Fotohändler bedroht bloggenden Fotografen
Der Fotograf Thomas Hawk veröffentlichte in seinem Blog einen Erfahrungsbericht mit dem US-amerikanischen Online-Fotohändler PriceRitePhoto und wurde darauf in wüster Form bedroht: "Ich werde dafür sorgen, dass du nie wieder etwas im Internet bestellen kannst", "Ich bin ein Anwalt, ich werde dich verklagen", "Du hast keine Ahnung, mit wem du dich einlässt" – mit solchen und ähnlichen weiteren Drohungen soll Thomas Hawk am 29. November nach Veröffentlichung seines Berichts von einem gewissen Steve Philips, Store-Manager von PriceRitePhoto, bedroht worden, bericht er in seinem Blog.
Eigentlich wollte Thomas, nach eigenen Angaben ein passionierter Hobbyfotograf, einfach nur eine Canon EOS 5D kaufen, die im Online-Shop von PriceRitePhoto für 2.899 US-Dollar angeboten wurde. Obwohl ihm zunächst bestätigt wurde, dass die Kamera vorrätig sei, ging der bestelle Artikel nicht in den Versand, nachdem Thomas' abgelehnt hatte, zusätzlich zu seiner Bestellung noch überteuertes Zubehör bei PriceRitePhoto zu erwerben – er wollte halt nur das Kameragehäuse kaufen. Von solchen Praktiken hört man immer wieder; übereinstimmenden Berichten nach sollen sich beispielsweise allerhand schlitzohrige Fotohändler in New York darauf spezialisiert zu haben, naive Touristen auszunehmen, indem ihnen nutzloses oder überteuertes Zubehör aufgeschwatzt wird. Anscheinend verbreiten sich diese Praktiken zunehmend auch im Online-Handel.
Auf telefonische Nachfrage nach dem Versandstatus gelangte Thomas schließlich an den besagten Store-Manager Steve Philips und mußte dessen verbale Entgleisungen über sich ergehen lassen; Thomas stornierte schließlich die Bestellung. Die Kamera wurde dann auch nicht geliefert, dafür jedoch Thomas' Kreditkarte mit 2.238,99 US-Dollar belastet; in weiteren Anrufen drohte Steve Philips von PriceRitePhoto ihm dann "Besuch vom FBI" an und belästigte sogar wiederholt Thomas' Vorgesetzte im Büro, die mit der ganzen Angelegenheit nun überhaupt nichts zu tun hatten.
In der Blogosphäre wurde Thomas' Erlebnis mit PriceRitePhoto von vielen Bloggern aufgegriffen, Postings erschienen schließlich auch auf Slashdot, Boing Boing und Metafilter; PriceGrabber entfernte PriceRitePhoto aus ihrem Verzeichnis, und auch Yahoo! versprach, ein Auge auf PriceRitePhoto zu werfen.
Manches von Thomas' Erlebnissen kommt mir bekannt vor; so liegt auch bei einigen deutschen Fotohändlern manches im Argen, wenn man beispielsweise per Vorkasse bestellen soll und das georderte Produkt nicht zeitnah oder gar nicht geliefert wird; wenn man hofft, in einer Filiale sachgerecht beraten zu werden; oder wenn man beispielsweise eine Garantiereparatur abwickeln muß und die defekte Kamera wochenlang und spurlos verschwindet.
Bei den schwarzen Schafen unter den deutschen Fotohändlern kommt es allerdings nicht unbedingt zu verbalen Entgleisungen eines Store-Managers, sondern hier werden beispielsweise mißliebige Internet-Berichte von Kunden gerne auf dem Rechtsweg und mittels Anwalt behandelt. Die Sachverhalte unterscheiden sich natürlich grundlegend im Detail, die Muster sind aber dieselben: Viele Unternehmen wollen zwar Geschäfte im Internet machen, gehen dann aber rücksichtslos auf dem Rechtsweg gegen den freien Austausch von Informationen und Meinungen über das Internet vor – anscheinend soll man bei derartigen Händlern einfach nur kaufen, aber dann lieber die Klappe halten, wenn man schlechte Erfahrungen gemacht hat. Das Internet wird dabei als Einweg-Vertriebsplattform mißverstanden.
Ein solcher Erfahrungsbericht im Internet war ja auch Auslöser für den Ärger, den sich Thomas Hawk mit seinem versuchten Kauf einer Canon EOS 5D bei PriceRitePhoto einhandelte: Ähnliches hätte ihm auch in Deutschland passieren können, nur wäre er hier vermutlich wegen "Rufschädigung" verklagt worden, wenn er an einen entsprechend streitlustigen Fotohändler geraten wäre.
