Konfigurationsänderungen am OVH EG 2011 Best OF

Erfahrungsbericht zum OVH EG 2011 Best OF unter Debian GNU/Linux

OVH Manager - Betriebssystem reinstallieren/wechseln (Screenshot)

Konfigurationsänderungen am OVH EG 2011 Best OF - Erfahrungsbericht zum OVH EG 2011 Best OF unter Debian GNU/Linux.

Nicht alle Standardeinstellungen gefallen uns bei dem OVH-Server; in vielen Bereichen kann, muss oder sollte noch manuell nachgebessert werden.

Besonders abstrus finden wir die aufgezwungene Standardpartitionierung, die praktisch immer eine Neuinstallation erfordern wird und aus dem Standardinterface heraus nicht änderbar ist. Die Neuinstallation - einschließlich individueller Partitionierung - erfolgt browserbasiert und kann einfach nur als Glanzstück bezeichnet werden.

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Fakeraid und Partitionierung

Das Level-1-Fakeraid mountet /home auf eine 1,8 Terabyte große Partition:

# cat /etc/fstab
/dev/md1       /        ext4    errors=remount-ro       0       1
/dev/md2        /home   ext4    defaults        0       2
/dev/sda3       none    swap    defaults        0       0
/dev/sdb3       none    swap    defaults        0       0

Das ist für einen Debian-Webserver denkbar ungeignet, denn der legt seine Daten ja unter /var ab. Die Partitionierung kann, wenn man den Server das zweite Mal einrichten lässt - über den OVH Manager angepasst werden; nach der Erstinstallation erhält man hier auch Optionen zur Betriebssystemauswahl und zur Partitionierung.

# cat /etc/fstab
# <file system> <mount point>   <type>  <options>       <dump>  <pass>
/dev/md1        /       ext4    errors=remount-ro       0       1
/dev/sda2       swap    swap    defaults        0       0
/dev/sdb2       swap    swap    defaults        0       0

Also ein großes Array für / ohne weitere Partitionierung; auch /boot liegt im Array, was mit neueren Kerneln funktionieren sollte.

# df -h
Dateisystem           Size  Used Avail Use% Eingehängt auf
/dev/md1              1,8T  714M  1,7T   1% /
tmpfs                  12G     0   12G   0% /lib/init/rw
udev                   10M  196K  9,9M   2% /dev
tmpfs                  12G     0   12G   0% /dev/shm

Das ist flexibler, aber sicherlich nicht optimal bei einer 2-TB-Platte - die sollte man vermutlich schon partitionieren.

# cat /proc/mdstat
Personalities : [linear] [raid0] [raid1] [raid10] [raid6] [raid5] [raid4] [multipath] [faulty]
md1 : active raid1 sda1[0] sdb1[1]
      1922790336 blocks [2/2] [UU]
     
unused devices: <none>

Das Array ist sauber, um die unsinnigen RAID4/5/6/10-Personalities kümmern wir uns vorerst nicht.

Paketquellen und Updates

OVH hat die Paketquellen für Debian drastisch abgespeckt und teilweise auf eigene Mirror umgebogen; nach nach Verwendungsprofil kann es notwenig sein, zusätzliche Repositories ("non-free") freizuschalten.

Besonders aktuell hält OVH die Images allerdings nicht; ein erstes aptitude update bei unveränderter sources.list ergab 44 Updates, die dank apt rasch eingespielt werden können.


Kernel

Als laufender Kernel meldet sich der 64-bittige IPv6-Kernel 2.6.38.2-grsec-xxxx-grs-ipv6-64.

Hier sollte man bei Kernelupdates sehr vorsichtig sein und genau nachlesen, was genau die OVH-Kernel bereitstellen bzw. anderes anbieten als die Standard-Debian-Kernel.


