" erleichtern soll. Da ich an mir noch nie solche "schwer erreichbaren Gesichtspartien" entdeckt habe, kann ich über den Nutzen dieser Funktion nichts aussagen; besonders fest ist die Fixierung jedenfalls nicht, bei etwas stärkerem Druck wechselt auch der fixierte Scherkopf in die nächste Position.
Laut Anleitung soll die Fixierung des Scherkopfs für die "automatische" Reinigung in der Basisstation gelöst werden. Warum ein Vollautomatikrasierer das nicht selber erledigen kann, ist mir nicht klar; ich vermute jedenfalls, daß die meisten Benutzer das Lösen der Fixierung vor der Reiningung vergessen werden.
Auf der Rückseite des Rasierers befindet sich ein kleiner Knopf, mit dem der Langhaarschneider herausgeklappt wird. Für meinen Geschmack ist der Langhaarschneider nicht besonders praxistauglich, da er zu schmal ist und zu weit herausgeklappt wird, aber auch das dürfte Geschmackssache sein.
Nur durch Handbuchstudium findet man die Verriegelungsfunktion des Scherkopfs, die insbesondere beim Transport nützlich ist: Dazu drück man den Ein-/Ausschalter für drei Sekunden, dann ist die Einschaltsperre aktiv. Von bestimmten Handykonstruktionen weiß man, daß es nicht besonders clever ist, die Tastensperre auf den Ein-/Auschalter zu legen, weil sich solche Handys in der Tasche gerne selbst entsperren. Das könnte auch beim Series 5 5090CC passieren, wenn in der Reisetasche etwas auf die Einschaltsperre drückt. Zumal der Braun auch ohne Schutzkappe ausgeliefert wird, sollte man daher wohl immer mit dem Transportetui verreisen.
Die Bedienung der Basisstation ist eine Geschichte für sich; sie ist überhaupt nicht intuitiv und funktioniert - zumindest bei meinem Modell - auch nicht zuverlässig. Dazu mehr im Abschnitt "Die Basisstation".
Rasierergebnis
Das Drumherum mag als Verkaufsagument für einen hochpreisigen Elektrorasierer sicherlich eine Rolle spielen, letztlich zählt aber vor allem, ob er seinen Zweck wirklich so gut erfüllt, wie es die Werbung verspricht. Das kann man mit einem klaren "Jein" beantworten: Ja, er rasiert ordentlich, und nein, er verursacht ebenso Hautirritationen wie jeder andere Rasierer auch. Gravierende Hautreizungen sind mir allerdings nicht aufgefallen; auf ein desinfizierendes Rasierwasser oder eine After-Shave-Lotion möchte ich allerdings auch beim 5090CC nicht verzichten.
Unterm Strich fällt das Rasierergebnis ordentlich aus, was auch der langen Rasierdauer geschuldet sein mag. Eine "CrossHair Klinge" soll "für überragende Gründlichkeit, die anhält" sorgen; das kann ich so nicht bestätigen - die Rasur ist zwar gründlich, hält aber weniger lange an als die des Panasonic.
Das Rasierergebnis bekommt von mir die Schulnote "gut".
Die Basisstation
Der Braun Series 5 Modell 5090CC ist ein Elektrorasierer, wie es viele am Markt gibt; was ihn von den meisten Mitbewerbern unterscheidet, ist die Basisstation, die zum Aufbewahren, Reinigen und Aufladen benötigt wird. Und gerade an diesem Alleinstellungsmerkmal dürften sich die Geister scheiden.
Natürlich braucht ein Elektrorasierer eigentlich keine Basisstation wie ein DECT-Telefon - der Rasierer ist ja weder mit einem Telefon- noch mit einem Datennetz verbunden. Und eigentlich sollte es reichen, ein Stromkabel auf der einen Seite in die Steckdose und auf der anderen in den Rasierer zu stecken, um die energetischen Bedürfnisse des schnurrenden Mitbewohners zu decken. Aber optisch macht der Klotz von Basisstation vielleicht mehr her als ein schlichtes Ladekabel.
Und was das Reinigen angeht, dürfte das Konzept des Braun 5090CC vor allem den Geldbeutel des Herstellers erfreuen. Die Kartusche reicht laut Datenblatt für einen Monat bei täglichem Reinigen, und nach zwei Monaten soll ihr Inhalt gewissermaßen von alleine verdunsten. Aber wer braucht unbedingt einen Trockenrasierer, der mit einer teuren Reinigungsflüssigkeit gesäubert werden muß? So etwas mag Sinn machen in einer sechsköpfigen Männer-WG, die sich einen Rasierer teilt, aber ich komme eigentlich ganz gut damit aus, täglich die Stoppelreste aus dem Rasierer auszuklopfen und den Scherkopf vielleicht alle paar Wochen mit Seifenwasser auszuspülen. Eine Reinigungsstation ist natürlich nett, aber doch bitte nicht, wenn die Reinigungsflüssigkeit binnen zwei Monaten verdampft. Und natürlich muß man eine solche Basisstation auch mit ein paar Handgriffen im Vadezimmerschrank verstauen können, ohne daß die Reinigungsflüssigkeit herausschwappt.
