GUI-Tools für DVD-Authoring unter GNU/Linux

Kennen Sie das? Sie haben eine obskure MPEG-Datei, beispielsweise von ihrer DVB-Karte oder aus dem Internet Archive, und möchten daraus eine Video-DVD bauen?

Unter Microsoft Windows wäre das keine übermäßig anspruchsvolle Aufgabe, zumindest wenn man ein preiswertes Programm wie Nero Vision Express oder gar ein richtiges Authoring-Programm à la Adobe Encore zur Hand hat. Unter GNU/Linux ist das aber eine ganz andere Sache, ausgereifte click & go-Lösungen gibt es hier bisher leider noch nicht.

Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Erstellen von einfachen Video-DVDs mit benutzerfreundlichen Programmen, die unter GNU/Linux verfügbar sind. Als 'benutzerfreundlich' verstehen wir hier solche Applikationen, die den Benutzer ohne zeitraubendes Handbuch- oder Tutorial-Studium zu funktionierenden Ergebnissen führen; dies schließt Ketten von Kommandozeilen-Tools aus, auch wenn der erfahrene Benutzer hiermit schneller und zuverlässiger zu funktionierenden Endergebnissen kommen kann.

Für das DVD-Authoring unter Linux stehen derzeit grundsätzlich drei Programme mit GUI zur Verfügung:

DVDStyler – eine Cross-Platform-Anwendung unter GNU GPL
Q-DVD-Author – eine Qt-Applikation
KMediaFactory – eine KDE-Applikation

Alle drei Programme sind lediglich grafische Frontends für ein Sammelsurium von Kommandozeilentools wie DVDauthor; damit diese GUI-Tools überhaupt etwas sinnvolles machen, muß man zuvor Sorge tragen, dass die entsprechenden Abhängigkeiten vollständig aufgelöst sind und die Kommandozeilentools funktionsfähig konfiguriert sind. Viele GNU/Linux-Distributionen erledigen mittlerweile sinnvolle Grundkonfigurationen von Hause aus, vollkommen verlassen kann man sich darauf jedoch leider nicht.

Unter Ubuntu 6.06 LTS sind dvdauthor, qdvdauthor und kmediafactory apt-gettable über die Universe- bzw. Multiverse-Repositories; die entsprechenden Abhängigkeiten werden – wie bei jedem Debian-basierten GNU/Linux-Betriebssystem – automatisch aufgelöst. Will man aktuellere Versionen einsetzen, muß man meist den Quellcode von den jeweiligen Projekthomepages herunterladen und selbst übersetzen; dazu werden dann noch weitere Programme wie g++ und make benötigt; außerdem hebelt man selbstkompilierten Programmen die Paketverwaltung der jeweiligen Distribution aus, daher gehen wir auf diese Variante hier nicht näher ein, wir wollen uns ja mit benutzerfreundlichen und ergebnisorientierten Lösungen beschäftigen und nicht mehr basteln als unbedingt notwendig.

DVDStyler ist aus unerfindlichen Gründen nicht in den gängigen Debian- und Ubuntu-Archiven verfügbar ist, kann aber als Debian-Archiv von Sourceforge heruntergeladen werden: DVDStyler 1.4 (ca. 760 kB); diese Version ist auch unter Ubuntu 6.06 LTS installierbar und lauffähig.

DVDStyler

DVDStyler verfügt über eine sehr simple Oberfläche mit wenigen Konfigurationsmöglichkeiten. Über Tabs kann man eine Video-Datei aus dem Verzeichnisbaum auswählen, einen Hintergrund einstellen und Buttons einbinden – das ist alles, was die Oberfläche bietet. Der Verzeichnisbrowser zeigt ein Thumbnail der Videodateien, aber keine Dateigrößen; zieht man eine MPEG-Datei auf die Arbeitsfläche, meldet DVDStyler einen Fehler: "No handler found for image type". Die Oberfläche ist also alles andere als intuitiv; leider steht auch keine Hilfedati zur Verfügung, von kontextsensitiven Hilfstexten oder einem Wizard einmal ganz abgesehen. Unterstützende Materialien findet man lediglich auf der Homepage des Projekts: Docs zu DVDStyler; hier sind auch ein Wiki und verschiedene externe Tutorials verlinkt. Unklar ist, warum diese verfügbaren Materialien nicht wenigstens aus dem Programm heraus verlinkt sind.

Das Programm bietet vier Menüs: Datei, DVD, Konfiguration und Hilfe; über den letztgenannten Menüpunkt erreicht man jedoch keine Hilfe, sondern lediglich eine "Über"-Dialogbox mit einem Hinweis, wer das Programm geschrieben hat. Mit "Datei/Neu" kann man eine neue DVD in den Formaten PAL und NTSC anlegen. Mit "DVD/Hinzufügen" kann man dem 'Projekt' ein "Menü" oder ein "vmMenü", nicht jedoch eine MPEG-Datei hinzufügen.