Lokalisierung und Internationalisierung

Standardmäßig sind im OVH-Image vier Spracheinstellungen installiert:

  de_DE ISO-8859-1
  de_DE.UTF-8 UTF-8
  de_DE.UTF-8@euro UTF-8
  de_DE@euro ISO-8859-15
.

Bei Strato ist nur die (m.E. ausreichende) Locale de_DE.UTF-8 UTF-8 aktiviert, die wir auch hier mittels dpkg-reconfigure locales als Systemstandard setzen; mit de_DE.UTF-8@euro UTF-8 können wir leben, die alten ISO-8859-Codepages wollen wir aber nicht, also weg damit:

  Generating locales (this might take a while)...
    de_DE.UTF-8... done
    de_DE.UTF-8@euro... done
  Generation complete.

Das ergibt:

  # set |grep LANG
 LANG=de_DE
  LANGUAGE=de_DE:de

  # cat /etc/environment
 LANG=de_DE

...bewirkt aber leider auch folgende (reproduzierbare) Fehlermeldung:

# locale
locale: Cannot set LC_CTYPE to default locale: No such file or directory
locale: Cannot set LC_MESSAGES to default locale: No such file or directory
locale: Cannot set LC_ALL to default locale: No such file or directory
LANG=de_DE
LANGUAGE=de_DE:de
LC_CTYPE="de_DE"
LC_NUMERIC="de_DE"
LC_TIME="de_DE"
LC_COLLATE="de_DE"
LC_MONETARY="de_DE"
LC_MESSAGES="de_DE"
LC_PAPER="de_DE"
LC_NAME="de_DE"
LC_ADDRESS="de_DE"
LC_TELEPHONE="de_DE"
LC_MEASUREMENT="de_DE"
LC_IDENTIFICATION="de_DE"
LC_ALL=

Das repariert man - vielleicht - folgendermaßen:

# export LC_CTYPE=C
# export LC_MESSAGES=C
# export LC_ALL=C
# dpkg-reconfigure locales

Das ergibt dann bis zum nächsten Reboot:

# locale
LANG=de_DE
LANGUAGE=de_DE:de
LC_CTYPE="C"
LC_NUMERIC="C"
LC_TIME="C"
LC_COLLATE="C"
LC_MONETARY="C"
LC_MESSAGES="C"
LC_PAPER="C"
LC_NAME="C"
LC_ADDRESS="C"
LC_TELEPHONE="C"
LC_MEASUREMENT="C"
LC_IDENTIFICATION="C"
LC_ALL=C

Strato setzt LC_ALL dagegen nicht:

# locale
LANG=de_DE.UTF-8
LC_CTYPE="de_DE.UTF-8"
LC_NUMERIC="de_DE.UTF-8"
LC_TIME="de_DE.UTF-8"
LC_COLLATE="de_DE.UTF-8"
LC_MONETARY="de_DE.UTF-8"
LC_MESSAGES="de_DE.UTF-8"
LC_PAPER="de_DE.UTF-8"
LC_NAME="de_DE.UTF-8"
LC_ADDRESS="de_DE.UTF-8"
LC_TELEPHONE="de_DE.UTF-8"
LC_MEASUREMENT="de_DE.UTF-8"
LC_IDENTIFICATION="de_DE.UTF-8"
LC_ALL=

Diese Konfiguration hat uns schon jahrelang genervt, da Taxonomy_VTN immer herumnorgelte:

Your server does not support setlocale or your version of php is too old (use >= 4.4.0 or >= 5.0.2).
In other words, the alphabetical index sorting with letters such as ą ę ń cannot be properly sorted in your language.