Abbildung (links): Voderansicht zur Basisstation des Braun Series 5 Modell 5090CC.
Abbildung (rechts): Reinigungskartusche zum Braun Series 5 Modell 5090CC.
Die Reinigungsfunktion ist so konzipiert, daß man den Rasierer nach der Benutzung in die Basisstation einlegt und dort nach der Benutzung reinigen lässt. Bis zur nächsten Benutzung am nächsten Tag sind die Flüssigkeitsreste dann verdunstet. Weniger gut funktioniert es, den Rasierer unmittelbar vor der Rasur reinigen zu lassen: Der Scherkopf kommt dann platschnaß aus dem Reinigungsschacht und eignet sich nicht zur Trockenrasur - eine Trocknungsfunktion ist nicht vorgesehen. In der Praxis sollte das allerdings kein Problem darstellen, man muß sich halt nur angewöhnen, nach Benutzung reinigen zu lassen.
Zum fraglichen Nutzen der Reinigungsstation kommt noch ein handfestess Problem mit der Basisstation hinzu: Geladen wird der Rasierapparat über Kontakte an der Rückseite des Rasierers, und zumindest mein Modell hatte dabei heftige Kontaktschwieriigkeiten. Beim Einlegen des Rasierers wollte regelmäßig kein Kontakt mit dem Stromnetz zustandekommen, und auch das Reinigen startete eher nach Zufallsprinzip - oder eben gar nicht. In der Bedienungsanleitung findet sich zu diesem Thema der denkwürdige Hinweis: "Die Kontakte […] an der Rasiererrückseite müssen die Kontakte in der Station […] berühren. Drücken Sie den Rasierer in die richtige Position." Daß man die Kontakte an der Rasiererrückseite nicht scharf anblicken muß, hätte ich mir schon fast gedacht, nur verrät mir die Anleitung leider nicht, welche Position nach Ansicht von Braun "richtig" ist. Antwort von Radio Eriwan: Richtig ist die Position, wenn der Kontakt hergestellt ist. Ja, richtig, das steht dann auch im folgenden Satz der Bedienungsanleitung.
Legt man den Rasierer in die Basisstation, gibt es kein klares haptisches Feedback, der Rasierer rastet nirgends ein, und es macht auch kein deutlich vernehmbares "Klack". Ich muß meist ziemlich lange am Rasierer herumwackeln, bis die Ladeanzeige dann endlich anspringt; dasselbe gilt für den Reinigungsvorgang: Auf Knopfdruck passiert - meist - erstmal gar nichts; dann wackelt man am Rasierer herum, worauf dann gerne das Spiralkabel aus der Basissattion herausrutscht. Das nervt und hat wenig mit dem zu tun, wie ich mir eine "Vollautomatik" vorstelle. Hier mag eine Rolle spielen, daß zum Testen vermutlich Vorserienmodelle mit kleineren Kinderkrankheiten ausgeteilt wurden - ein Kaufprodukt mit einem solchen Mangel würde man sicherlich direkt wieder zum Händler zurücktragen.
Ein kleines Problem betrifft das Spiralkabel, das die Verbindung zum Stromnetz herstellen soll; das ist so kurz bemessen, daß man den 5090CC eigentlich direkt neben einer Steckdose aufstellen muß - die sind aber im Bad gewöhnlich Mangelware. Gravierender ist, daß bei meinem Testmodell das Stromkabel regelmäßig aus der Basisstation herausrutschte. Es bleibt zu hoffen, daß diese Kinderkrankheit ebenfalls beim Serienmodell abgestellt wird.
Da ich das Gerät nur vorübergehend in Benutzung hatte stellt sich für mich nicht die Frage, wie man eigentlich die Basisstation reinigt; im Laufder Zeit dürften sich darin einge ganze Menge Barstoppeln ansammeln. Leider befasst sich die Bedienungsanleitung nicht mit diesem Thema.
Eine abschließende Bewertung ist angesichts der gravierenden Kinderkrankheiten nicht möglich; würden diese nicht behoben, würde die Basisstation die Schulnote "ungenügend" verdienen. Sofern die Mängel behoben werden, gibt es mit etwas Augenzudrücken ein "ausreichend".
Haptik
Last but not least ist so eine Basisstation auch Geschmackssache in haptischer Hinsicht. Was die Verarbeitungsqualität und Haptik des Rasierers selbst angeht, habe ich am Braun Modell 5090CC kaum etwas auszusetzen. Bei der Basisstation sieht das aber ganz anders aus, denn die besteht aus billigem Kunststoff und macht alles andere als einen wertigen Eindruck. Das fängt damit an, daß der Plastikkörper zu wenig Gewicht hat und dadurch wackelig und klapprig wirkt; das setzt sich über den Fahrstuhlmechanismus zum Einsetzen der Kartusche fort, der nicht etwa wertig und sanft gleitet, sondern billigst springt.