Literaturhinweise
Medien zum Thema
Autor: Peter Bülow
Verlag: Verlagsgruppe Hüthig-Jehle-Rehm (2005)
Bindung: Gebundene Ausgabe, 539 Seiten
Autor:
Verlag: Rhombos-Verlag (2004)
Bindung: Taschenbuch, 236 Seiten
Autor: Bernd Ivens
Verlag: Goldmann (2002)
Bindung: Taschenbuch, Seiten
Autor: Hans Schulte-Nölke, Reiner Schulze
Verlag: Nomos (1999)
Bindung: Sondereinband, 342 Seiten
Autor: Thomas Wilmer, Harald J. Th. Hahn
Verlag: Springer Vienna (2005)
Bindung: Gebundene Ausgabe, 308 Seiten
Autor: Fokke Fock
Verlag: Droemer Knaur (2002)
Bindung: Taschenbuch, Seiten
Autor: Günter Borchert
Verlag: Beck (2003)
Bindung: Taschenbuch, 133 Seiten
Autor: Alexander Meinhof, Rüdiger Martis
Verlag: Beck Juristischer Verlag (2005)
Bindung: Taschenbuch, 237 Seiten
Autor: Norbert Reich, Hans-Wolfgang Micklitz
Verlag: Nomos (2003)
Bindung: Gebundene Ausgabe, 1268 Seiten
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Permalink: http://kefk.org/node/71
Zuletzt bearbeitet: 4. Januar 2010 - 6:43
Der Fotograf Thomas Hawk veröffentlichte in seinem Blog einen Erfahrungsbericht mit dem US-amerikanischen Online-Fotohändler PriceRitePhoto und wurde darauf in wüster Form bedroht: "Ich werde dafür sorgen, dass du nie wieder etwas im Internet bestellen kannst", "Ich bin ein Anwalt, ich werde dich verklagen", "Du hast keine Ahnung, mit wem du dich einlässt" – mit solchen und ähnlichen weiteren Drohungen soll Thomas Hawk am 29. November nach Veröffentlichung seines Berichts von einem gewissen Steve Philips, Store-Manager von PriceRitePhoto, bedroht worden, bericht er in seinem Blog.
Eigentlich wollte Thomas, nach eigenen Angaben ein passionierter Hobbyfotograf, einfach nur eine Canon EOS 5D kaufen, die im Online-Shop von PriceRitePhoto für 2.899 US-Dollar angeboten wurde. Obwohl ihm zunächst bestätigt wurde, dass die Kamera vorrätig sei, ging der bestelle Artikel nicht in den Versand, nachdem Thomas' abgelehnt hatte, zusätzlich zu seiner Bestellung noch überteuertes Zubehör bei PriceRitePhoto zu erwerben – er wollte halt nur das Kameragehäuse kaufen. Von solchen Praktiken hört man immer wieder; übereinstimmenden Berichten nach sollen sich beispielsweise allerhand schlitzohrige Fotohändler in New York darauf spezialisiert zu haben, naive Touristen auszunehmen, indem ihnen nutzloses oder überteuertes Zubehör aufgeschwatzt wird. Anscheinend verbreiten sich diese Praktiken zunehmend auch im Online-Handel.
Auf telefonische Nachfrage nach dem Versandstatus gelangte Thomas schließlich an den besagten Store-Manager Steve Philips und mußte dessen verbale Entgleisungen über sich ergehen lassen; Thomas stornierte schließlich die Bestellung. Die Kamera wurde dann auch nicht geliefert, dafür jedoch Thomas' Kreditkarte mit 2.238,99 US-Dollar belastet; in weiteren Anrufen drohte Steve Philips von PriceRitePhoto ihm dann "Besuch vom FBI" an und belästigte sogar wiederholt Thomas' Vorgesetzte im Büro, die mit der ganzen Angelegenheit nun überhaupt nichts zu tun hatten.
In der Blogosphäre wurde Thomas' Erlebnis mit PriceRitePhoto von vielen Bloggern aufgegriffen, Postings erschienen schließlich auch auf Slashdot, Boing Boing und Metafilter; PriceGrabber entfernte PriceRitePhoto aus ihrem Verzeichnis, und auch Yahoo! versprach, ein Auge auf PriceRitePhoto zu werfen.
Manches von Thomas' Erlebnissen kommt mir bekannt vor; so liegt auch bei einigen deutschen Fotohändlern manches im Argen, wenn man beispielsweise per Vorkasse bestellen soll und das georderte Produkt nicht zeitnah oder gar nicht geliefert wird; wenn man hofft, in einer Filiale sachgerecht beraten zu werden; oder wenn man beispielsweise eine Garantiereparatur abwickeln muß und die defekte Kamera wochenlang und spurlos verschwindet.
Bei den schwarzen Schafen unter den deutschen Fotohändlern kommt es allerdings nicht unbedingt zu verbalen Entgleisungen eines Store-Managers, sondern hier werden beispielsweise mißliebige Internet-Berichte von Kunden gerne auf dem Rechtsweg und mittels Anwalt behandelt. Die Sachverhalte unterscheiden sich natürlich grundlegend im Detail, die Muster sind aber dieselben: Viele Unternehmen wollen zwar Geschäfte im Internet machen, gehen dann aber rücksichtslos auf dem Rechtsweg gegen den freien Austausch von Informationen und Meinungen über das Internet vor – anscheinend soll man bei derartigen Händlern einfach nur kaufen, aber dann lieber die Klappe halten, wenn man schlechte Erfahrungen gemacht hat. Das Internet wird dabei als Einweg-Vertriebsplattform mißverstanden.
Ein solcher Erfahrungsbericht im Internet war ja auch Auslöser für den Ärger, den sich Thomas Hawk mit seinem versuchten Kauf einer Canon EOS 5D bei PriceRitePhoto einhandelte: Ähnliches hätte ihm auch in Deutschland passieren können, nur wäre er hier vermutlich wegen "Rufschädigung" verklagt worden, wenn er an einen entsprechend streitlustigen Fotohändler geraten wäre.
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