Wie auch bei den Strato-Debians liefert OVH-Debian bei der Suche nach diesem ominösen "setlocale" nur Uninn:

# locate setlocale
/usr/share/man/es/man3/setlocale.3.gz
root@ns382659:~# man setlocale
No manual entry for setlocale

Beim zweiten Aufsetzen des Servers löschen wir die überflüssigen Locales und setzen diesmal:

# export LC_CTYPE=de_DE
# export LC_MESSAGES=de_DE
# export LC_ALL=de_DE
# dpkg-reconfigure locales

Das ist wieder nur tempärär und führt wieder zu allerlei Fehlermeldungen, beispielsweise wenn man die Exports in ~/.profile einträgt. Nach viel Fummelei erhalten wir schließlich:

# locale
LANG=de_DE.UTF-8
LANGUAGE=de_DE:de
LC_CTYPE="de_DE.UTF-8"
LC_NUMERIC="de_DE.UTF-8"
LC_TIME="de_DE.UTF-8"
LC_COLLATE="de_DE.UTF-8"
LC_MONETARY="de_DE.UTF-8"
LC_MESSAGES="de_DE.UTF-8"
LC_PAPER="de_DE.UTF-8"
LC_NAME="de_DE.UTF-8"
LC_ADDRESS="de_DE.UTF-8"
LC_TELEPHONE="de_DE.UTF-8"
LC_MEASUREMENT="de_DE.UTF-8"
LC_IDENTIFICATION="de_DE.UTF-8"
LC_ALL=

# set |grep LANG
LANG=de_DE.UTF-8
LANGUAGE=de_DE:de

# cat /etc/environment
LANG=de_DE

Locales sind ein gruseliges Thgema unter Debian und Derivaten. Hier scheint es ein grundsätzliches Problem zu geben, dem man bei Gelegenheit mal nachgehen sollte (vgl. auch http://ubuntuforums.org/showthread.php?t=319397). Ernüchternderweise drücken sich auf Debian-Experten wie Martin F. Krafft in "Das Debian-System - Konzepte und Methoden (Open Source Press, 2006) kommentarlos um das undurchsichtige Thema.

Zeit

Der Zeit-Dienst ntp ist nicht eingerichtet:

  # cat /etc/ntp.conf
 cat: /etc/ntp.conf: Datei oder Verzeichnis nicht gefunden

Einen Server im Internet ohne saubere Zeitsynchronisation berzeitzustellen ist sicherlich keine gut Idee. ntp sollte man also schleunigst nachinstallieren:

# aptitude install ntp

Mit dpkg-reconfigure tzdata (ehemals tzconfig kann man die Zeitzone ändern; bei Strato war sie standardmäßig auf "Europe/Berlin" gesetzt, während die Server bei OVH nach französischer Zeit laufen:

  # cat /etc/timezone
 Europe/Paris

Ob man da ein - für deutsche Server eher zutreffendes - "Europe/Berlin" einträgt, oder die OVH-Einstellung belässt, ist wohl ziemlich egal; der Versatz zu GMT/UTC bleibt ja gleich.

Dienste

Laut Debian Runlevel Configuration (rcconf) laufen auf dem frisch eingerichteten Server folgende Dienste:

  atd
  bind9
  bootlogs
  fixudev
  hddtemp
  irqbalance
  lvm2
  lwresd
  mdadm
  mdadm-raid
  module-init-tools
  procps
  rsync
  rsyslog
  smartmontools
  ssh
  udev

Das ist eine ganze Menge für einen Server, der angeblich "ausschließlich SSH" vorkonfiguriert haben soll. smartmontools und hddtemp sind sinnvolle Entscheidungen, bei bind9 und rsync ist uns nicht so ganz klar, warum diese Daemons unbedingt laufen müssen.

Anmerkung: BIND dient laut OVH als cachender Namserver; Daemons wie hddtemp und smartmontools sind zwar installiert, aber standardmäßig nicht konfiguriert.

Gegenüber der (schlankeren) Standardkonfiguration von Strato fehlen bei OVH ausserdem u.a. cron und ntp. Wie bei Strato ist auch bei OVH rcconf nicht vorinstalliert.