Mit einem Doppelklick auf eine Videodatei im Verzeichnisbaum scheint man die Datei in die Arbeitsfläche zu bekommen, in der Statuszeile steht jedoch weiterhin: "Gesamtgröße: 0 MB". Eine Vorschaufunktion scheint es nicht zu geben, man kann das 'Projekt' aber direkt brennen. Probiert man das, bekommt man die Fehlermeldung: "Es wurde kein Titel spezifiziert. Um einen Titel hinzuzufügen muss man eine Videodatei in das untere Teil vom Fenster ziehen". Aha, gesagt, getan. Tatsächlich bekommt man dann einen "Brennen"-Dialog. Hier kann man u.a. "Vorschau" anklicken und einen DVD-Recorder auswählen, jedoch der zu brennenden Video-DVD keinen Titel vergeben. Die Fortschritte beim Erstellen der DVD werden in einem folgenden Statusfenster akkurat angezeigt; das Generieren der DVD scheiterte bei uns auf einem Dual-Athlon-MP-Rechner mit der Fehlermeldung

**ERROR: [mplex] Too many frame drops -exiting

Wenigstens scheiterte das Programm bereits vor dem Brennen der DVD, so dass wenigstens kein Rohling zerschossen wurde.

Fazit

DVDStyler ist ein vielversprechendes Programm mit Entwicklungspotenzial. Für den click & go-Anwender ist es jedoch in der aktuellen Version 1.4 noch ungeeignet. Verbesserungswürdig sind vor allem die Benutzerschnittstelle und die Hilfefunktion; in der vorliegenden Form kommt der Benutzer um das zeitaufwändige Studium von (externen) Dokumentationen und Tutorials noch nicht herum, selbst wenn nur eine einfachste Video-DVD ohne Menüs und sonstigen Schnickschnack erstellt werden soll.

Q-DVD-Author

Q-DVD-Author liegt bisher nur in einer sehr frühen Version 0.1.0 vor, dementsprechend sollte man auch keine hochgesteckten Erwartungen an das Programm stellen. Die Oberfläche präsentiert sich etwas konfus, die relevanten Buttons zum Erstellen einer Einfachst-DVD scheinen jedoch vorhanden zu sein; mit "Add Movie" fügt man beispielsweise eine MPEG-Datei zum aktuellen Projekt hinzu. Theoretisch könnte man nun ein Preview abspielen, doch schon diese Funktion ist noch nicht implementiert. Auch Buttons, die mit "Help" beschriftet sind, zeigen meistens keinerlei Wirkung.

Mit dem Menüeintrag "DVDAuthor/Create DVD" kann man un versuchen, sein Projekt auf einen geeigneten Rohling zu brennen. Dazu muß man sinnigerweise "Don't exexute Burn DVD" anklicken, dann zeigt das Programm die Arbeitsschritte, die es anegblich noch ausführen möchte. Klickt man hier auf "OK", wird für einige Sekunden ein weiteres Fenster eingeblendet, in dem irgendwelche Kommandozeilen-Ausgaben vorbeihuschen; das Fenster schließt sich dann von selbst, ein Zugriff auf den DVD-Brenner erfolgt nicht.

Fazit

In der aktuellen Version 0.1.0 wirkt Q-DVD-Author eher wie eine zusammengelickte Design-Studie; irgendeine nutzbare Funktionalität ist bisher nicht erkennbar. Der Versuch, eine Einfachst-DVD ohne Menüs zu erzeugen, schlägt vollkommen ohne jedes Ergebnis fehl. Sollte geplant sein, das Programm irgendwann einmal produktiv einsetzbar zu machen, dürfte noch eine erhebliche Entwicklungsphase bevorstehen.

KMediaFactory

KMediaFactory ist ein relativ junges Programm zum Erstellen von DVDs unter KDE; natürlich kann es auch von Gnome-Benutzern eingesetzt werden, man muß dann lediglich etwas längere Ladezeiten beim Programmstart in Kauf nehmen.

Die Benutzeroberfläche von KMediaFactory verspricht mehr Funktionen als die von DVDStyler, wirkt aber dennoch zumindest ebenso 'aufgeräumt'. Unter Ubuntu 6.06 LTS ist das Program zwar apt-gettable, funktioniert aber dennoch hinter und vorne nicht; ein paar Probleme und Lösungsansätze beschreibt Marcel Hilzinger in seinem Beitrag "DVD-Fabrik: Video-DVDs mit KMediafactory erstellen", der in 09/2006 des Magazins Linux User zu finden ist.

Gravierendstes Manko: KMediaFactory erzeugt in der Version 0.5.1 aus einer korrekten MPEG-Datei von beispielsweise 3,1 GB immer eine vollkommen kaputte DVD-Dateistruktur mit einer VTS_01_0.VOB-Datei in VIDEO_TS mit 146 kB (!) Dateigröße – das läßt sich, zumindest unter Ubuntu 6.06 LTS, präzise reproduzieren mit beliebigen anderen MPEG-Dateien.

Fazit

In der vorliegenden Programmversion bietet KMediaFactory zwar eine recht nette und halbwegs aufgeräumte Oberfläche, ist aber in der Praxis vollkommen unbenutzbar. Mit einigen Jahren Entwicklungszeit könnte sich das Programm zu einem brauchbaren Werkzeug entwickeln, dieses Potenzial ist aber momentan allenfalls in Ansätzen erkennbar.

Netmarks

Tutorials:
• Marcel Hilzinger: "DVD-Fabrik: Video-DVDs mit KMediafactory erstellen", in: Linux User, 09/2006, S. 51-53
• Marco Kraus: Geschnitten und geröstet, in: Linux User 11/2004
Tutotial von cdburnerxp.se
Tutorial von Christian Hoffmann [deutschsprachig]

Basisprogramme:
DVDauthor
DVD-Slideshow
K3B
MJPEG Tools
Mencoder
ffmpeg
Transcode
Xine

Frontends:
DVDStyler
Q-DVD-Author
KMediaFactory

Literaturhinweise