Am Rasierer selbst gibt es nur zwei Kritikpunkte: Das ist zum einen das bereits erwähnte "klebrige" Oberflächenmaterial, was aber jemand anderem auch besonders gut gefallen mag, weil es eben weniger rutscht als ein glatter Kunststoff. Was an dem Rasierer jedoch wirklich stört sind die prominent hervorstehenden Kontaktknöpfe. Diese kleinen Metallstifte fühlen sich wie Metallpickel an, was bei einem Rasierer eigentlich keine besonders schöne Assoziation ist. Zumindest wenn man mit einer mitteleuropäischen Männerhand rasiert, muß man diese Kontaktstifte tagtäglich begrabbeln - das ließe sich sicherlich auch eleganter lösen.
Die Bewertung von Haptik ist natürlich äußerst subjektiv, insofern mögen andere Benutzer zu vollkommen anderen Bewertungen kommen. Von mir bekommt die Haptik der Basisstation die Schulnote "mangelhaft" und die des Rasierers ein "befriedigend".
Stromverbrauch und Stromversorgung
Auch nicht ganz unwichtig: Der Stromverbrauch. Der Akku hält nach voller Aufladung (ca. eine Stunde) etwa eine Woche durch (ca. 45 Minuten kabellose Rasur), das reicht für einen Kurzurlaub oder eine kleine Geschäftsreise. Die Akkukapazität entspricht somit dem, was ich von einem praxistauglichen Gerät erwarte. Allerdings sollte man nicht vergessen, daß die Akkukapazität mit den Jahren zurückgehen dürfte - meinen Panasonic konnte ich am Anfang volle zehn Tage ohne Steckdose betreiben, jetzt sind es noch etwa zwei. Zwar wirkt Braun ebenso wie Panasonic mit einem "leistungsstarker Li-Ionen-Akku ohne Memory-Effekt", das bedeutet jedoch eben nicht zwingend, daß sich der Akku mit der Zeit nicht abnutzt.
Auch die Basisstation verhält sich, was den Stromverbrauch angeht, ordentlich; anscheinend trennt sie sich bei Nichtbenutzung vom Stromnetz und zieht keine Totströme, wie praktisch alle älteren Elektrogeräte. Beim Laden des Rasierers verbraucht die Basisstation 1,4 bis 1,6 Watt. Alles in allem ist das zeitgemäß und entspricht den Erwartungen.
Der Rasierapparat lässt sich alternativ in der Basisstation aufladen - sofern es ihr denn gelingt, einen Kontakt herzustellen - oder direkt über das beiliegende Spiralkabel, das ansonsten die Basisstation mit dem Stromnetz verbindet. Während das Spiralkabel gerne von alleine aus dem Anschluß der Basisstation herausrutscht, muß man es mit einigem Druck auf den Rasierapparat stecken - das hält dann aber auch. Schulnote "gut".
Fazit
Wer mit seinem Trockenrasierer Motorsport-Gefühle verspüren möchte, dürfte beim Braun Series 5 Modell 5090CC seinen Traumpartner zum Rasieren gefunden haben. Wem das eher egal ist, bekommt einen soliden Rasierer für sanfte Rasuren.
Die Basisstation hat mich als Kaufargument jedoch nicht überzeugt; sie ist zu klapprig verarbeitet, um wirklich Freude zu bereiten, und das Reinigungskonzept mir kostspieligem Verbrauchsmaterial erinnert mich zu sehr an eingetrocknete Tintenstrahldruckerdüsen. Allerdings zwingt einen ja niemand, die Reinigungsfunktion zu benutzen oder Reinigungskartuschen nachzukaufen. Vermutlich kann man die Kartusche auch mit selbtgebrauten Flüssigkeiten befüllen, womit man sich dann natürlich im Schadensfall ein Problem einhandeln könnte.
Den Rasierer aus dem Braun 5090CC-Paket würde ich im Bedarfsfall durchaus kaufen; gibt es die Basistation als kostenloses Extra mit dazu, sollte das nicht vom Kauf abhalten. Den Listenpreis von 299,- Euro halte ich für heftig überteuert, hier wird der Einzelhandel noch kräftig an der Preisschraube drehen müssen, um das Gerät attraktiv zu machen.
Insgesamt erhält der Braun Series 5 Modell 5090CC für seine Gesamtleistung die Schulnote "befriedigend", wobei ich davon ausgehe, daß im Serienmodell die Kontaktprobleme zwischen Basisstation und Rasierier beseitigt sind.
- Blog von zakoo
- Anmelden oder Registrieren um Kommentare zu schreiben

Neueste Kommentare
vor 2 Wochen 2 Tage
vor 17 Wochen 6 Tage
vor 18 Wochen 1 Tag
vor 18 Wochen 2 Tage
vor 18 Wochen 5 Tage
vor 19 Wochen 6 Tage
vor 26 Wochen 3 Tage
vor 44 Wochen 6 Tage
vor 46 Wochen 6 Tage
vor 47 Wochen 5 Tage