Monitoring

OVH verbaut Seagate-Platten, also High-tech-Bratpfannen, deren Temperatur man dringend überwachen sollte. Dazu dient hddtemp. Rekonfiguration:

# dpkg-reconfigure hddtemp

Der nun folgende Dialog fragt folgende Werte ab (Standardwert in [eckigen Klammern]):

  • Soll hddtemp mit root-Rechten arbeiten?: [Nein] Nein
  • Zeitraum zwischen den Überprüfungen der Festplattentemperatur: [0] 600
  • Den Hddtemp-Dienst beim Hochfahren des Systems starten: [Ja] Ja
  • Schnittstelle, an der auf Anfragen gewartet wird: [127.0.0.1] 127.0.0.1
  • Port, an dem auf Anfragen gewartet wird: [7634] 7634

Die Konfigurationsdaten finden sich in /etc/default/hddtemp.

hddtemp meldet nun: Starting disk temperature monitoring daemon: hddtemp:  /dev/sda /dev/sdb. Im Syslog finden sich passende Einträge:

Oct  7 22:39:46 ns225163 hddtemp[16421]: /dev/sda: ST32000641AS: 33 C
Oct  7 22:39:46 ns225163 hddtemp[16421]: /dev/sdb: ST32000641AS: 35 C

Ein Tick zu warm, aber für Seagate-Platten nicht ungewöhnlich und hoffentlich noch im grünen Bereich. Vergleichswerte:

Jul  5 14:51:24 localdesktop hddtemp[19762]: /dev/sda: SAMSUNG HD502HI: 32 C
Jul  5 14:51:24 localdesktop hddtemp[19762]: /dev/sdg: SAMSUNG HD502HI: 30 C
Jul  5 14:51:24 localdesktop hddtemp[19762]: /dev/sdh: SAMSUNG HD502HI: 31 C

Die smartmontools werden in /etc/default/smartmontools konfiguriert. Damit der Monitoring-Daemon smartd aktiv wird, muss in der Konfigurationsdatei start_smartd=yes gesetzt werden.

smartd wird in /etc/smartd.conf konfiguriert. Standardeinstellung ist hier:

DEVICESCAN -d removable -n standby -m root -M exec /usr/share/smartmontools/smartd-runner

Mit dem Lm sensors-Paket lassen sich zusätzlich Temperaturen, die Lüfterdrehzahlen, Spannungen und einige weitere Informationen des Mainboards auslesen.

Beispielausgabe:

$ sensors
it8720-isa-0290
Adapter: ISA adapter
in0:         +0.85 V  (min =  +0.00 V, max =  +4.08 V)  
in1:         +1.58 V  (min =  +0.00 V, max =  +4.08 V)  
in2:         +3.34 V  (min =  +0.00 V, max =  +4.08 V)  
+5V:         +3.04 V  (min =  +0.00 V, max =  +4.08 V)  
in4:         +0.40 V  (min =  +0.00 V, max =  +4.08 V)  
in5:         +3.14 V  (min =  +0.00 V, max =  +4.08 V)  
in6:         +0.08 V  (min =  +0.00 V, max =  +4.08 V)  
5VSB:        +3.07 V  (min =  +0.00 V, max =  +4.08 V)  
Vbat:        +3.26 V
fan1:       1558 RPM  (min =   10 RPM)
fan2:          0 RPM  (min =    0 RPM)
fan3:          0 RPM  (min =    0 RPM)
fan4:       1573 RPM  (min =   10 RPM)
temp1:       +42.0°C  (low  = +127.0°C, high = +127.0°C)  sensor = thermistor
temp2:       +25.0°C  (low  = +127.0°C, high = +127.0°C)  sensor = thermistor
temp3:       +35.0°C  (low  = +127.0°C, high = +90.0°C)  sensor = thermistor

Wir installieren lm-sensors auf dem OVH-Server nicht - wir haben ja Server Hosting und kein Server Housing gebucht und überlassen daher die Überwachung dieser Komponenten vertrauensvell den Kollegen im OVH-Rechenzentrum.

Netmarks

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