GUI-Tools für DVD-Authoring unter GNU/Linux - Update 2014

DVD Styler 2.1 - Hauptfenster (Screenshot)

Im August 2006 suchte ich erstmals nach einer Lösung, um eine Video-DVD unter GNU/Linux zu erstellen. In den vergangenen acht Jahren ist die Bedeutung von optischen Datenträgern weiter zurückgegangen; eine zeitgemäße Aufgabenstellung wäre Mitte 2014, ob man vielleicht eine Blu-ray-Disc mastern könnte.

Aber auch wenn die Aufgabenstellung nicht mehr zeitgemäß ist, ich hatte das das Problem dennoch zu lösen. Daher hier ein Überblick über den Stand des DVD-Authoriung unter GNU/Linux im September 2014.

Auffällig ist zunächst, daß die Vielfalt der Optionen zugenommen hat. Die offizielle Ubuntu-Dokumentation verzeichnet zum Thema "DVD Authoring" immerhin sieben paketierte Programme sowie drei weitere, die aus externen Quellen installiert werden können.

Genannt werden folgende Programmpakete:

  • Bombono DVD (Gtk)
  • DeVeDe
  • k3b
  • KMediaFactory
  • Mistelix
  • QDVDAuthor
  • DVD Styler
  • Tovid
  • Polidori

Kurz angetestet

DeVeDE v3.21.0 hat eine übersichtliche und selbsterklärend wirkende Oberfläche, die auch ordentlich übersetzt ist.

Die Menü-Vorschau funktioniert tadellos, die Video-Vorschau funktioniert nicht. Als Ausgabeoption bietet die Software an, ein "brennfertiges ISO- oder BIN/CUE-Abbild" zu erzeugen und sogar selbst zu brennen.

Das Mastern einer Video-DVD mit zwei Kapiteln mit insgesamt rund 20 Minuten Spieldauer dauert jeweils etwa 150 Minuten (Quad-Core CPU); trotz angeblicher Multiprozessor-Unterstützung wird laut 'htop' beim Transcodieren nur eine CPU ausgelastet.

Zwei Anläufe mit unterschiedlichen Transcodierungs-Einstellungen führte jeweils zu ohne gemeldete Fehler gebrannten DVDs, die weder als Video-DVDs erkannt wurden, noch ein Menü anzeigten. Die nicht funktionierende Applikation kann also bedenkenlos deinstalliert werden.

DVD Styler v2.1 ist mittlerweile für Ubuntu paketiert. Die Software ist ebenfalls in deutscher Sprache verfügbar, hat jedoch eine etwas undurchsichtige Benutzungsoberfläche. Beispielsweise bleibt vollkommen unklar, ob man irgendwelche Einstellungen vornehmen muß oder welche Automatismen die Software mitbringt.

Als Ausgabeoptionen habe ich diesmal gleich "ISO" gewählt, um nicht noch mehr DVD-Rohlinge sinnlosen Versuchen zu opfern - VLC kann ja glücklicherweise ISO-Images direkt abspielen.

Das Transcodieren dauert mit DVD Styler interessanterweise nur wenige Minuten. Während der Bearbeitung zeigt die Software übersichtliche Statusinformationen an:

Vorbereiten

Erstelle die Menüs

Transkodieren/remultiplexen:

Erstelle DVD

Starte die Vorschau

Erstelle ISO-Abbilddatei

In einem zusätzlichen Bereich des Statusfensters werden detaillierte Angaben zu den Verarbeitungsschritten ausgegeben. Nach Abschließen des Transcodierenss wird ungefragt eine Vorschau angezeigt, die auch auf Anhieb funktioniert.

Das Generieren eines ISO-Images mit Fehlerkorrekturdaten mittels 'dvdisaster' dauert ebenfalls nur wenige Minuten. Auch diese Software verteilt die Prozesse nicht gleichmäßig auf die verfügbaren CPU-Kerne, aber sie nutzt anscheinend auch nicht ausschließlich einen Kern.

Das erzeugte ISO-Image lässt sich problemlos mit VLC oder Tetem abspielen; Menüs werden angezeigt und sind auch benutzbar: Die Software generiert ein Titelmenü mit den Optionen "Alle abspielen" und "Titel auswählen". Bei "Titel auswählen" wird eine zweie Menüseite aufgerufen, auf der Thumnails der einzelnen Videos dargestellt werden. Video 1 wird zu "Title 1, Chapter 1", Video 2 zu "Title 2, Chapter 1".

Beim ersten Versuch, das ISO-Image mit der Ubuntu-Systemapplikation "Auf CD/DVD schreiben" zu brennen führt zu einem Systemabsturz. Beim zweiten Versuch klappt es dann. Test im DVD-Player: Funktioniert. Problem gelöst!

Der einzige Schönheitsfehler, der mir bei DVD Styler aufgefallen ist: Der Text für das DVD-Label wird nicht validiert, d.h. man kann dort Umlaute oder andere Sonderzeichen einfügen, die nicht zulässig sind.

Fazit

Der "Neuling" DVD Styler durchaus ein Gewinn für GNU/Linux: Endlich gibt es eine Software, mit der schnell und unkompliziert eine Video-DVD gemastert werden kann. Gehobene Ansprüche wird dieses Programm vielleicht nicht befriedigen; wer aber einfach nur zu einem Ergebnis kommen möchte, sollte sich dieses Programm einmal anschauen.

Wer Spaß daran hat, Software auszuprobieren, darf gerne die übrigen Optionen für DVD-Authoring unter GNU/Linux durchprobieren; vielleicht gibt es ja noch das eine oder andere Programm, das interessante Zusatzfeatures bietet. Ich bin da mittlerweile bescheidener geworden und freue mich, wenn eine Anwendung einfach nur das tut, was sie tun soll. Und das tut DVD Styler.

Siehe auch

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Kommentare

Aktualisierung zu DVD Styler (2016)

Leider funktioniert DVD Styler im Jahr 2016 unter Ubuntu 14.04 LTS nicht mehr zuverlässig, sondern stürzt beim Mastern reproduzierbar ab. Also wieder allso so wie ein Jahrzehnt zuvor: DVD-Mastern unter Linux ist kompliziert oder geht gar nicht :-(